Lithium

Lithium wird aufgrund seiner stimmungsstabilisierenden Wirkung als Medikament bei der Behandlung von manischen und bipolaren Erkrankungen eingesetzt.

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Gründe für die Anwendung von Lithium bei manischen und bipolaren Erkrankungen

Bei Personen, die an einer manischen und bipolaren Störung leiden, schwankt die Stimmung teilweise stark zwischen Phasen tiefster Niedergeschlagenheit (Depressionen) und solchen mit intensiver Hochstimmung (Manie). Man spricht von einer manisch-depressiven Erkrankung. Die meisten Betroffenen leiden häufiger unter Depressionen als unter manischen Phasen. Lithium kommt bei der Therapie von manisch-depressiven Erkrankungen als stimmungsstabilisierendes Medikament zur Anwendung, da es der Entwicklung manischer oder depressiver Phasen nachweislich entgegenwirken kann. Die Behandlung erfolgt prophylaktisch, also auch in Phasen mit normaler Stimmungslage. Während einer manischen oder depressiven Phase werden zusätzlich weitere Medikamente verabreicht.

Was ist Lithium, und wie wirkt es?

Lithium ist ein Grundelement, das in unserer Umgebung natürlich vorkommt. Der Wirkungsmechanismus im menschlichen Körper ist nicht vollständig erforscht, bekannt ist allerdings, dass Lithium den Transport chemischer Botenstoffe in bestimmte Gehirnzellen beeinflusst. Forschungsstudien und langjährige Erfahrung mit der Verwendung von Lithium als Medikament haben gezeigt, dass es sowohl Manien als auch Depressionen vorbeugen und damit die Anzahl der Suizide und Selbstmordversuche reduzieren kann.

Wie wird die Behandlung durchgeführt?

Bei bipolaren Erkrankungen oder wiederkehrenden depressiven Phasen kann Lithium prophylaktisch zur Vermeidung von Stimmungsschwankungen verwendet werden. Die Behandlung erfolgt in Tablettenform. Um eine korrekte Dosierung zu gewährleisten, werden regelmäßig Blutuntersuchungen vorgenommen. Diese erfolgen anfangs wöchentlich. Sobald die Situation stabilisiert ist, wird ein Abstand von drei Monaten zwischen den Blutuntersuchungen empfohlen. Die Behandlung dauert so lange, wie es notwendig erscheint, um Stimmungsschwankungen vorzubeugen. Viele Betroffene nehmen das Lithiumpräparat lebenslang ein. Bei einer Beendigung der Lithiumtherapie sollte das Medikament langsam ausgeschlichen werden.

Insbesondere Nieren und Schilddrüse können von Nebenwirkungen betroffen sein. Daher sollte vor Behandlungsbeginn stets eine medizinische Untersuchung erfolgen.

Nebenwirkungen der Lithiumtherapie

Die Nebenwirkungen variieren wie bei jeder medikamentösen Behandlung von Patient zu Patient. Einige erleben annähernd keine Nebenwirkungen, während andere wiederum unter starken Beschwerden leiden.

Bei der korrekten Verwendung von Lithium lassen sich einige Nebenwirkungen vorhersehen. Ein leichtes Zittern in Händen und Fingern ist nicht ungewöhnlich. Weitere häufige Beschwerden sind Mundtrockenheit und ein veränderter Geschmackssinn, vermehrter Durst, häufigeres Wasserlassen, leichte Übelkeit und eine gewisse Gewichtszunahme. Bei Patienten mit Psoriasis kann es zu einer Verschlimmerung der Erkrankung kommen.

Lithium kann auch die Nieren- und Schilddrüsenfunktion schwächen. Die Nieren sind unter anderem für die Regulierung des Wasserhaushaltes und die Entgiftung des Körpers zuständig. Die Schilddrüse hat eine wichtige Funktion für den Körperstoffwechsel. Aufgrund des Risikos einer Schädigung wird die Funktionsfähigkeit der genannten Organe regelmäßig mittels Blutuntersuchung überprüft. Um eine korrekte Nierenfunktion zu gewährleisten, müssen dem Körper in ausreichendem Maß Salze und Flüssigkeit zugeführt werden. Das Präparat sollte daher nicht mit harntreibenden Mitteln verwendet werden.

Um eine optimale Behandlungswirkung ohne schädliche Nebenwirkungen zu erzielen, ist es sehr wichtig, das Medikament vorschriftsgemäß einzunehmen. Eine zu hohe Dosierung kann gefährlich sein. Zur Überprüfung der richtigen Dosierung werden regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt. Falls der Patient Anzeichen einer Überdosierung bemerkt, sollte er umgehend seinen Arzt konsultieren, um die Dosierung überprüfen zu lassen. Typische Anzeichen einer Überdosierung sind: Erbrechen und Durchfall, starke Händezittern, Muskelschwäche und eine verschlechterte Koordination. Weitere mögliche Symptome sind Artikulationsprobleme, verschwommenes Sehen, Verwirrung oder Krampfanfälle.

Bestimmte Medikamente können zu einem erhöhten Lithiumspiegel im Blut führen, dies gilt beispielsweise für viele der herkömmlichen entzündungshemmenden Präparate (NSAR). Patienten, die Lithium verwenden, sollten stets daran denke, die Einnahme bei der Verschreibung neuer Medikamente zu erwähnen.

Lithiumtherapie während Schwangerschaft und Stillzeit

Von einer Lithiumbehandlung ist insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft abzusehen, da die Einnahme mit gewissen potenziellen Risiken für den menschlichen Fötus einhergeht. Während der Stillzeit sollte Lithium ebenfalls gemieden werden, auch wenn das Risiko einer negativen Wirkung auf das Stillkind als minimal eingeschätzt wird. Die Anwendung oder Absetzung von Lithium während Schwangerschaft und Stillzeit sollte stets nach ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln