Zwangsstörung

Zusammenfassung

  • Definition: Eine Zwangsstörung ist durch wiederholte Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen gekennzeichnet.
  • Epidemiologie: Die 12-Monats-Prävalenz beträgt in Deutschland 3,3 % bei Männern und 4,0 % bei Frauen.
  • Symptome: Zwangsgedanken sind wiederholte unangenehme Gedanken, Ideen oder Handlungsimpulse (Intrusionen). Zwangshandlungen sind Reaktionen auf Zwangsgedanken. Zwangshandlungen verschaffen den Betroffenen kurzfristige Erleichterung und Angstreduktion.
  • Untersuchung: Evtl. neuropsychologische Testverfahren zur Ergänzung der Anamnese. Neurologische und dermatologische Untersuchung bei entsprechender Komorbidität.
  • Diagnostik: Zerebrale Bildgebung bei Hinweisen auf Gehirnpathologie und bei allen Patienten mit Ersterkrankungsalter über 50. Umfassendere neuropsychologische Tests bei unklarer Diagnose und ggf. zur Verlaufskontrolle.
  • Therapie: Kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement. Evtl. medikamentöse Therapie mit SSRI. Clomipramin nur als Ersatzmedikament.

Allgemeine Informationen

Definition1

  • Eine Zwangsstörung (Obsessive-Compulsive Disorder) ist durch wiederholte Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen gekennzeichnet.
  • Zwangsgedanken (Obsessions)
    • Wiederholte unangenehme Gedanken, Vorstellungen und Handlungsimpulse (Intrusionen), die sich dem Bewusstsein aufdrängen.
    • Diese können sehr beängstigend sein; in vielen Fällen handelt es sich um Ängste vor Infektionen, Krankheiten und Gewalt.
    • oft bizarr anmutend und rational schwer nachvollziehbar
    • typische Themen:
      • Ansteckung
      • Vergiftung
      • Verschmutzung
      • Krankheit
      • Streben nach Symmetrie und Ordnung
      • Aggression
      • Sexualität
      • Religion.
  • Zwangshandlungen (Compulsions)
    • Reaktion auf die Zwangsgedanken
    • Die Patienten versuchen damit, ihr Unbehagen zu reduzieren und bestimmte imaginäre, gefürchtete Ereignisse zu verhindern.
      • Obwohl die meisten Patienten prinzipiell einsehen, dass die Zwangshandlungen unsinnig sind, können sie sie nicht oder nur schwer unterlassen.
      • Kann eine Zwangshandlung nicht ausgeführt werden, führt dies zunächst zum Anstieg von Anspannung und Angst, was als kaum erträglich empfunden wird.
      • Fast immer bestehen starke Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit von Handlungen oder Entscheidungen.
    • zwanghafte Wiederholung
    • Beispiele:
      • häufiges Händewaschen (Waschzwang)
      • Kontrolle von Türen, Schlössern oder Herdplatten (Kontrollzwang)
      • paralleles oder symmetrisches Anordnen von Gegenständen (Ordnungszwang)
      • Zählrituale.
  • Die Störung kann zu erheblicher Einschränkung und gelegentlich auch Verlangsamung alltagsbezogener Funktionsabläufe und zu einer reduzierten Lebensqualität führen.
    • Die WHO stuft Zwangsstörung als eine der 20 Erkrankungen ein, die normale Funktionen am stärksten einschränken.
  • Die Betroffenen zeigen keine allgemeine Beeinträchtigung der intellektuellen Leistungsfähigkeit.
    • Oft ist aber das Denken eingeengt und von Grübeleien bestimmt. 
  • Häufig affektive Begleitsymptome:
    • Angst
    • Anspannung
    • Verzweiflung
    • Unruhe
    • depressive Symptome.
  • Die Lebensqualität ist deutlich beeinträchtigt.
  • Viele Patienten versuchen über längere Zeit, ihre Zwanghaftigkeit zu verbergen und zu verleugnen, meist weil sie sich dafür schämen.

Diagnostik

Therapie

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlaufskontrolle1,18

Patienteninformationen