Organische psychische Störungen

Die häufigsten Symptome bei organischen psychischen Störungen sind Wahrnehmungsstörungen und Gedächtnisschwäche sowie Verwirrtheit, oft in Kombination mit psychischen Symptomen wie Angst, emotionale Instabilität, Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und/oder Persönlichkeitsveränderungen.

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Was sind organische psychische Störungen?

Organische psychische Störungen umfassen Störungen des Denkens, Fühlens und/oder Verhaltens, die auf organischen Einwirkungen auf die Gehirnfunktion beruhen (physische, psychische, strukturelle oder biochemische Veränderungen). Die häufigsten Symptome sind Wahrnehmungsstörungen und Gedächtnisschwäche sowie Verwirrtheit, häufig in Kombination mit psychischen Symptomen wie Angst, emotionale Instabilität, Stimmungsschwankungen, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und/oder Persönlichkeitsveränderungen.

Das klinische Bild kann sich im Zusammenhang mit Krankheiten oder Verletzungen sehr schnell entwickeln, oft mit stark variierenden Symptomen, es kann sich aber auch sehr langsam entwickeln. Im letzteren Fall ist das Bild häufig von Funktionsstörungen gekennzeichnet.

Wie häufig solche Störungen auftreten, ist nicht bekannt, man nimmt aber an, dass sie bei schweren körperlichen Krankheiten häufig vorkommen. Bei vielen organischen Erkrankungen kann es zu psychischen Symptomen kommen, und auch bei Demenzerkrankungen mit zunehmender Hirnschädigung kann es zu zunehmenden organischen psychischen Störungen kommen.

Ursache

Hinter akut auftretenden Störungen stehen ernsthafte körperliche Probleme, die sich direkt oder indirekt aufs Zentralnervensystem auswirken, z. B. schwere Infektionen, Hautschädigungen, Delirium tremens, Schlaganfall oder ein gefährlich niedriger Blutzuckerspiegel.

Wenn die Störung eher schleichend auftritt, steht dahinter in der Regel eine langsam fortschreitende Erkrankung, die sich auf die Gehirnfunktion auswirkt, wie Alzheimer und das Parkinson-Syndrom. Andere Ursachen können Tumoren, Hormonstörungen und chronisch entzündliche Erkrankungen sein.

Ganz allgemein gesagt, hat es sich erwiesen, dass Personen, deren Gehirn aus irgendeinem Grund nicht ausgereift oder geschädigt ist, anfälliger für organische psychische Störungen sind. Auch Personen mit schlechtem Allgemeinzustand und Personen in fortgeschrittenem Alter haben eine Disposition für organische psychische Störungen.

Diagnostik

Zunächst sollten von ärztlicher Seite stets organische Ursachen für psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Wenn allerdings eine organische Erkrankung festgestellt wird und diese in einem sicheren oder zumindest hochwahrscheinlichen Kausalzusammenhang mit den psychischen Symptomen steht, liegt die Diagnose einer organischen psychischen Störung nahe. In diesem Fall müssen die Symptome in einem angemessenen zeitlichen Zusammenhang mit der organischen Ursache stehen, die vermutlich hinter den Beschwerden steht.

Therapie

Die Therapie sollte sich in erster Linie gegen die zugrunde liegende Ursache für die Störung richten. Darüber hinaus werden stark belastende Symptome oft direkt behandelt. In diesem Zusammenhang können je nach den vorhandenen Problemen unter anderem Beruhigungsmittel, antipsychotische und antidepressive Mittel zum Einsatz kommen. Einige Patienten können zeitweise pflegebedürftig werden.

Bei chronischen Erkrankungen ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Patienten mit eigenen Anstrengungen versuchen, ihre Fähigkeiten und Funktionen so gut wie möglich zu erhalten.

Prognose

Der weitere Verlauf der Störung hängt weitgehend von der zugrunde liegenden organischen Ursache ab. Bei akuten organischen Störungen, die durch vorübergehende organische Erkrankungen hervorgerufen werden, ist die Prognose gut, während bei psychischen Symptomen, deren Hintergrund eine chronische, fortschreitende Erkrankung ist, die Aussichten schlechter sind.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hirnorganisches Psychosyndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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