Panikstörung, Symptome und Anzeichen

Eine Panikattacke dauert meist nur wenige Minuten, kann aber als viel länger erlebt werden.

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Panikstörung

Bei einer Panikstörung handelt es sich um eine Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden, plötzlich und unerwartet auftretenden Attacken mit intensiver Angst und extremem Unbehagen kommt. Während der Attacke haben die Betroffenen Angst, ihren Verstand zu verlieren, ohnmächtig zu werden, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Manche Patienten glauben, dass sie an einem Herzinfarkt, Asthmaanfall oder Krampfanfall leiden. Typisch für eine Panikstörung ist, dass die Attacken immer wieder auftreten. Bei den Betroffenen entwickelt sich eine wachsende und anhaltende Sorge, es könnte zu neuen Attacken kommen, was als Erwartungsangst bezeichnet wird.

Panikattacken können vor allem zu Beginn ganz ohne Vorwarnung kommen. Im weiteren Verlauf können diese Attacken dann auftreten, wenn sich die Betroffenen ängstlich fühlen oder in einer Situation befinden, in der sie es als „gefährlich“ empfinden, eine Panikattacke zu erleiden. Es kann sich um Orte handeln, an denen es schwierig ist, sich schnell in Sicherheit zu bringen, wie in öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrstühlen, Geschäften oder im Kino. Dies wird als Agoraphobie (Angst vor öffentlichen Plätzen) bezeichnet.

Normalerweise kommt es bei einer Panikattacke zu mehreren unterschiedlichen Symptomen. Häufige Symptome sind Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag, Schwitzen, Zittern, Beben, Mundtrockenheit, Atemnot, Erstickungsgefühl, Enge im Hals, Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, Übelkeit oder Bauchbeschwerden, Schwindel-, Unsicherheit-, Ohnmachts- oder Benommenheitsgefühle, Gefühl, dass Dinge unwirklich sind (wie im Traum) oder dass man selbst nicht richtig anwesend ist, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Taubheits- oder Kribbelgefühle. Meistens treten jedoch nicht alle Symptome gleichzeitig auf. Die Symptome können sich von einer Attacke zur nächsten unterscheiden. Die Symptome einer Panikattacke ähneln denen, die von angsteinflößenden Situationen hervorgerufen werden. 

Wie kündigen sich Panikattacken an?

Panikattacken entstehen in der Regel plötzlich und ohne Vorwarnung. Oft sind die Symptome nach einigen Minuten am schlimmsten. Die Attacken dauern meist nur wenige Minuten, können aber als viel länger erlebt werden. Viele Personen mit einer Panikattacke kommen in die Notaufnahme, weil sie oder andere von einem Herzinfarkt, einem Asthmaanfall oder einer anderen schweren Erkrankung ausgehen. Patienten, bei denen die Panikstörung nicht korrekt diagnostiziert wurde, laufen Gefahr, immer wieder in der Notaufnahme zu landen.

Symptome einer Panikattacke

Bei einer Panikattacke können folgende Symptomen auftreten:

Herzklopfen: Das Herz schlägt schnell und hart, und unter Umständen haben Sie das Gefühl, dass es aus dem Takt gerät. Dies liegt daran, dass in gefährlichen Situationen das Gehirn Signale ans Herz sendet, schneller und stärker zu schlagen, um mehr Blut in die Muskeln zu leiten. Dadurch werden die Muskeln in Bereitschaft versetzt, zu handeln und die gefährliche Situation zu lösen, z. B. durch Flucht oder Kampf.

Atembeschwerden: Die Betroffenen haben das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Sie beginnen, schneller zu atmen, um das Blut mit mehr Sauerstoff anzureichern. Sauerstoff ist der Treibstoff für die Muskeln und wird benötigt, um gegen die vermeintlich anstehende Bedrohung zu kämpfen oder zu fliehen. Die Betroffenen fühlen Atemnot und schnappen nach Luft.

Brustschmerzen: Bei vertiefter und beschleunigter Atmung (Hyperventilation) werden die Muskeln der Brustwand überanstrengt und beginnen zu schmerzen. Aus diesem Grund fühlt sich die Brust eng und schmerzhaft an.

Zittern: Durch Zittern versucht der Körper, Wärme zu erzeugen. Um diese Erwärmung zu erreichen, wird auch weniger Blut in die Hände, die Füße und die Haut geleitet, sodass sie kalt werden.

Schweißausbrüche: Der Körper schwitzt, um sich abzukühlen.

Schwindelgefühl, Kribbeln und Taubheitsgefühl: Da sich der Körper auf Aktivität vorbereitet, wird Blut in die Muskeln gepumpt, vor allem in die Beine. Dies bedeutet, dass weniger Blut in die anderen Teile des Körpers geleitet wird, insbesondere in die Füße und Hände. Aus diesem Grund fühlen sie sich taub an und die Haut kribbelt.

Übelkeit oder Bauchschmerzen: Die verringerte Speichelproduktion führt zu Trockenheit im Mund oder dem Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben. Die Darmtätigkeit kann sich steigern, sodass es zu einem flauen Gefühl im Magen kommt.

Erstickungsgefühl: Die Atemregulation ist gestört und die Betroffenen haben Angst zu ersticken. Der Mund ist trocken, und es fühlt sich an, als ob Sie einen Kloß im Hals hätten.

Schüttelfrost oder Hitzewallungen: Je nach Situation fühlt es sich heiß oder kalt an, Ihnen kann aber auch abwechselnd kalt und heiß werden. Je mehr Blut in die Muskeln geleitet wird, desto weniger gelangt in die Hautoberfläche. Dadurch entsteht ein Kältegefühl. Die Blutgefäße können sich aber auch erweitern, sodass mehr Blut in die Haut strömt, um den Körper zu kühlen. So kommt es stattdessen zum Wärmegefühl.

Gefühl von Unwirklichkeit: Es fühlt sich an, als ob die ganze Umgebung unwirklich ist, oder Sie erleben sich selbst aus der Ferne.

Angst vor bestimmten Situationen oder Orten (Agoraphobie): Wenn bereits mehrere Panikattacken aufgetreten sind, werden Orte oder Situationen gemieden, in denen die Betroffenen sich bedrängt oder verletzlich fühlen würden, wenn es zu einer Attacke käme. In manchen Fällen werden Orte vermieden, an denen es „peinlich“ wäre, eine Panikattacke zu erleiden. Hier mischt sich also die Angst vor der eigentlichen körperlichen Reaktion mit der Angst, sich vor anderen zu blamieren. Diese Angst bewegt sich im Grenzbereich zur sozialen Phobie, auch wenn es sich bei der ursprünglichen Erkrankung um eine Panikstörung handelt. Betroffene gehen zum Beispiel nicht mehr einkaufen und meiden Menschenansammlungen. Dieses Krankheitsbild wird als Agoraphobie bezeichnet. Menschen mit Agoraphobie haben das Gefühl, es nicht zu schaffen, ihre vertraute und sichere Umgebung zu verlassen, sondern bleiben zu Hause.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Panikstörung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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