Verwirrtheit (Verworrenheit)

Unruhe und Verwirrtheit sind Symptome, die nicht nur bei älteren Menschen auftreten.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was bedeutet Verwirrtheit?

Verwirrtheit oder Verworrenheit bezeichnen einen Zustand, der durch eine geschwächte Orientierung hinsichtlich Zeit, Ort, Situation und Person charakterisiert wird. Das Bewusstseinsniveau ist betroffen, und der Grad der Aufmerksamkeit wechselt schnell. Das Erinnerungsvermögen ist beeinträchtigt. Halluzinationen, flüchtige Wahnvorstellungen und Illusionen treten häufig auf. Die Entwicklung der Verwirrtheit geschieht in der Regel schnell – über Stunden oder Tage. Häufig bestehen gleichzeitig eine motorische Unruhe, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie eine unklare Sprache.

Es gibt zahlreiche Gründe für einen Verwirrtheitszustand. In allen Fällen handelt es sich um ein Symptom, dass medizinisch abgeklärt werden sollte. Mögliche Ursachen sind ein starker Flüssigkeitsmangel, Drogen, Vergiftungen oder Medikamente, Stoffwechselentgleisungen, akute Hirnerkrankungen wie Hirnhautentzündung oder Minderdurchblutung, Demenz oder psychische Störungen.

Vorkommen

Verwirrtheitszustände nehmen mit dem Alter zu. Aber auch bei Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen kann es zur Verwirrtheit kommen. So ist die Verwirrtheit bei Menschen mit Demenz ein typisches Symptom. Verwirrtheit äußert sich häufig bei akut eingelieferten älteren Patienten zur stationären Aufnahme. 15 bis 53 % der älteren Patienten leiden unter temporärer Verwirrtheit nach Operationen.

Auch jüngere Menschen können von einer veränderten Bewusstseinslage betroffen sein. Insbesondere ein gesteigerter Drogenkomsum bzw. der Entzug führen zur Verwirrung.

Wichtige Anzeichen

Bei auffälligen Symptomen wie Angst, Halluzinationen und Wahnvorstellungen wird die Erkrankung als eine mögliche schwere psychische Störung wahrgenommen.

Die Erkrankung kann ein Anzeichen für einen schweren Ausfall der Funktion des zentralen Nervensystems sein. Ein Ausschluss lebensgefährlicher Erkrankungen muss rasch erfolgen, um im Falle eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Ursachen

Häufige Ursachen

Die Ursachen werden in diesem Artikel nur in Kürze angeschnitten. Es liegen ausführliche Informationen in separaten Artikeln vor, die über den Hyperlink erreichbar sind. 

  • Delirium
    • Es liegen eindeutige Denkstörungen vor.
    • Es gibt einen offensichtlichen Zusammenhang zu einer zugrunde liegenden Krankheit oder zum Medikamenten-/Drogenmissbrauch.
  • Senile Demenz
    • Tritt bei älteren Menschen auf, evtl. als präsenile Erkrankung, entwickelt sich über eine längere Zeit.
    • Es findet ein schrittweiser Verlust von intellektuellen Fähigkeiten in Kombination mit reduziertem Erinnerungsvermögen statt. Frühe Anzeichen sind Initiativmangel, Verlust der Arbeitsfreude, Vernachlässigung von Routineaufgaben, steigende Vergesslichkeit. Später auftretende Anzeichen sind Verlust des Konzentrationsvermögens, Unfähigkeit an Diskussionen teilzunehmen, übertriebene Sorgen um Kleinigkeiten, anhaltende Besorgnis über die gleichen Dinge. Der Grad der Wachheit wird nicht beeinflusst.
  • Akute Intoxikation
  • Panik
    • Wiederkehrende Anfälle von schweren Angstzuständen (Panik), die nicht auf bestimmte Situationen oder Umstände beschränkt und daher unvorhersehbar sind.
    • Wie bei anderen Angststörungen sind die wichtigsten Symptome plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerzen, das Gefühl des Erstickens und Schwindel.Häufig entsteht auch eine Angst vor dem Sterben, vor Kontrollverlust körperlich wie auch psychisch.
  • Abstinenzdelir
    • Es äußert sich durch verschiedene Symptomen unterschiedlichen Schweregrades, nach absolutem oder relativem Entzug einer psychotropen Substanz, die anhaltend konsumiert worden ist. Am häufigsten bei Missbrauch von Alkohol und Benzodiazepinen.
    • Beginn und Verlauf des Entzugsyndroms sind zeitlich begrenzt und abhängig von der Substanzart und Dosis der psychotropen Substanz, die unmittelbar vor Beendigung oder Reduktion des Konsums verwendet worden ist. Das Entzugssyndrom kann von symptomatischen Krampfanfällen begleitet sein. Es ist häufig mit Zittern und optischen Halluzinationen kombiniert. 
  • Akute oder vorübergehende psychische Verwirrung (Psychose)
    • Eine Gruppe von Störungen, die durch den akuten Beginn (weniger als 2 Wochen) der psychotischen Symptome, wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen und andere Wahrnehmungsstörungen, und durch eine schwere Störung des normalen Verhaltens charakterisiert sind.
    • Ratlosigkeit und Verwirrung treten häufig auf, aber die Desorientierung in Hinsicht auf Zeit, Ort und die eigene Person hat in der Regel eine begrenzte Dauer. Eine vollständige Besserung erfolgt in der Regel innerhalb weniger Monate, häufig bereits nach wenigen Wochen oder nur Tagen. Wenn die Störung länger als 2–3 Monate besteht, muss die Diagnose geändert werden.
    • Die Störung kann im Zusammenhang mit einer akuten Belastung stehen.
  • Manie ohne psychische Verwirrung
    • Die Gemütsverfassung ist in einem Maße gehoben, dass sie nicht mit der Situation des Patienten harmoniert. Sie kann von unbeschwerter Heiterkeit zu fast unkontrollierbarer Euphorie variieren.
    • Die Hochstimmung wird von erhöhter Energie begleitet, was zu einer Überaktivität, einem Redefluss und vermindertem Schlafbedürfnis führt. Die Aufmerksamkeit kann nicht aufrechterhalten werden, und die Person lässt sich leicht ablenken. Das Selbstwertgefühl ist häufig erhöht, mit Grandiosität und übertriebenem Selbstbewusstsein. Der Verlust der normalen sozialen Hemmungen kann zu einem Verhalten führen, das leichtsinnig, tollkühn oder unangemessen und untypisch für die Person ist.
  • Manie mit Störung (psychotische Symptome)
    • Wie oben beschrieben. Dazu kommen:
      • Wahnvorstellungen (in der Regel grandiose) oder Halluzinationen (in der Regel über Stimmen, die direkt zum Patienten sprechen) treten auf, oder die gehobene Gemütsverfassung, die übermäßige motorische Aktivität und die Gedankenflucht sind so extrem, dass die Person nicht zu verstehen oder nicht zugänglich für eine normale Kommunikation ist.
  • Arzneimittelnebenwirkungen
    • Viele der am häufigsten verwendeten Medikamente können zur Verwirrtheit beitragen, allein oder in Kombination mit anderen Mitteln.
    • Es liegt ein erhöhtes Risiko vor, wenn die allgemeine Gesundheit oder die geistigen Funktionen im Voraus reduziert sind.

Seltene zugrunde liegende Ursachen, die dringend behandelt werden müssen:

  • Niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie)
    • „Unterzuckerung“ bei einem Patienten mit Diabetes kann zu akuter Angst und Verwirrung führen.
  • Meningitis (Hirnhautentzündung)
    • Seltene, aber sehr ernste Erkrankung
    • Sie ist bei allen unklaren Krankheitsbildern in Betracht zu ziehen, die mit einem akut beeinträchtigen Allgemeinzustand, Ausschlag und Fieber einhergehen
    • Im Anfangsstadium können die Symptome variieren mit Kopfschmerzen, Fieber, verschlechtertem Allgemeinzustand, kleinen Hautblutungen, Nackensteifigkeit.
  • Schlaganfall
    • Die Erkrankung kann innerhalb von Sekunden (z. B. Blutgerinnsel aus dem Herzen), Minuten (in der Regel Hirnblutung) oder Minuten bis Stunden (Blutgerinnsel, das sich lokal in einem Gefäß im Gehirn bildet, Thrombose) auftreten.
    • Die Symptome variieren je nach Lokalisation und Schweregrad.
  • Subarachnoidalblutung
    • Blutungen aus einer Ausbuchtung des Blutgefäßes, treten häufig bei jüngeren Patienten auf.
    • Können plötzlich einsetzende Kopfschmerzen verursachen, häufig im Nacken lokalisiert, werden als schneidend, explodierend wahrgenommen.
    • Begleitsymptome sind häufig Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen.
  • Chronisches Subduralhämatom
    • Tritt vor allem bei älteren Menschen und Alkoholikern auf und entsteht einige Zeit (Tage, Wochen) nach einer Kopfverletzung.
    • In der Regel kommt es zu einer allmählichen Abnahme der mentalen Funktionen. Als weitere Symptome liegen häufig Kopfschmerzen, eine Sturzneigung, Beeinträchtigung des Bewusstseins und Somnolenz vor.
  • Akutes Subduralhämatom
    • Es handelt sich um Blutungen innerhalb der harten Hirnhaut, vor allem durch eine Kopfverletzung verursacht
    • Zu den Symptomen zählen Kopfschmerz, Verwirrung, Beeinträchtigung des Bewusstseins und Krämpfe.
  • Hirntumor
    • Die Erkrankung entwickelt sich langsam.
    • Frühe Symptome können epileptische Anfälle, langsam einsetzende Lähmungen und eine Sprachstörung sein.
    • Weitere typische Symptome können Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Hirnnervenparesen und schließlich Persönlichkeitsveränderungen und Verwirrung sein.
  • Epilepsie
    • Umfasst ein weites Spektrum von Erkrankungen, die auf Funktionsstörungen im Gehirn zurückgehen.
    • Eine generalisierte Epilepsie umfasst einen allgemeinen Krampfanfall mit Verlust des Bewusstseins.
    • Eine partielle Epilepsie sind abgegrenzte oder lokalisierte Anfälle ohne wesentlichen Verlust des Bewusstseins.
    • Von den Anfällen abgesehen sind die Betroffenen nicht weiter eingeschränkt.

Was können Sie selbst tun?

In einer Situation mit Angst und Verwirrtheit ist der Kranke nicht in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Die Familie und die Angehörigen müssen dem Kranken helfen und für medizinische Hilfe sorgen.

Wann wird ein Arztbesuch empfohlen?

Eine Person mit akut entstandener Angst und Verwirrtheit benötigt eine sofortige medizinische Behandlung. Längerfristige Angst und Verwirrtheit bei einer älteren Person ist in den meisten Fällen Altersdemenz, und es besteht in der Regel keine Eile für medizinische Hilfe.

Was geschieht bei der ärztlichen Kontrolle?

Anamnese – Fragen, die Ihnen der Arzt stellen könnte

  • Seit wann besteht der Zustand?
  • Wie hat sich der Zustand entwickelt?
  • Hat der Patient Diabetes?
  • Nimmt der Patient regelmäßig Medikamente ein?
  • Kann der Zustand durch Abstinenz nach längerem Alkoholmissbrauch verursacht sein?
  • Ist der Patient kurz vor der Verwirrung extremen psychischen/körperlichen Belastungen ausgesetzt gewesen?
  • Wie ist die psychische Gesundheit des Patienten?
    • Hat der Betroffene in der Vergangenheit psychische Erkrankungen gehabt?
    • Liegen Halluzinationen oder Wahnvorstellungen vor?
  • Kann der Patient eine selbst zugefügte Vergiftung haben? Narkotika?

Ärztliche Untersuchung

Der Arzt muss durch seine Untersuchung einschätzen, ob es sich um einen bedrohlichen Zustand handelt, und welche Ursache dem auffälligen Verhalten des Betroffenen zugrunde liegt. Es wird eine gründliche körperliche Untersuchung durchgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf:

  • Dem allgemeinen Gesundheitszustand, Temperatur, Blutdruck, Puls
  • Nackensteifigkeit, Hautblutungen
  • Dem Herz- und Lungen-Status
  • Der Untersuchung des Nervensystems.

Weitere Untersuchungen

Je nach Verdacht, ergeben sich weitere spezifische Untersuchungen, die über eine Blutanalyse bis hin zu einem bildgebenden Verfahren reichen können.

Überweisung an einen Spezialisten oder in ein Krankenhaus

Akute Angst und Verwirrtheit erfordern in den meisten Fällen eine ärztliche Abklärung, um herauszufinden, ob sich hinter den Symptomen eine gefährliche Krankheit verbirgt. Patienten mit Verdacht auf eine senile Demenz können zum Auschluss anderer Erkrankungen, die der Verwirrtheit zugrunde liegen könnten, an Spezialisten überwiesen werden.

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.