Somatisierung

Allgemeine Informationen

Definition

  • „Medizinisch" „organisch" oder „somatisch nicht/nicht hinreichend erklärte Körperbeschwerden" sind körperliche Beschwerden, für die auch nach systematischer Abklärung keine hinreichende somatische Krankheitsursache gefunden wird.1
  • Jedes Fachgebiet beschreibt eigene, nichtspezifische, funktionelle und
    somatoforme Körperbeschwerden und Syndrome.
    • In den psychosozialen Fächern werden sie als „somatoforme Störungen", also als psychische Störungen nach ICD-10 bezeichnet.
    • in der somatischen Medizin als bestimmte „funktionelle Syndrome"
    • In der Allgemeinmedizin werden überwiegend sog.
      „Symptom-Diagnosen" (nach der Logik der ICPC-2) vergeben.1
  • Als Somatisierungsstörung (ICD 10: F45.0; DSM-5: Somatic Symptom Disorder; Synomyme2: mutliples Beschwerdesyndrom, multiple psychosomatische Störung, Briquet-Syndrom) bezeichnet man das Vorhandensein eines oder mehrerer belastender oder beeinträchtigender körperlicher Symptome. Im Falle einer Krankheitsdauer über 6 Monate wird der Zustand als „persistierend" bezeichnet.3
    • Die meisten Patienten haben eine lange und komplizierte Patienten-Karriere hinter sich, sowohl in der Primärversorgung als auch in spezialisierten medizinischen Einrichtungen, wo viele negative Untersuchungen und ergebnislose explorative Operationen durchgeführt sein können.
    • Die Symptome können sich auf jeden Körperteil oder jedes System des Körpers beziehen.
  • Somatoforme Störungen (ICD 10: F45.-; DSM-5: Somatische Belastungsstörung und verwandte Störungen, z. B. Krankheitsangststörung – früher Hypochondrie)3-4 sind dadurch gekennzeichnet, dass die betroffene Person sich permanent Sorgen über Symptome oder deren Bedeutung macht.
    • Typisch sind körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckigen Forderungen nach medizinischen Untersuchungen trotz wiederholter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte, dass die Symptome nicht körperlich begründbar sind.
    • Wenn somatische Störungen vorhanden sind, erklären sie nicht die Art und das Ausmaß der Symptome, das Leiden und die innerliche Beteiligung des Patienten.5
  • Der Begriff „nichtspezifische Körperbeschwerden" wird überwiegend in der Allgemeinmedizin verwendet.
    • Er betont die (vorläufig, oft aber auch dauerhaft) fehlende Zuordenbarkeit vieler Beschwerden, mit denen Patienten ihre Ärzte, v. a. ihren Hausarzt, aufsuchen.
    • Darüber hinaus soll er eine zu frühe diagnostische Etikettierung als „Krankheit" v. a. in solchen Fällen verhindern, in denen die Beschwerden aufgrund fehlender Progredienz, fehlender Signalwirkung für eine somatische Erkrankung oder fehlender Beeinträchtigung von Lebensqualität oder Funktionsfähigkeit des Patienten keinen eigenen Krankheitswert besitzen.
  • Der Nachweis von Simulation schließt die Diagnosen somatoformer und funktioneller Störungen aus.1
  • Die häufigsten Erscheinungsformen somatisch nicht hinreichend erklärter Körperbeschwerden sind:5
    • Schmerzen unterschiedlicher Lokalisation
    • Störungen von Organfunktionen einschließlich sog. vegetativer Beschwerden
    • Erschöpfung/ Müdigkeit.1
  • Die Dauer, bis eine funktionelle oder somatoforme Störung erkannt und eine spezifische Behandlung eingeleitet wird, beträgt durchschnittlich 3–5 Jahre.

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Klinische Untersuchung

Ergänzende Untersuchungen in der Hausarztpraxis

Maßnahmen und Empfehlungen

Prognose

Patienteninformationen