Wahnvorstellungen

Eine Wahnvorstellung ist eine unangemessene und falsche Interpretation der Umwelt, auf der die Person beharrt und mit der sie auf abweichende Art umgeht.

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Was ist eine Wahnvorstellung?

Definition

  • Es handelt sich um eine unangemessene und falsche Interpretation der Umwelt, auf der die Person beharrt und mit der sie auf abweichende Art umgeht.
  • Zu unterscheiden ist die Wahnvorstellung von einer Halluzination, bei der es zu Wahrnehmungsstörungen kommt und bei der beispielsweise Dinge gehört oder gesehen werden, die nicht vorhanden sind.

Prävalenz

  • Wahnvorstellungen treten begleitend bei mehreren Krankheiten auf, beispielsweise Demenz, Delirium, Schizophrenie und anderen Zuständen geistiger Verwirrung oder Psychosen.

Wesentliche Bedingungen

  • Wahnvorstellungen treten am häufigsten vor dem Hintergrund einer Krankheit auf, die eine Behandlung erfordert. In vielen Fällen besitzen die Kranken keine Einsicht, dass es sich um eine Wahnvorstellung als Teil einer schweren Krankheit handelt, und deshalb widersetzen sie sich oftmals sowohl einer Einweisung als auch einer Behandlung:
    • Die Patienten stellen gelegentlich eine Gefahr für sich selbst und manchmal auch für andere dar.
    • Oftmals erhalten die Patienten auch nicht die Behandlung, die sie benötigen.
  • Die Behandlung erfolgt in Übereinstimmung mit der Diagnose.
  • Die Anamnese ist das wichtigste diagnostische Hilfsmittel.

Was ist die Ursache der Wahnvorstellungen?

Häufige Ursachen:

  • Demenz:
    • Man unterscheidet verschiedene Arten von Demenz, unter denen die Alzheimer-Krankheit am häufigsten vorkommt.
    • Die Krankheit tritt bei älteren Personen auf, manchmal aber bereits im Alter von 50 oder 60 Jahren.
    • Schrittweise reduzieren sich die geistigen Fähigkeiten und das Erinnerungsvermögen schwindet.
    • Frühe Anzeichen sind Antriebslosigkeit, Verlust der Arbeitsfreude, das Vernachlässigen von Routinetätigkeiten und zunehmende Vergesslichkeit.
    • Spätere Anzeichen sind abnehmendes Konzentrationsvermögen, mangelnde Fähigkeit zur Gesprächsteilnahme, Wiederholungen in Sprache, Verhalten und Gedanken und die Tatsache, dass Unwesentliches übermäßig große Sorgen bereitet.
    • Der Wachheitsgrad wird nicht beeinträchtigt.
  • Schizophrenie:
    • Es kommt zu einem grundlegenden Wandel im Denken und bei der Wahrnehmung der Realität und oftmals sogar zu Auswirkungen auf das Gefühlsleben.
    • Typische Anzeichen von Schizophrenie sind Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnvorstellungen im Zusammenhang mit der Realitätswahrnehmung und Kontrolle, akustische Halluzinationen in Form von Stimmen, mit denen die Patienten in der dritten Person diskutieren, sowie Denkstörungen und negative Symptome
    • Im Verlauf der Schizophrenie zeigen die Patienten oftmals kontinuierliche Symptome, die sich gelegentlich phasenweise verschlechtern. Bei vielen Patienten wird die Krankheit chronisch und bei einem kleineren Teil verschlechtert sie sich schrittweise, während bei einem anderen kleinen Teil eine teilweise oder vollständige Remission erreicht wird.
  • Wahnhafte Störung:
    • Die Krankheit ist durch die Entwicklung einer einzelnen Wahnvorstellung oder einer Reihe verwandter Wahnvorstellungen gekennzeichnet
    • Die Inhalte der Wahnvorstellungen sind sehr unterschiedlich, häufige Themen sind jedoch Verfolgung, Eifersucht, Vergiftungen, Infektionen, dass eine Person einem Schlechtes will oder dass man von einer schweren körperlichen Erkrankung befallen ist
  • Delirium tremens:
    • Dies tritt normalerweise als Komplikation bei einer abrupten Abstinenz nach einem längeren Zeitraum überhöhten Alkoholkonsums auf
    • Akute Verwirrungszustände mit Desorientiertheit, Denkstörungen, Halluzinationen
    • Es treten starke körperliche Symptome wie Zittern, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Angst, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit auf
    • Hohe Herzfrequenz, Bluthochdruck, erweiterte Pupillen, Schwitzen
    • Die durchschnittliche Dauer beträgt eine Woche
  • Depressionen:
    • Der Patient ist anfangs schwer depressiv und gelegentlich treten Symptome wie Wahnvorstellungen auf
    • Oft sind die Wahnvorstellungen Symptome einer Depression, d. h. sie handeln von negativen, pessimistischen Dingen wie Schuld, einer kommenden Katastrophe oder davon, dass man ruiniert ist oder ganz allein und ungeliebt
  • Manie mit psychotischen Symptomen:
    • Der Stimmungslage ist auf abnorme Weise erhöht, der Patient erlebt oft eine nahezu unkontrollierbare Hochstimmung
    • Diese Hochstimmung wird begleitet von erhöhter Energie, was zu Überaktivität, beschleunigtem Rede- und Gedankenfluss und verringertem Schlafbedürfnis führt
    • Die Person kann sich nicht konzentrieren und ist leicht abgelenkt
    • Das Selbstwertgefühl ist oft mit Grandiosität und übertriebenem Selbstvertrauen überhöht
    • Der Verlust der normalen sozialen Hemmungen kann zu Verhaltensweisen führen, die leichtfertig, tollkühn, unangemessen und atypisch für die Person sind
    • Wahnvorstellungen (üblicherweise grandiose Vorstellungen) oder Halluzinationen (normalerweise Stimmen, die direkt mit den Patienten sprechen) können ebenso auftreten

Seltene Ursachen

  • Enzephalitis:
    • Ist eine sehr seltene Ursache der Wahnvorstellungen
    • Die häufigsten Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, epileptische Anfälle und Verwirrtheit
    • Lähmungen, Sprechstörungen und Instabilität können ebenso auftreten
  • Hirntumor:
    • Erstes Auftreten normalerweise mit ganz anderen Symptomen und Anzeichen
    • Die Symptome variieren in Abhängigkeit davon, wo der Tumor im Gehirn lokalisiert ist, wobei eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten können: Kopfschmerzen, die nachts und im Liegen besonders ausgeprägt sind, Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, epileptische Anfälle, Sprech- und Bewegungsschwierigkeiten, unnormale Müdigkeit und psychische Veränderungen

Was können Angehörige tun?

  • Als Angehöriger sollten man sich ruhig verhalten und versuchen, der Person zu helfen und sich um sie zu kümmern. Selten ist es eine gute Idee, den Wahrheitsgehalt der Wahnvorstellungen des Patienten zu diskutieren.

Indikationen zur Arztkonsultation

  • Wahnvorstellungen sind in der Regel Anzeichen einer schweren psychischen Erkrankung und die Kranken müssen so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wann sind die Symptome erstmals aufgetreten?
  • Wie haben sich die Symptome entwickelt?
  • Gab es zuvor ähnliche Symptome?
  • Haben Sie andere Krankheiten?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Können die Symptome durch Abstinenz im Anschluss an eine lange Zeit des Alkoholmissbrauchs verursacht sein?
  • Waren Sie kurz vor dem Auftreten der Symptome extremen psychischen/körperlichen Belastungen ausgesetzt?
  • Waren Sie deprimiert, bevor die derzeitigen Beschwerden aufgetreten sind?
  • Haben Sie sich möglicherweise selbst eine Vergiftung zugefügt? Nehmen Sie Rauschmittel?

Ärztliche Untersuchung

  • Teil einer Routine-Untersuchung ist auch eine körperliche Untersuchung, um eine zugrunde liegende physische Erkrankung auszuschließen.
  • Möglicherweise verordnet der Arzt mehrere Blutuntersuchungen.

Weitere Untersuchungen

  • Ist es die erste Krankenhauseinweisung des Patienten aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung, wird oftmals eine Röntgenaufnahme oder MRT des Gehirns erstellt.

Überweisung an einen Spezialisten (Psychiater, Neurologen) oder an ein Krankenhaus

  • Wahnvorstellungen erfordern in den meisten Fällen eine Noteinweisung ins Krankenhaus, um eine Erklärung für die Erkrankung zu finden und den Patienten die erforderliche Behandlung zukommen zu lassen.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Wahnvorstellungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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