Panikstörung, Häufigkeit und Ursachen

Etwa 2–3 % der Bevölkerung leiden an einer Panikstörung. Die Ursache ist vermutlich eine Kombination aus genetischen und psychosozialen Faktoren.

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Häufigkeit

In Deutschland leiden schätzungsweise 15 % der Bevölkerung unter irgendeiner Form von Angststörung. Vereinzelte Panikattacken ohne besondere Folgen treten bei bis zu 20 % der Bevölkerung irgendwann einmal in ihrem Leben auf. Einzelne Panikattacken sind also sehr häufig. Eine echte Panikstörung betrifft 1–5 % der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens (sog. Lebenszeitprävalenz, auch als Lebenszeitrisiko bezeichnet). Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 30–50 Jahren. Ein späterer Beginn ist selten. Bei Frauen werden Panikstörungen doppelt so häufig diagnostiziert wie bei Männern.

Angststörungen werden jedoch häufig nicht erkannt. Betroffene scheuen sich davor, sich behandeln zu lassen, und die körperlichen Symptome können leicht fehlgedeutet werden. Daher wird die Häufigkeit von Angststörungen vermutlich unterschätzt.

Bei ca. 20 % der Betroffenen verläuft die Erkrankung chronisch. Auch Rückfälle können nach erfolgreicher Behandlung vorkommen. Eine Panikstörung muss jedoch nicht lebenslang anhalten. Viele Personen erleben Panikattacken nur in einer bestimmten Phase, wonach das Problem wieder verschwindet, manchmal weil sich eine belastende Lebenssituation verbessert.

Eine Panikstörung tritt häufig gemeinsam mit einer sozialen Phobie, einer somatoformen Störung oder einer Depression auf. Auch Suchterkrankungen sind häufig. Etwa ein bis zwei Drittel der Betroffenen leiden zusätzlich an Agoraphobie („Platzangst“).

Ursachen

Vermutlich liegt der Erkrankung eine Kombination aus genetischen Faktoren, die zu neurobiologischen Veränderungen führen, und psychosozialen Faktoren zugrunde. Panikstörungen treten häufiger bei Menschen auf, deren nahe Verwandte ebenfalls betroffen sind. Patienten mit einer Panikstörung waren als Kind oft ängstlich und schüchtern.

Das vegetative Nervensystem scheint bei Personen mit einer Panikstörung empfindlicher zu reagieren. Die natürliche Reaktion des Körpers bei Gefahr wird bei von einer Panikstörung Betroffenen überaktiviert bzw. leichter ausgelöst, es kommt also häufiger zu einem „Fehlalarm“. Wenn z. B. ein Hund aggressiv auf einen zujagt, reagiert der Körper instinktiv. Puls und Atmung erhöhen sich, weil sich der Körper auf Aktivität vorbereitet: Flucht oder Kampf. Die gleichen körperlichen Reaktionen werden bei Panikattacken ausgelöst, aber ohne dass eine Bedrohung vorliegen würde.

Die Betroffenen fehlinterpretieren harmlose körperliche Empfindungen als gefährlich. Sie haben Angst ohnmächtig zu werden, einen Herzinfarkt zu erleiden oder nicht mehr atmen zu können. Dies führt zu verstärkten Körperempfindungen und Katastrophengedanken, wodurch ein Teufelskreis entsteht, der schließlich zu einer Panikattacke führt. Die Betroffenen empfinden häufig auch eine „Angst vor der Angst", die sogenannte Erwartungsangst, die eine erneute Panikattacke hervorrufen kann.

Panikattacken können auch durch Substanzen verursacht werden, die von außen zugeführt werden (z. B. Koffein), durch Veränderungen des Stoffwechsels (niedriger Blutzuckerspiegel, erhöhter Spiegel an Schilddrüsenhormonen) oder Hyperventilation.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, eine Panikstörung zu entwickeln. In einer Liste sind nachfolgend einige der wichtigsten Risikofaktoren aufgeführt.

Risikofaktoren

Faktoren, die das Risiko der Entwicklung von Panikattacken oder einer Panikstörung erhöhen, sind unter anderem:

  • Weibliches Geschlecht: Panikstörungen sind bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern.
  • Alter von 30–50 Jahren: In dieser Zeit des Lebens treten Panikstörungen am häufigsten auf.
  • Panikstörungen bei anderen Familienmitgliedern: Panikstörungen treten häufiger bei Personen auf, deren nahe Verwandte ebenfalls betroffen sind. 
  • Schlechte ökonomische Verhältnisse: Bei Menschen mit niedrigeren Einkommen kommen Angststörungen häufiger vor.
  • Niedriger Bildungsstand: Panikstörungen scheinen bei Personen mit niedrigerem Bildungsstand häufiger aufzutreten.
  • Stress und belastende Lebensereignisse: Bei vielen Betroffenen entwickelt sich die Panikstörung nach einer belastenden Lebensphase. Dabei kann es sich z. B. um eine Scheidung, den Tod eines nahestehenden Menschen oder den Verlust des Jobs handeln.
  • Trennungsangst, andere übermäßige Ängste und Schüchternheit in der Kindheit sind Risikofaktoren für die spätere Entwicklung einer Panikstörung.
  • Schwere Kindheit: Einige Studien haben gezeigt, dass Panikstörungen bei Personen mit traumatischen Erfahrungen in der Kindheit häufiger sind. Dazu gehören z. B. Tod eines Elternteils, Trennung von den Eltern, Alkoholmissbrauch in der Familie, sexueller Missbrauch und Krankheit.
  • Viele Sorgen: Bei Personen, die sich leicht Sorgen machen, ist das Risiko höher als bei Personen, die mit größerer Gelassenheit durchs Leben gehen.
  • Andere psychische Störungen: Panikstörungen sind bei Menschen mit Depressionen, sozialer Phobie, einer generalisierten Angststörung oder Zwangsstörungen häufiger.
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch: Panikattacken können durch Alkoholentzug und durch Drogenkonsum ausgelöst werden. Manchmal versuchen Personen mit einer Panikstörung, ihre Angst mit Alkohol oder Tabletten zu „behandeln“.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Panikstörung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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