Körperliche Beschwerden aus psychischen Ursachen

Hierbei handelt es sich um körperliche Symptome, bei denen eine organische Ursache nicht nachweisbar ist oder in grobem Missverhältnis zu den tatsächlich erlebten Beschwerden steht.

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Was versteht man unter Somatisierung?

  • Wenn körperliche Beschwerden eine psychische Ursache haben, wird dies in der medizinischen Fachsprache als Somatisierung bezeichnet.
  • Gemeint sind damit körperliche Symptome, bei denen eine organische Ursache nicht nachweisbar ist oder in grobem Missverhältnis zu den tatsächlich erlebten Beschwerden steht.
  • Als Somatisierungsstörung oder psychosomatische Störung bezeichnet man das Vorhandensein eines oder mehrerer solcher belastenden oder beeinträchtigenden körperlichen Symptome. Die Beschwerden können dabei in jedem Körperteil und jedem Organsystem auftreten.
  • Charakteristisch für somatoforme Störungen ist die ständige Besorgnis über Symptome oder deren Bedeutung.
  • Zu den somatoformen Störungen zählt auch die Hypochondrie, eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene minimale Beschwerden als Anzeichen für eine schwere körperliche (somatische) Erkrankung interpretieren.

Häufigkeit

  • Auch bei gesunden Menschen, bei den meisten tatsächlichen körperlichen Beschwerden sowie bei bestimmten psychischen Erkrankungen kommt eine gewisse Somatisierung häufig vor. Bei Personen, die unter einer Somatisierungsstörung leiden, kann sie auch als isoliertes Phänomen beobachtet werden.
  • Schätzungsweise 4–10 % der Bevölkerung leiden unter somatoformen Beschwerden. Bei Patienten, die sich wegen psychischer Erkrankungen in Behandlung befinden, sind funktionelle bzw. somatoforme Körperbeschwerden mit bis über 70 % extrem häufig. 
  • Die häufigsten Erscheinungformen körperlich nicht hinreichend zu erklärender Beschwerden sind Schmerzen, Störungen von Organfunktionen einschließlich sogenannter vegetativer Beschwerden und Erschöpfung/Müdigkeit.

Ursache

Häufige Ursachen

  • Die Möglichkeit einer körperlichen Erkrankung sollte natürlich durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden.
  • Betroffene sollten auf das Vorliegen einer primären psychischen Erkrankung hin untersucht werden:
  • Eine Vielzahl von Risikofaktoren tragen zur Entwicklung und Verstetigung nichtspezifischer, funktioneller und somatoformer Körperbeschwerden bei. Dazu gehören zum Beispiel:
    • ungünstige Erfahrungen in der Kindheit
    • frühere funktionelle oder somatoforme Beschwerden
    • psychische oder körperliche Erkrankung
    • Konflikte und außergewöhnliche Belastungen
    • mangelnde soziale Unterstützung
    • starke Angst vor Krankheit
    • Veranlagung
    • kulturelle Faktoren
    • einseitige Behandlung durch Ärzte, die sich nur auf die körperlichen Symptome konzentrieren.

Wann sollte ein Arzt konsultiert werden?

  • Eine besondere Herausforderung bei somatoformen Störungen besteht darin, die Betroffenen dazu zu bringen, ärztliche Hilfe zu suchen. Wie überzeugt man jemanden in einer solchen Situation davon, dass keine organische Erkrankung vorliegt?

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Welche Symptome haben Sie?
  • Welche Erkrankungen haben Sie früher gehabt?
  • Welche Untersuchungen haben Sie in letzter Zeit durchführen lassen?
  • Ist Ihre Krankheitsgeschichte von ähnlichen oder stark variierenden Beschwerden geprägt?
  • Sorgen Sie sich mehr um Ihre Gesundheit als andere Menschen?
  • Sehen Sie einen deutlichen Zusammenhang zwischen psychosozialen Belastungen und Ihren Symptomen/Sorgen?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt nimmt eine körperliche Untersuchung vor, um herauszufinden, ob sich eine organische Ursache für die Beschwerden finden lässt.
  • Dies sollte möglichst zeitnah geschehen, um einen chronischen Krankheitsverlauf zu verhindern.

Andere Untersuchungen

  • Viele Menschen, die eine Tendenz zur Somatisierung haben, suchen recht häufig einen Arzt auf. Nicht selten kehren sie mit denselben Symptomen wieder, sodass die Versuchung groß ist, Tests und Untersuchungen, die bereits mehrmals zuvor durchgeführt wurden, zu wiederholen. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, weshalb der Arzt die Notwendigkeit, bereits erfolgte Untersuchungen erneut durchzuführen, äußerst kritisch betrachten sollte.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Bei dauerhaft oder immer wieder auftretenden Beschwerden wird eine psychiatrische Abklärung als unterstützende Maßnahme empfohlen.

Prognose

  • Bei den meisten Patienten mit nichtspezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden gehen die Symptome mit der Zeit zurück.

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Somatisierung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin. Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden, Umgang mit Patienten. AWMF-Leitlinie Nr. 051-001, Stand 2012. www.awmf.org
  2. Hautzinger M, Thies E. Klinische Psychologie: Psychische Störungen kompakt, Kapitel Diagnosekriterien. Weinheim, Beltz PVU 2009 (5.7.2016). www.beltz.de
  3. Ehret AM, Berking M. DSM-IV und DSM-5: Was hat sich tatsächlich verändert? Verhaltenstherapie 2013;23:258-266 (DOI:10.1159/000356537). www.karger.com
  4. American Psychiatric Association. Somatic Symptom and Related Disorders. DSM Library (5.7.2016). dsm.psychiatryonline.org
  5. DIMDI. ICD10 2016. Kapitel Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F40-F48). www.dimdi.de
  6. Beltman MW, Voshaar RC, Speckens AE. Cognitive-behavioural therapy for depression in people with a somatic disease: meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Psychiatry 2010 Jul; 197(1): 11-9. PubMed
  7. Kroenke K. Efficacy of treatment for somatoform disorders: a review of randomized controlled trials. Psychosom Med 2007 Dec; 69(9): 881-8. PubMed
  8. Tyrer P, Salkovskis P, Tyrer H, et al. Cognitive-behaviour therapy for health anxiety in medical patients (CHAMP): a randomised controlled trial with outcomes to 5 years. Health Technol Assess 2017; 21: 1-58. pmid:28877841 PubMed