Burnout

Ein typisches Anzeichen des Burn-out-Syndroms ist das Gefühl, wegen einer langfristig fordernden Arbeitssituation körperlich, emotional und geistig erschöpft zu sein. Ein Burnout kann Menschen verschiedener Berufsgruppen betreffen.

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In den letzten Jahren häufen sich Berichte über das Burn-out-Syndrom in den Medien. Gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Laut einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid aus dem Jahr 2010 fühlen sich 12,5 % aller Beschäftigten in Deutschland in ihrem Job überfordert.1Die Zunahme von Krankschreibungen aufgrund eines Burnouts kann zumindest teilweise durch eine wachsende Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Ärzte gegenüber dem Thema Burnout erklärt werden.

Burnout wird häufig als eine langfristige, arbeitsbedingte Stressreaktion beschrieben, die in der Regel sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden verursacht. Das Hauptsymptom ist eine über Monate anhaltende, ausgeprägte Erschöpfung. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, die an sie gestellten Anforderungen zu bewältigen. In vielen Fällen ist ein Burnout das Ergebnis eines Prozesses, der über mehrere Jahre stattgefunden hat und der meist mit Müdigkeit, Stresssymptomen und Muskelschmerzen beginnt. Im fortgeschrittenen Stadium entwickelt sich häufig eine Depression. Burnout ist eine Reaktion auf Stress und stellt keine eigenständige Diagnose dar. Es gibt keine einheitliche Definition des Burn-out-Syndroms. Daher ist es kaum möglich zu sagen, wie weit das Phänomen verbreitet ist. Laut einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland sind 4,2 % im Lauf ihres Lebens von Burnout betroffen. Burnout tritt vor allem im mittleren Lebensalter (30–59 Jahre) auf und Frauen erkranken häufiger als Männer. 

Ein typisches Symptom ist das Gefühl, emotional erschöpft, überfordert, energielos und müde zu sein. Meistens bestehen zusätzlich körperliche Beschwerden. Burnout führt zu einer reduzierten Leistungsfähigkeit und kann sich auf die täglichen Aktivitäten zu Hause auswirken.

Anzeichen von Burnout

Burnout ist eine ausgeprägte, in der Regel über Monate anhaltende Erschöpfung aufgrund von beruflicher Überlastung. Zur Beschreibung eines Burnout gibt es drei zentrale Begriffe:

  1. emotionale Erschöpfung
  2. emotionale Distanzierung, Depersonalisierung
  3. verringertes persönliches Leistungsvermögen.

Weitere typische Merkmale können sein:

  • Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, verspannte Muskeln, Druckgefühl in der Brust, Herzrasen, Übelkeit oder Schwindel
  • verändertes Schlafmuster: mehr oder weniger Schlaf als sonst
  • veränderter Appetit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Bluthochdruck
  • höhere Anfälligkeit für Krankheiten
  • Entfremdung von Arbeitsaktivitäten
  • Müdigkeit und Erschöpfung bei der Arbeit und wenn der Arbeitstag vorüber ist
  • Verlust der Freude an der Arbeit: negative Einstellung gegenüber der ausgeübten Arbeit, dem Arbeitsplatz und den Kollegen
  • körperliche Müdigkeit
  • Gereiztheit, Nervosität
  • Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

Starker Stress und hohe Ansprüche

Der Begriff Burnout wurde in den 1970er-Jahren von dem deutsch-amerikanischen Psychologen Herbert Freudenberger eingeführt. Er benutzte ihn, um die gesundheitlichen Auswirkungen von starkem Stress und hohen Ansprüchen zu beschreiben, die Menschen in sozialen Berufe erlebten. Heute wird der Begriff nicht nur für soziale Berufe verwendet. Wahrscheinlich können Menschen in allen Berufsgruppen von Burnout betroffen sein. Besonders häufig tritt Burnout bei Sozialpädagogen, Telefonisten, Sozialarbeitern, Pflegekräften, Lehrern, Erziehern, Schneidern und Handelsvertretern auf.

Diagnose

Bisher gibt es kein standardisiertes Vorgehen, um eine Burnout-Diagnose zu stellen. Viele Krankheiten haben Symptome, die an Burnout erinnern können, z. B. Angststörungen, Depression oder chronisches Müdigkeitssyndrom. Es ist daher wichtig, dass der Arzt überprüft, ob es sich nicht um eine andere Erkrankung handelt. Typische Symptome, die bei Depressionen auftreten, aber die sich nicht bei Burnout finden, sind Mangel an Selbstvertrauen, Trauer, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken. Von Burnout betroffene neigen dagegen zur Überschätzung ihrer Kräfte.

Ihr Arzt stellt Ihnen in einem ausführlichen Gespräch Fragen zu Ihren Beschwerden und zur Situation am Arbeitsplatz. Zusätzlich kann er einen Fragebogen verwenden, z. B. den Maslach Burnout Inventory.

Fragen zur Klärung

Die Mayo Clinic in den USA definiert Burnout im Zusammenhang mit der Arbeit als eine besondere Art von Stress.2Burnout sei eine Form der körperlichen, emotionalen oder geistigen Erschöpfung, kombiniert mit Zweifeln an der eigenen Kompetenz und dem Wert der geleisteten Arbeit. Die Mayo Clinic empfiehlt unter anderem folgende Fragen, um abzuklären, ob jemand unter einem Burnout leidet:

  • Sind Sie bei Ihrer Arbeit zynisch oder kritisch geworden?
  • Müssen Sie sich selbst zur Arbeit zwingen, und haben Sie Schwierigkeiten damit, dort in die Gänge zu kommen?
  • Sind Sie gereizter und ungeduldiger gegenüber Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern?
  • Fehlt Ihnen die Energie, um ein gleichmäßiges Produktivitätsniveau aufrecht zu erhalten?
  • Sind Sie unzufrieden mit Ihrer eigenen Arbeit?
  • Fühlen Sie sich desillusioniert in Bezug auf Ihre Arbeit?
  • Konsumieren Sie Lebensmittel, Alkohol, Medikamente oder dergleichen in der Hoffnung, sich besser zu fühlen oder gar nichts zu fühlen, wenn Sie bei der Arbeit sind?
  • Haben sich Ihre Schlafgewohnheiten oder Ihr Appetit verändert?
  • Leiden Sie unter unerklärlichen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder anderen körperlichen Beschwerden?

Ursachen und Risikofaktoren

Bei der Entstehung von Burnout wirken persönliche, arbeitsbedingte und gesellschaftliche Faktoren zusammen. Die Beschwerden äußern sich als Reaktion auf chronischen psychischen oder körperlichen Stress. Die Betroffenen verfügen meist nicht über angemessene Strategien zur Stressbewältigung. 

Ursachen oder Risikofaktoren für Burnout sind:

  • ein jüngerer Mitarbeiter/neu im Job zu sein
  • mangelnde Kontrolle; keine Möglichkeit, die Entscheidungen zu beeinflussen, die sich auf Ihre Arbeit auswirken
  • Leistungs- und Zeitdruck
  • widersprüchliche Arbeitsanweisungen, mangelhafte Rückmeldungen und Zielvorgaben
  • Überforderung oder Unterforderung
  • dysfunktionale Dynamik am Arbeitsplatz (z. B. Mobbing)
  • Konkurrenzdruck
  • Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten, wenig Schlaf und wenig Bewegung
  • ungünstige Beleuchtung, Lärm usw. am Arbeitsplatz
  • wenig Anerkennung und Unterstützung von anderen
  • Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit
  • Arbeitsplatzunsicherheit oder Arbeitslosigkeit
  • Wenn Ihre Werte mit den am Arbeitsplatz geförderten Werten unvereinbar sind.
  • Wenn Ihre Arbeit nicht mit Ihren Interessen und Qualifikationen zusammenpasst.

Die Ursachen müssen nicht nur mit arbeitsbedingtem Stress im Zusammenhang stehen, ungünstige Lebensgewohnheiten können sich ebenfalls auswirken. Persönliche Risikofaktoren sind z. B.:

  • Perfektionismus, hohe Ansprüche an sich selbst
  • hohes Engagement
  • geringes Selbstvertrauen
  • geringe Widerstandskraft
  • Angst vor Kontrollverlust
  • psychische Störungen.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist, die Beschwerden zu reduzieren und die Ursachen des Burnout zu entschärfen. Ein Schwerpunkt liegt dabei darauf, die Stressverarbeitung zu verbessern. In der Regel wird eine Behandlung empfohlen, die psychotherapeutische, sozialtherapeutische sowie arbeits- und rehabilitationsmedizinische Maßnahmen umfasst.

Verschiedene Psychotherapieverfahren können angewandt werden, z. B. kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie oder systemische Ansätze. Bislang fehlen jedoch aussagekräftige Studien, die die Wirksamkeit der einzelnen Methoden belegen. 

In Absprache mit dem Arbeitgeber und/oder Betriebsrat wird versucht, arbeitsplatzbezogene Stressoren zu reduzieren. Bei schwerem Burnout oder einer festgefahrenen Situation am Arbeitsplatz kann eine mehrmonatige Auszeit hilfreich sein, evtl. in Kombination mit einer stationären Rehabilitationsmaßnahme. Der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen, evtl. ist eine vorübergehende Teilzeitarbeit sinnvoll.

Körperliche Bewegung, v. a. Ausdauersport, Entspannungsübungen und achtsamkeitsbasierte Techniken sind als ergänzende Maßnahmen empfehlenswert. Achten Sie darauf, was Ihnen gut tut! Unternehmen Sie etwas mit Ihrer Familie und gehen Sie Hobbys nach.

Vorbeugend wirken strukturierte Präventionsprogramme, die z. B. am Arbeitsplatz oder als Einzelberatung angeboten werden.

Grenzen setzen

Damit Sie von einem Burnout genesen, müssen Sie zuerst verstehen, warum Sie ausgebrannt sind. Häufige Ursache für ein Burnout kann sein, dass Sie das Gefühl haben, keine Kontrolle darüber zu haben, wann Sie arbeiten, welche Aufgaben Sie übernehmen und wie viel Sie arbeiten. Es kann sich auch um Konflikte bei der Arbeit und um Probleme hinsichtlich der Zusammenarbeit handeln, z. B. wenn Sie davon gestresst sind, dass Sie viel Verantwortung tragen, oder wenn Sie sich Sorgen darüber machen, ob Sie Ihre Arbeit gut genug machen. Es könnte auch sein, dass Ihre Wertvorstellungen und die Wertvorstellungen des Unternehmens nicht übereinstimmen, dass Sie sehr viel Arbeit haben oder einer monotonen Arbeit nachgehen.

Wenn Sie sich ausgebrannt fühlen, ist es wichtig, dass Sie sowohl mit Ihrem Arbeitgeber Kontakt aufnehmen als auch Ihren Arzt aufsuchen. Können an Ihrem Arbeitsplatz solche Veränderungen durchgeführt werden, dass Sie das zugrunde liegende Problem in den Griff bekommen? Der Arzt sollte andere Erkrankungen ausschließen und Ratschläge geben, wie Sie genesen können. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich eine andere Arbeit zu suchen.

Sie können vieles selbst unternehmen, um einen Burnout zu vermeiden. Setzen Sie schneller Grenzen, machen Sie Pausen und hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie jeden Tag 115 Prozent von sich selbst geben, dann geben Sie offensichtlich viel mehr als Sie haben. Dies funktioniert auf Dauer nicht. Achten Sie darauf, was Sie stresst, und finden Sie heraus, wie Sie in einer besseren Art und Weise damit umgehen können. Je selbstbewusster Sie werden, desto mehr Kontrolle erlangen Sie. 

Weitere Informationen

Literatur

  1. Kaschka WP, Korczak D, Broich K. Modediagnose Burn-out. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(46): 781-7; DOI: 10.3238/arztebl.2011.0781. www.aerzteblatt.de
  2. Mayo Clinic: Job burnout: How to spot it and take action. www.mayoclinic.org

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Burnout. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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