Malignes Neuroleptika-Syndrom

Von entscheidender Bedeutung beim Auftreten eines malignen neuroleptischen Syndroms sind eine frühzeitige Diagnose und das sofortige Absetzen des auslösenden Medikaments.

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Malignes Neuroleptika-Syndrom – was ist das?

Das maligne Neuroleptika-Syndrom ist ein seltenes, aber lebensbedrohliches Krankheitsbild, dass bei der Anwendung sogenannter Neuroleptika auftreten kann, die unter anderem der Behandlung von Schizophrenie und manischen Störungen dienen.

Die exakte Ursache des Syndroms ist unklar, vermutlich handelt es sich um eine Folge der medikamentösen Wirkung auf die Botenstoffe im Gehirn. Schätzungsweise sind etwas 0,1 % aller Patienten, die mit Neuroleptika behandelt werden, von diesem Krankheitszustand betroffen. Die meisten von ihnen zeigen nur wenige Symptome, in seltenen Fällen kann das maligne Neuroleptika-Syndrom allerdings lebensbedrohlich sein.

Symptome

Häufig treten die Symptome kurz nach Therapiebeginn auf, normalerweise innerhalb der ersten zwei Wochen der Medikamenteneinnahme. Zu den typischen Symptomen zählen Muskelsteifigkeit, unwillkürliche Muskelzuckungen in Armen und Beinen, Zittern, Verwirrung, Artikulations- und Schluckstörungen sowie hohes Fieber. Der Puls kann beschleunigt und der Blutdruck instabil sein. Im schlimmsten Fall droht ein Koma.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand der charakteristischen Symptome. Um andere potenzielle Ursachen auszuschließen, nimmt der Arzt eine ausführliche körperliche Untersuchung vor. Darüber hinaus werden Blutuntersuchungen durchgeführt.

Therapie

Die wichtigste Maßnahme besteht in dem sofortigen Absetzen sämtlicher Neuroleptika. Bei den meisten Patienten gehen die Symptome dadurch von allein zurück. Häufig werden zusätzlich Medikamente verabreicht, welche die Symptome dämpfen und die Prognose möglicherweise verbessern können.

Prognose

In den meisten Fällen kommt es nur zu einem milden Verlauf, und die Beschwerden gehen bei entsprechender Behandlung nach ein bis drei Wochen vorüber. In seltenen Fällen kann das maligne Neuroleptika-Syndrom allerdings lebensbedrohlich sein und mit dem Tod enden. Von entscheidender Bedeutung für die Prognose sind eine frühzeitige Diagnose und die sofortige Absetzung des auslösenden Medikaments.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Malignes Neuroleptika-Syndrom (MNS). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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