Pflanzliche Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel bei Angst?

Für die meisten pflanzlichen Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel, die eine Wirkung gegen Angst haben sollen, liegt kein wissenschaftlicher Beweis für eine solche Wirkung vor.

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Die Nutzung der sogenannten alternativen Komplementärmedizin wie pflanzlichen Heilmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Verwendung solcher Medikamente scheint besonders hoch bei den Menschen zu sein, die unter Angst und Depression leiden.

Empfohlen wird eine Behandlung der Angststörungen mittels der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) bzw. Medikamenten. 

In den letzten Jahren wurden Studien veröffentlicht, in denen die Wirksamkeit von pflanzlichen Heilmitteln und Nahrungsergänzungsmittel bei der Behandlung von leichten bis mittelschweren Angstzuständen bewertet wird. Aus diesen Studien lässt sich unter anderem die Schlussfolgerung ziehen, dass die Verwendung solcher Präparate gewisse Risiken mit sich bringen kann, ohne dass bedeutende positive Wirkungen erzielt werden.

Bei den meisten Präparaten mit angeblicher Wirkung gegen Angst fehlt bisher ein wissenschaftlicher Beweis für eine solche Wirkung.

Kava

Kava (Piper methysticum) ist eine Pflanzenart, die auf den Inseln im westlichen Pazifik wächst. Sie ist mit dem schwarzem Pfeffer verwandt und kann als Getränk eingenommen werden. Die Wurzeln der Pflanze werden getrocknet und in der traditionellen Medizin verwendet, sind jedoch auch in der westlichen Alternativmedizin verbreitet.

Es gibt Hinweise darauf, dass Kava eine positive Wirkung auf unspezifische, leichtere Angst hat. Kava wirkt sich auf die Fähigkeit der Leber aus, bestimmte Medikamente umzusetzen und kann mithin die Wirkung gleichzeitig eingenommener Medikamente verändern. Daher besteht die Gefahr von sogenannten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Andere berichtete Nebenwirkungen sind Hautausschlag und Gelbfärbung der Haut. Es gibt Berichte über Todesfälle durch Leberschäden bei der Verwendung von Kava.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bessere Studien über die Wirksamkeit und Nebenwirkungen erforderlich sind, bevor Kava bei allgemeiner Angst und GAD empfohlen werden kann.

Johanniskraut

Johanniskraut gehört zur Hypericum-Familie und ist ein Kraut, das in Europa und Westasien wild vorkommt. In Deutschland ist die Pflanze weit verbreitet. Das Kraut wird in der Volksmedizin und Alternativmedizin bei Depressionen eingesetzt.

Über die Wirksamkeit bei Angst gibt es nur wenige Studien und viele dieser Studien sind von schlechter Qualität. Die Belege für die Verwendung von Johanniskraut bei Angst sind folglich schwach. Dies gilt sowohl bei allgemeiner Angst wie auch Angststörungen (GAD, PTSD, Panikstörung, soziale Phobie, Zwangsstörungen, spezifische Phobien). Johanniskraut kann mithin bei Angst nicht empfohlen werden. Ferner wirkt sich Johanniskraut auch auf die Leber und die Umsetzung von Medikamenten aus.

Baldrian

Obwohl oft behauptet wird, dass Baldrian eine Angst dämpfende Wirkung hat, gibt es nur wenige Studien über die Wirkungen von Baldrian und die Ergebnisse lassen die Wirkung bei der Behandlung von Angststörungen eher fragwürdig erscheinen. Mithin besteht keine Grundlage dafür, Menschen mit Angststörungen Baldrian zu empfehlen.

Passionsblume

In einer Vergleichsstudie mit dem Beruhigungsmittel Oxazepam bewirkte ein Sud aus Passionsblumen eine gleich gute Angstreduktion. Die Zahl der Patienten war jedoch gering (36) und eine Placebo-Kontrolle fehlte. Deshalb sind die Ergebnisse nicht als Beweis für die Wirkung anzusehen.

Nahrungsergänzungsmittel

Obwohl eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln gegen Angst vermarktet wird, konnten bisher in Studien keinerlei Wirkungen nachgewiesen werden.

Weiterführende Informationen

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Was bei generalisierter Angstsstörung helfen kann. gesundheitsinformation.de

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Generalisierte Angststörung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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