Trauerreaktion

Es ist natürlich Trauer zu empfinden, wenn man jemanden Nahestehendes oder etwas, das einem viel bedeutet, verliert. In einigen Fällen kann die Trauerreaktion so stark sein, dass sie nicht selbst bewältigt werden kann und die Betroffenen Hilfe suchen müssen.

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Was ist eine Trauerreaktion?

Bei einer Trauerreaktion handelt es sich um eine mentale Reaktion, die dazu führt, dass die Betroffenen sich traurig, niedergeschlagen, ängstlich und wütend fühlen. Trauer ist oft eng mit dem Gefühl des Verlustes verbunden. Es kann sich zum Beispiel um den Verlust des Ehepartners, von Freunden oder des Arbeitsplatzes handeln, aber auch der Verlust der eigenen Gesundheit bei schwerer Krankheit oder der Verlust des persönlichen Sicherheitsgefühls durch Gewalt und Missbrauch können eine Trauerreaktion auslösen. Die Schweregrad der Trauer variiert und hängt unter anderem vom Ausmaß des auslösenden Verlustes sowie den individuellen Eigenschaften ab, die man mitbringt. Die eigene Persönlichkeit, verfügbare Kapazitäten und Erfahrungen aus der Vergangenheit legen den Grundstein dafür, wie jemand auf ein Trauma, den Verlust einer nahestehenden Person oder andere einschneidende Erlebnisse im Leben reagiert. Darüber hinaus können auch die im sozialen Netzwerk der betroffenen Personen verfügbaren Kapazitäten die Entwicklung einer Trauerreaktion beeinflussen.

Verlauf einer Trauerreaktion

Eine Trauerreaktion besteht oft aus mehreren Phasen. Häufig treten die folgenden Phasen auf:

Schockphase

Zu Beginn können die Betroffenen eine Schockphase durchlaufen. Dazu kommt es oft in Zusammenhang mit einem unmittelbar auftretenden Trauma, z. B. einem Verkehrsunfall. In solchen Fällen sind die Betroffenen häufig nicht in der Lage klar zu denken oder sich normal zu verhalten. Die Größe und die Bedeutung des Ereignisses sind meist noch nicht vollständig realisiert worden. Vieles kann unwirklich erscheinen. Einige Betroffene reagieren mit Apathie (Gefühllosigkeit, Teilnahmslosigkeit), während andere unruhig werden und Angstsymptome spüren. Wieder andere reagieren mit Aggressivität.

Reaktionsphase

Nach kurzer Zeit beginnen die Betroffenen zu verstehen, was passiert ist und welche Auswirkungen damit einhergehen können. Sie gehen dann in eine Phase über, die Reaktionsphase genannt wird. Während dieser Phase können viele unterschiedliche Emotionen geweckt werden, die häufigsten Reaktionen sind Angstzustände, Depressionen, Verhaltensänderungen und körperliche Symptome. Die Betroffenen sind vorübergehend von den Ereignissen eingenommen und mit den Gefühlen über das, was passiert ist, beschäftigt. Es kann schwierig sein, nach vorne zu schauen und es ist schwierig zu verstehen, wie das Leben weitergehen soll. Während dieser Phase wird häufig Hilfe von außen benötigt, da es schwierig sein kann, die Emotionen und das Gefühl des Vermissens selbst zu bewältigen.

Verarbeitungsphase

Nach einer Weile beginnt oft eine Zeit, in der die Betroffenen wieder in der Lage sind ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf ihre Umgebung zu richten, weg vom Auslöser der Trauerreaktion. Die Zeit des Grübelns über das Geschehene wird weniger und die Betroffenen beginnen wieder Freude zu spüren und sich für Dinge in der Umgebung und Aktivitäten zu interessieren, die ihnen früher etwas bedeutet haben. Dadurch ist der Eintritt in die Verarbeitungsphase gekennzeichnet.

Neuorientierungsphase

Nach einer Weile beginnen die Betroffenen wieder zuversichtlich zu sein. Die Veränderung, die stattgefunden hat, wird akzeptiert und die Betroffenen beginnen zu planen, wie das Leben weiter gehen soll. Dabei handelt es sich um die letzte Phase einer Trauerreaktion, die als Neuorientierungsphase bezeichnet wird.

Nehmen Sie Hilfe an!

Es kann schwer sein, eine Trauerreaktion alleine zu bewältigen und es ist von entscheidender Bedeutung, jemanden an seiner Seite zu haben, mit dem man die Trauer teilen kann. Deshalb ist es wichtig, sich an seine Nächsten zu wenden und falls die Betroffenen gute Freunde, Arbeitskollegen oder andere Vertrauenspersonen haben, sollten sie versuchen das Gespräch mit ihnen zu suchen. Manche empfinden es als unangenehm, sich an ihr soziales Netzwerk zu wenden und um Hilfe zu bitten. In diesem Fall, besteht die Möglichkeit, Hilfe von Ärzten oder anderen medizinischen Fachkräften zu erhalten. Eine andere Person kann zuhören, trösten und helfen, die Gedanken in neue Bahnen zu lenken. Eben solche Faktoren können dazu beitragen, dass eine Trauerreaktion leichter bewältigt wird.

Über die Nutzung der sozialen Netzwerke hinaus ist es wichtig, die Schlaf- und Essgewohnheiten beizubehalten. Es ist von großer Bedeutung, das eigene körperliche Wohlbefinden so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Für kurze Zeit kann manchmal die Einnahme von schlaffördernden Mitteln sinnvoll sein. Auch eine kurzzeitige Krankschreibung kann helfen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Maßnahmen zur Trauerbewältigung, sie können den Betroffenen aber kurzzeitig helfen, die eigenen Ressourcen zu stärken, sodass sie ihre Emotionen besser verarbeiten können und damit einen Schritt weiterkommen.

Langfristig sollte von medikamentösen Schlafmtteln abgesehen werden und bei starken oder lang anhaltenden Schlafstörungen oder anderen körperlichen Reaktionen auf die Trauer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Das Erleben der eigenen Emotionen ist oft schmerzhaft und es erscheint deshalb verlockend, ihnen aus dem Weg zu gehen. Das ist jedoch der denkbar schlechteste Weg, die Trauer zu bewältigen. Es ist wesentlich besser, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen und sie nach außen zu lassen.

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Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg