Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung (GAS) ist nicht an bestimmte Situationen gebunden, sondern wird durch den Gedanken an vermeintliche zukünftige Katastrophen ausgelöst.

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Was ist die generalisierte Angststörung?

Bei der generalisierten Angststörung (GAS) treten über mindestens sechs Monate fast täglich eine schwer kontrollierbare Unruhe, Angst, Nervosität und Anspannung sowie die folgenden Symptome und Beschwerdebilder auf:

  • Erhöhte körperliche Anspannung, die zu Müdigkeit, Zittern und Muskelverspannung führt.
  • Unkontrollierbare körperliche Reaktionen, wie z. B. Schwitzen, erhöhte Atemfrequenz, Herzrasen, trockener Mund, kalte Hände, Schwindel und Bauchschmerzen.
  • Wachsende Aufmerksamkeit gegenüber der Umgebung, die zu Überängstlichkeit, Schreckhaftigkeit und verringertem Konzentrationsvermögen führt.

Die Beschwerden sind nicht an bestimmte Situationen gebunden, sondern werden durch eine ausgeprägte Sorge über alltägliche Dinge und Furcht vor künftigen Katastrophen ausgelöst. Die Katastrophengedanken beziehen sich meist auf die eigene Gesundheit oder die Gesundheit nahestehender Personen, die eigene finanzielle Lage bzw. die Arbeit.

Die generalisierte Angststörung entwickelt sich meist langsam über viele Jahre. Sie kann sich bereits in der Kindheit zeigen, tritt durchschnittlich im Alter von ca. 30 Jahren erstmals auf und kommt bei Frauen häufiger vor. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit der Erkrankung ab.

Ursache

Sowohl genetische als auch psychosoziale Faktoren spielen bei der Entstehung einer generalisierten Angststörung eine Rolle. Auch körperliche Erkrankungen und schwere oder chronische Belastungen können das Risiko für eine generalisierte Angststörung erhöhen. Häufig sind die Betroffenen nicht in der Lage, angemessen auf Stress zu reagieren.

Diagnostik

Fast alle psychischen Störungen und auch einige körperliche Erkrankungen gehen regelmäßig mit erheblicher Angst einher. Depression, Panikstörung, spezifische und soziale Phobie können schwer von einer generalisierten Angststörung zu unterscheiden sein und treten häufig gleichzeitig auf. Bei der generalisierten Angststörung muss das zentrale Diagnosekriterium vorliegen, d. h. eine fast ständige, schwer kontrollierbare Angst über mindestens sechs Monate.

Der Arzt wird Ihnen Fragen zu Ihrer Gesundheit, den Lebensumständen sowie Symptomen stellen. Auch die Frage nach Ihrem Lebensstil kann für die Diagnose und Therapie wichtig sein: Rauchen, Alkoholkonsum, Einnahme von Suchtmitteln, Schlaf, Tagesrhythmus, familiäre und berufliche Situation. Zur Ergänzung können spezielle Fragebögen zur Diagnose von Angststörungen hilfreich sein. Bei der ersten Beurteilung führt der Arzt eine allgemeine körperliche Untersuchung durch, um eine zugrunde liegende oder Begleiterkrankung auszuschließen. Muskelschmerzen und das Reizdarmsyndrom (RDS) sind beispielsweise körperliche Erkrankungen, die häufig gleichzeitig auftreten. Ändert sich das Krankheitsbild nicht wesentlich, soll die körperliche Untersuchung bei späteren Krankheitsepisoden nicht wiederholt werden.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist, den Patienten über die Krankheit zu informieren, Angst und Vermeidungsverhalten zu reduzieren, ihm seine Leistungsfähigkeit zurückzugeben und seine Lebensqualität zu verbessern.

Die Ergebnisse von psychologischer und medikamentöser Therapie sind weitestgehend vergleichbar. In den Therapieleitlinien wird die Psychotherapie in Form der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) zunehmend als Therapie erster Wahl empfohlen. In schweren Fällen der generalisierten Angststörung liegt häufig gleichzeitig eine Depression vor, sodass Antidepressiva in der Praxis die Medikamente erster Wahl bei der Therapie sind.

Die kognitive Verhaltenstherapie ist von den verschiedenen psychotherapeutischen Maßnahmen am besten erforscht und zeigt eine positive Wirkung bei einer generalisierten Angststörung. Alternativ kann auch eine psychodynamische Psychotherapie angeboten werden.

Antidepressiva (SSRI und SNRI) sind die Medikamente erster Wahl bei der medikamentösen Therapie. Die Wirksamkeit ist gut belegt, die angstlösende Wirkung tritt jedoch erst nach 2–4 Wochen ein.

Das Antiepileptikum Pregabalin ist für die Therapie einer generalisierten Angststörung zugelassen und wird als Medikament zweiter Wahl als Alternative zu SSRI/SNRI eingesetzt, d. h. wenn SSRI oder SNRI nicht anschlagen.

Benzodiazepine sind bei einer generalisierten Angststörung ebenfalls wirksam, werden jedoch wegen der Nebenwirkungen und dem hohen Abhängigkeitsrisiko nur in Ausnahmefällen für kurze Zeit verschrieben.

Entspannungsübungen und körperliche Aktivität werden als ergänzende Maßnahmen empfohlen.

Bei einer chronischen Angststörung und wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oder der Arbeit gefährdet ist, können Sie eine Rehabilitationsmaßnahme (Kur) beantragen. 

Prognose

Ohne Therapie entwickelt sich eine generalisierte Angststörung in der Regel zu einer chronischen Erkrankung. Patienten mit psychischen Begleiterkrankungen haben größere Beschwerden, suchen häufiger Hilfe und sprechen schlechter auf die Therapie an. Selten kommt es ohne Therapie, d. h. spontan, zu einer Besserung der generalisierten Angststörung.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Generalisierte Angststörung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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