Behandlung von Panikstörungen

Die Panikstörungen werden vor allem durch kognitive Verhaltenstherapien und mithilfe von Antidepressiva behandelt. Die Behandlung hat bei den meisten Patienten einen guten Effekt.

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Das Ziel der Behandlung

Die Behandlung von Panikattacken und Panikstörungen ist sehr effektiv. Das Ziel der Behandlung ist, dass keine weiteren Panikattacken auftreten oder dass die Anfälle milder verlaufen und die Betroffenen weniger Sorgen vor einer erneuten Panikattacke haben. Eine wirksame Behandlung führt bei den meisten Menschen dazu, dass sie wieder in der Lage sind, ihre Alltagsaktivitäten aufzunehmen. Die Panikstörung wird vor allem mit kognitiver Verhaltenstherapie und Medikamenten gegen Depressionen behandelt. Beide Therapieformen sind wirksam, aber es besteht ein erhöhtes Rückfallrisiko, wenn das Medikament abgesetzt wird. Meist wird dem Patienten eine der Behandlungen oder eine Kombination von beiden angeboten.

Allgemeines zur Therapie

Die meisten Menschen mit einer Panikstörung profitieren von der Behandlung. Die Behandlung führt dazu, dass die Panikattacken aufhören oder seltener auftreten und milder verlaufen. Die Behandlung der Panikstörung kann einige Zeit dauern, aber in der Regel tritt nach einigen Wochen bereits ein deutlicher Effekt auf. In einigen Fällen kann es aber auch mehrere Monate dauern.

Die kognitive Verhaltenstherapie zielt darauf ab, das Denken im Zusammenhang mit den Panikattacken zu verändern. Diese Behandlung ist die am besten dokumentierte Form der Therapie. Weitere Informationen siehe unten.

Die medikamentöse Therapie besteht derzeit vor allem in der Gabe von Antidepressiva, während Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) nicht empfohlen werden. Bei Patienten mit häufigen oder schweren Panikattacken und bei Patienten mit begleitender Depression ist die Wirkung von Antidepressiva gut dokumentiert. 

Andere psychotherapeutische Methoden sind das Erlernen von Entspannungstechniken und die so genannte Expositionbehandlung, bei der man lernt, sich in Situationen zu begeben, in denen Panikattacken häufig auftreten.

Antidepressiva

Antidepressiva werden normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Aber einige Antidepressiva haben auch einen guten Effekt in der Behandlung der Panikstörung. Bei der medikamentösen Behandlung von Panikstörungen sind sie die erste Wahl. Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva: SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer (Monoaminoxidase-Hemmer). Forschungsergebnisse belegen eine ähnliche Wirksamkeit aller drei Medikamentengruppen, sprechen aber dafür, dass SSRI die sicherste Medikamentengruppe ist. Allerdings setzt die Wirkung meist erst nach ein paar Wochen ein. Der Vorteil dieser Präparate ist, dass sie normalerweise nicht abhängig machen.

SSRI sind eine Gruppe von Antidepressiva, die häufig bei dieser Erkrankung eingesetzt werden. Am häufigsten werden Citalopram und Sertralin verschrieben. Imipramin gehört zu den trizyklischen Antidepressiva, die ebenfalls einen positiven Effekt auf Panikattacken haben und die Wahrscheinlichkeit neuer Anfälle reduzieren.

Die Dauer der Therapie ist unklar. Depressive Patienten scheinen die längste Behandlung zu benötigen. Mitunter wird empfohlen, die Medikamente noch sechs Monate nach der letzten Panikattacke einzunehmen, aber häufig ist dies wahrscheinlich zu lang. Andere empfehlen, nach 12 Monaten medikamentöser Behandlung die Medikamente langsam ausschleichen zu lassen. Die medikamentöse Therapie sollte mit einer Psychotherapie kombiniert werden.

Buspiron

Buspiron gehört zu einer separaten Wirkstoffklasse bei der Behandlung von Angsterkrankungen, einschließlich der Panikstörung. Buspiron wirkt angstlösend, aber nicht sedierend. Ein Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln, ist bislang nicht bekannt. Auch bei diesem Medikament tritt eine Wirkung erst nach 2–4 Wochen ein. Die wirksame Dosis liegt im Allgemeinen zwischen 15 und 30 mg täglich. 

Benzodiazepine

Benzodiazepine (Diazepam, Bromazepam, Oxazepam) werden zur Behandlung der Panikstörung nicht empfohlen, auch wenn sie bei einer Panikattacke eine gute Wirkung haben. Diese Medikamente können abhängig machen. Weitere Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und Konzentrationsstörungen können auftreten. Eine kontinuierliche Einnahme von Benzodiazepinen sollte vermieden werden. Sie sollten in erster Linie zur Notfallbehandlung und nicht als Dauermedikation eingesetzt werden. Da die Panikstörung eine länger anhaltende Störung ist, ist eine Langzeitbehandlung nötig, die beim Einsatz von Benzodiazepinen ein hohes Abhängigkeitsrisiko mit sich bringen würde.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine Behandlung, in deren Zentrum die Gedanken des Patienten über sich selber und seine Schwierigkeiten stehen. Sie zielt darauf ab, die fehlerhaften Annahmen und Einstellungen zu ändern, die einer Panikstörung zu Grunde liegen. Dabei sollen die häufigen negativen Gedanken durch positive ersetzt werden, um die Angst vor den Panikattacken besser in den Griff zu bekommen. Stress und Sorgen können physische und psychische Symptome hervorrufen, daher ist es wichtig, das Bestehen angstauslösender Situationen zu üben.

Menschen mit einer Panikstörung denken oft sehr negativ über sich selbst. Sie fühlen sich unzulänglich und ignorieren ihre positiven Seiten. Viele haben das Gefühl, dass andere auf sie herabsehen. Menschen, die an einer Panikstörung leiden, haben viele Gedanken über sich selbst, die die Angst verstärken. Sie vermeiden Situationen, in denen eine Panikattacke auftreten könnte und halten sich selber für weniger tüchtig als andere.

Ein kognitiver Verhaltenstherapeut kann auf verschiedene Weise helfen. Im Allgemeinen arbeiten Therapeut und Patient zusammen, um zu klären, welche Gedanken oder Vorstellungen die negativen Reaktionen auslösen. Es wird versucht, andere Gedanken oder Vorstellungen zu finden, die diejenigen ersetzen können, die die negativen Reaktionen auslösen. Ausgangspunkt sind dabei positive Seiten und Ressourcen, die der Patient aufgrund der vielen negativen Gedanken aus dem Blick verloren hat. Diese neuen Gedanken werden in täglichen Situationen erprobt, und in der nächsten Therapiesitzung werden die neuen Erfahrungen besprochen. Oft wird auch die Veränderung der Gedanken mit einer Veränderung der Verhaltensmuster kombiniert, sodass der Patient z. B. lernt, schwierige Situationen zu meistern und damit wieder ein besseres Selbstbild erlangt. Die negativen Gedanken, die der Patient über sich selbst hat, beruhen häufig auf früheren Erfahrungen. Die kognitive Verhaltenstherapie kann zu einem neuen Verständnis der früher erlebten Niederlagen und Schwierigkeiten führen.

Hat der Patient eine starke Tendenz, Angst auslösende Situationen zu vermeiden, kann auch die so genannte Expositionsbehandlung sinnvoll sein. Dabei lernt der Patient Schritt für Schritt mit den Angst auslösenden Situationen umzugehen.

Kognitive Verhaltenstherapien haben nachgewiesenermaßen eine gute und anhaltende Wirksamkeit. Die meisten Behandlungen bestehen aus 8–15 Sitzungen, es gibt aber auch Studien, die einen Effekt bei nur vier Sitzungen belegen. Ein Therapie-Effekt ist nach 4–8 Wochen zu erwarten, ein vollständiges Ansprechen häufig nach 8–12 Wochen. Patienten können ausschließlich eine kognitive Verhaltenstherapie erhalten oder eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und Medikamenten. Durch diese Kombination wird der beste Behandlungserfolg erzielt.

Entspannungstechniken

Das Erlernen von Entspannungstechniken kann hilfreich sein. Bestimmte Entspannungsübungen können eingesetzt werden, sobald die ersten Anzeichen einer Panikattacke auftreten.

Als ergänzende Maßnahme können Sie Sport in Form von Ausdauertraining treiben.

Alternative Medizin

Es gibt kaum kontrollierte Studien über die Wirksamkeit alternativer Therapien in Bezug auf Angstzustände. Allerdings gibt es Hinweise auf einen gewissen Effekt von Akupunktur, Massage (nur bei Kindern), autogenem Training, Bibliotherapie, Tanz- und Bewegungstherapie, Meditation, Musik und Entspannungsverfahren. Für pflanzliche Arzneimittel und homöopathische Medikamente gibt es keine Studien, die eine Wirksamkeit nachweisen konnten.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Panikstörung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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