Suizid und Suizidversuch

Allgemeine Informationen

Definitionen

Suizidalität

  • Alle Erlebens- und Verhaltensweisen, die in Gedanken, durch aktives Handeln/passives Unterlassen oder durch Handeln-Lassen den eigenen Tod anstreben oder als mögliches Ergebnis einer Handlung in Kauf nehmen.1
  • Verschiedene Stadien der Entwicklung suizidalen Verhaltens
    • Erwägungsphase
    • Ambivalenzphase
    • Entschlussphase
  • Formen und Ausprägungen
    • Wunsch nach Ruhe oder Pause („passiver Todeswunsch“)
    • Suizidgedanken, -ideen, -vorstellungen können in unterschiedlicher Form und Ausprägung vorliegen, z. B.:
      • mehr oder weniger konkret
      • fluktuierend oder anhaltend
      • sich zwanghaft aufdrängend
      • impulshaft einschießend
      • imperativ bei akustisch-verbalen Halluzinationen.
    • Suizidpläne
      • konkretisierte, geäußerte oder nicht geäußerte Suizidabsicht
      • Auswahl eines Suizidmittels
      • Auswahl von Zeitpunkt und Ort
    • Suizidvorbereitungen, z. B.:
      • Horten von Medikamenten
      • Anschaffung einer Waffe
      • Regelung letzter persönlicher Angelegenheiten
      • Schreiben eines Abschiedsbriefs, auf Papier, auf dem PC, per E-Mail oder im Internet.
    • suizidale Handlungen
      • harte oder weiche Methode
      • vollständig ausgeführt oder abgebrochen
      • Rettung des Patienten oder vollendeter Suizid

Suizid

  • Vorsätzliche Beendigung des eigenen Lebens
    • aktiv
      • harte Methoden, z. B. Erschießen, Erhängen, Öffnen von Pulsadern, Sturz aus großer Höhe, Werfen vor einen fahrenden Zug
      • weiche Methoden, z. B. Intoxikation mit Alkohol, Medikamenten, Drogen
    • passiv
      • Der Betroffene verweigert die Aufnahme von Nahrung, Flüssigkeit oder notwendigen Medikamenten.

Suizidversuch

  • In suizidaler Absicht ausgeführte Handlung, die nicht zum Tod führt.

Suizidale Gedanken und Affekte („Suicidal Ideation“)

  • Verbale und nichtverbale Anzeichen, die direkt oder indirekt Beschäftigung mit Selbsttötungsideen anzeigen ohne Verknüpfung mit Handlungen.
  • Gezielte und konkrete Planungen weisen auf ein hohes Suizidrisiko hin und erfordern eine unverzügliche therapeutische Intervention, ggf. unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen.

Sonderformen

  • Bilanzsuizid
    • kognitiv-resümierender Suizid (versus Suizid in affektiv-impulsiven Belastungs- und Versagenssituationen)
    • laut Wolfersdorf seltene Ausnahmefälle1-2
  • Suizidpakt, Doppel- oder Mehrfachsuizid
    • Wird gemeinsam, z. B. von (Ehe-)Partnern, in weitgehend freiwilliger Übereinkunft vereinbart.
    • Dazu zählen auch gemeinsame Suizide, die über einschlägige Internetforen verabredet wurden.
  • Erweiterter Suizid
    • meist mit pseudoaltruistischer Motivation der zentralen Person
      • Beispielsweise nehmen Eltern in vermeintlich fürsorglicher Absicht ihre Kinder mit in den Tod.
  • Massensuizid
    • kollektive Selbsttötung größerer Gruppen in subjektiv oder objektiv auswegloser Situation, zuletzt vorwiegend bei radikalen Sekten
  • Antizipatorischer Suizidversuch (oft bei Kindern und Jugendlichen)
    • Suizidversuch aus Angst vor der Zukunft und den damit verbundenen Belastungen
    • Aufgrund von Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstunsicherheit entsteht die suizidale Überzeugung, zukünftigen Belastungen nicht gewachsen zu sein.

Häufigkeit

Inzidenz

  • 10.076 Menschen starben in Deutschland im Jahr 2013 durch Suizid.
  • Weit über 100.000 Menschen begingen im Jahr 2013 einen Suizidversuch.
    • Damit starben im Jahr 2013 deutlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle (3.339), Mord und Totschlag (578), illegale Drogen (1.002) und AIDS (ca. 550) zusammen.3
  • Männer begehen etwa 2,5-mal so häufig Suizid wie Frauen, während Frauen 3-mal so viele Suizidversuche wie Männer begehen.
  • Männer greifen häufiger zu harten Methoden wie Erschießen, Erhängen oder Ertränken.
  • Frauen suizidieren sich häufiger durch Überdosierungen und Schnittverletzungen.
  • In vielen Ländern Westeuropas, darunter Deutschland, ist die Suizidrate seit den 1980er-Jahren zurückgegangen.3
    • Laut einer Studie in Skandinavien scheint weder die verstärkte Anwendung von SSRI-Präparaten noch die zurückgegangene Anwendung trizyklischer Antidepressiva diese Tendenz hinreichend erklären zu können.4
    • Vermutlich haben psychosoziale Faktoren dazu beigetragen, die nur bedingt messbar sind.
    • In Deutschland hat sich der Abwärtstrend mittlerweile abgeflacht.3

Hohe Dunkelziffer

  • Schätzungen zufolge ist die Zahl der erfassten Suizide um eine Dunkelziffer von rund 25 % zu erhöhen.
  • Dazu zählen z. B.:
    • plötzliche Todesfälle bei älteren und alleinstehenden Personen
    • Todesfälle während einer medikamentösen Behandlung
    • in suizidaler Absicht herbeigeführte Unfälle.

Psychische Morbidität

  • In wenigstens 90 % der Suizidfälle liegt eine psychische Störung vor, bei über 80 % ist diese zum Zeitpunkt des Suizids unbehandelt.
    • Depressive Störungen stellen die häufigste psychische Ursache für Suizide dar.
    • Fast alle Patienten mit schweren Depressionen haben zumindest Suizidgedanken.
    • Die Suizidrate bei Depressiven ist etwa 30-mal höher als in der Durchschnittsbevölkerung.
    • 8,6 % der Patienten, die im Verlauf ihres Lebens wegen Suizidalität stationär behandelt wurden, versterben durch Suizid; unter den stationär behandelten Patienten mit einer affektiven Störung, die nicht speziell wegen Suizidalität hospitalisiert wurden, sind es 4,4 %.

Alter

  • In Deutschland steigt die Suizidziffer bzw. das Suizidrisiko mit dem Lebensalter.
    • Beträgt die Suizidziffer 2013 bei 20- bis 25-jährigen Männern noch 11,3/100.000 Einwohner (Frauen 2,8) steigt sie bei den 85- bis 90-jährigen Männern auf 89,7 (Frauen 17,4).3
  • Jugendalter und Adoleszenz (Näheres s. Artikel Suizid und Suizidversuch bei Kindern und Jugendlichen)
    • Selbstverletzendes Verhalten stellt unter jungen Menschen und insbesondere unter jungen Mädchen ein zunehmendes Problem dar.5
    • Junge Menschen, die sich wiederholt selbst verletzen und keine angemessene Hilfe erhalten, haben ein signifikant erhöhtes Risiko, später im Leben Suizid zu begehen.6
    • In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen ist Suizid die häufigste alleinige Todesursache.
    • Suizidale Jugendliche unterscheiden sich in sozioökonomischer und psychosozialer Hinsicht von unauffälligen Gleichaltrigen, und fast die Hälfte von ihnen wird kurz vor dem Suizidversuch in einer Arztpraxis vorstellig.

Diagnostische Überlegungen

Risikofaktoren

  • Bestimmte Personengruppen sind stärker suizidgefährdet als andere.
    • Menschen, die einen engen Freund, den Partner oder ein Kind verloren haben.
    • Menschen mit Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
    • Menschen mit schwerer Depression: Depressionen verursachen 60 % aller Suizide.
    • Menschen mit psychotischen Störungen, z. B.:
    • Menschen mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung, die von eingeschränkter Affektregulation und Impulskontrolle geprägt ist, sowie mit einem stark schwankenden Selbstbild und unbeständigen zwischenmenschlichen Beziehungen.7
    • Enge Freunde oder Verwandte von Menschen, die Suizid begangen haben.
    • ältere Menschen mit einer körperlichen oder psychischen Erkrankung8
    • Menschen mit einer schweren körperlichen Erkrankung
    • Menschen, die bereits früher Suizidversuche unternommen haben.
  • Auch Arbeitslosigkeit, Armut, Einsamkeit und ein hohes Lebensalter ohne engen Kontakt zur Familie erhöhen das Suizidrisiko.

Suizidale Jugendliche: Worauf sollten Sie achten?

  • Näheres s. Artikel Suizid und Suizidversuch bei Kindern und Jugendlichen
  • Viele Jugendliche werden kurz vor einem Suizidversuch in einer Arztpraxis vorstellig.
  • Typisch sind Hinweise auf eine Depression, ein niedriges Selbstwertgefühl und Einsamkeitsgefühle. Bei vielen Betroffenen liegen Essstörungen vor (s. Anorexia nervosa und Bulimia nervosa).
  • Betroffene suchen selten Unterstützung in der Familie oder bei Freunden und sprechen ihre Suizidgedanken meist nicht aus.
  • Fragen zu psychischen Problemen, Einsamkeit, Selbstwertgefühl und instabilen Familienverhältnissen können Hinweise darauf sein, dass die Person dringend Hilfe braucht.
  • Da kein zuverlässiges Screening-Instrument zur Verfügung steht, ist die Suizidgefährdung stets aufgrund von Gesprächen und guter Kenntnis der Risikofaktoren (s. o.) zu beurteilen.
    • Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto höher ist das Risiko.9

Protektive Faktoren

  • Die folgenden Faktoren können zu einer Verminderung von Suizidimpulsen beitragen, schließen aber suizidale Handlungen nicht aus:
    • starke emotionale Bindung an Personen, soziale Eingebundenheit, Hobbys
    • ethische und moralische Skrupel gegenüber einem Suizid
    • Verantwortung für Kinder
    • Gedanken und Pläne in Bezug auf die Zukunft
    • Wunsch nach Hilfe und entsprechende Initiative.

Konsultationsgrund

  • Häufig werden Patienten von Angehörigen aufgefordert, ärztliche Hilfe zu suchen.
    • bei einer Depression mit Suizidgedanken und ggf. -plänen
    • bei belastenden Lebensumständen, z. B. durch den Verlust einer nahestehenden Person, Beziehungsproblemen oder Problemen am Arbeitsplatz
  • Laut Studien hatte gut die Hälfte aller durch Suizid verstorbenen Personen im letzten Monat und 10–40 % in der letzten Woche vor dem Suizid ärztliche Hilfe in Anspruch genommen.
    • Nur 3–5 % äußerten jedoch von sich aus, nicht mehr leben zu wollen.
  • Männer mit Depressionen und Suizidgedanken nehmen häufig keine ärztliche oder psychologische Hilfe in Anspruch.10

Depression oft übersehen?

  • 10–11 % aller Patienten in Hausarztpraxen erfüllen die diagnostischen Kriterien für eine depressive Episode.
    • Damit ist die Depression die häufigste psychische Störung und die fünfthäufigste Erkrankung bei Patienten, die beim Hausarzt in Behandlung sind.
    • Deutschlandweit werden 59 % aller Depressionsdiagnosen von Hausärzten gestellt, weitere 15 % nach Überweisung vom Hausarzt zum Spezialisten.11
  • In der epidemiologischen Studie „Depression 2000“12 wurde das Diagnoseverhalten deutscher Hausärzte untersucht. Über 15.000 Patienten, die laut Fragebogen eine depressive Störung hatten, nahmen daran teil.
    • Bei etwa 1/5 der Patienten stellten die Hausärzte die definitive Diagnose einer Depression.
    • Bei etwa 1/3 hielten sie eine Depression für wahrscheinlich.
    • Bei jedem Fünften wurde eine andere psychische Störung diagnostiziert.
    • Mehr als 1/4 erhielt keine Diagnose einer psychischen Störung.12
    • Kritik an dieser und ähnlichen Studien betreffen u. a. die niedrige Spezifität der verwendeten Fragebögen sowie die Auswahl der teilnehmenden Praxen durch Vertreter der Pharmaindustrie.13
  • Näheres zur Diagnostik und Therapie depressiver Störungen im Artikel Depression

ICPC-2

  • P77 Suizid/Suizidversuch

ICD-10

  • X60-X84 Vorsätzliche Selbstbeschädigung

Differenzialdiagnosen

Anamnese

Leitlinie: Einschätzung des Suizidrisikos14

  • Suizidalität sollte bei depressiven Patienten immer direkt thematisiert, präzise und detailliert erfragt und vor dem Hintergrund vorhandener Ressourcen beurteilt werden.
  • Bei jedem Patienten mit einer depressiven Störung sollte Suizidalität regelmäßig, bei jedem Patientenkontakt klinisch eingeschätzt und ggf. exploriert werden.
  • Die Abschätzung des Suizidrisikos sollte durch Erfragen von Risikomerkmalen vorgenommen werden:
    • „Haben Sie in letzter Zeit daran denken müssen, nicht mehr leben zu wollen?"
    • „Häufiger?"
    • „Haben Sie auch daran denken müssen, ohne es zu wollen? Haben sich Suizidgedanken aufgedrängt?"
    • „Konnten Sie diese Gedanken beiseiteschieben?"
    • „Haben Sie konkrete Ideen, wie Sie es tun würden?"
    • „Haben Sie Vorbereitungen getroffen?"
    • Umgekehrt: „Gibt es etwas, was Sie davon abhält?"
    • „Haben Sie schon mit jemandem über Ihre Suizidgedanken gesprochen?"
    • „Haben Sie jemals einen Suizidversuch unternommen?"
    • „Hat sich in Ihrer Familie oder Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis schon jemand das Leben genommen?"

Wichtige Fragen

Frühere Erkrankungen und Suizidversuche?15-17

  • Bei Patienten mit psychischen Störungen ist das Risiko um das 10-Fache erhöht.
  • Frühere Suizidversuche erhöhen das Risiko für einen weiteren um das 10- bis 30-Fache.
    • Liegt bei Menschen, die bereits früher Suizidversuche unternommen haben, eine Schizophrenie vor, dann ist das Risiko für einen vollendeten Suizid laut einer schwedischen Kohortenstudie zusätzlich um das 4-Fache, bei einer Depression oder bipolaren Störung um das 3,5-Fache erhöht.17
  • Auch körperliche Erkrankungen erhöhen das Risiko.
  • In den 4 Wochen nach Entlassung aus einer psychiatrischen Einrichtung besteht bei den Betroffenen ein um das 100- bis 200-Fache erhöhtes Suizidrisiko.

Suizidgedanken und -pläne, Alarmsignale?

  • Manche Patienten erwähnen, dass sie an Suizid denken oder einen solchen planen.
  • Rund 80 % aller Personen, die einen Suizidversuch unternommen haben, machten im Vorfeld durch entsprechende Äußerungen, Nachrichten oder abweichendes Verhalten darauf aufmerksam.
  • Suiziddrohung immer ernst nehmen!
  • Aktueller Handlungsdruck?
  • Ist der Patient in der Lage, sich von seinen Suizidgedanken oder -impulsen zu distanzieren?

Suizidmethode

  • Wurde bei einem früheren Suizidversuch bereits eine harte Methode wie Erhängen oder Ersticken, Sprengstoff, Sturz aus großer Höhe oder Ertränken angewandt, dann ist das Risiko für einen vollzogenen Suizid zu einem späteren Zeitpunkt deutlich höher als nach Anwendung einer weichen Methode.18

Bindende Faktoren14

  • Fragen Sie, was den Patienten am Suizid hindert oder gehindert hat. Je mehr Gründe Patienten finden, die für das Leben sprechen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie ihre Suizidgedanken in die Tat umsetzen.
  • Äußere Faktoren, z. B.:
    • Familie
    • Kinder
    • religiöse Bindung.
  • Innere Faktoren, z. B.:
    • Hoffnung auf Hilfe
    • frühere Erfahrungen
    • Vertrauen.

Klinische Untersuchung

Erkennen einer Depression

Kriterien nach ICD-10

  • Mindestens zwei Hauptsymptome
    1. depressive Stimmung
    2. Freudlosigkeit und Verlust von Interesse
    3. Antriebslosigkeit oder schnelle Ermüdbarkeit
  • Weitere Symptome
    • eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit
    • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
    • Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle
    • von Traurigkeit geprägte, pessimistische Zukunftsperspektive
    • Planung oder Ausführung von Selbstverletzungen oder Suizid
    • Schlafstörungen
    • Ab- oder Zunahme des Appetits

Fragebogen

  • Um Personen mit einer depressiven Störung zu identifizieren, kann zur Ergänzung der Diagnostik ein psychometrischer Fragebogen eingesetzt werden.
  • Sehr einfach ist der Zwei-Fragen-Test:
    1. „Waren Sie in den vergangenen Wochen niedergeschlagen und deprimiert und haben oft das Gefühl gehabt, dass alles hoffnungslos ist?“
    2. „Haben Sie in den vergangenen Wochen oft das Gefühl gehabt, dass Sie das, was Sie tun, nicht interessiert oder es Ihnen keine Freude bereitet?“

Erkennen einer bipolaren affektiven Störung

  • Wechsel von manischen und depressiven Episoden
    • manisch: gehobene, expansive oder gereizte Stimmung
    • depressiv: gedrückte Stimmung, Interesse- und Antriebslosigkeit
  • Näheres s. Artikel Bipolare affektive Störungen

Erkennen einer Psychose

Erkennen einer Persönlichkeitsstörung

Körperliche Erkrankungen

  • Bei einer schweren körperlichen Erkrankung können veschiedenen Faktoren zu einem erhöhten Suizidrisiko beitragen. Dabei sind z. B. folgende Fragen bedeutsam:
    • Chronisch?
    • Belastende Symptome, z. B. Schmerzen, Atemnot, Übelkeit?
    • Erkrankungsbedingte Behinderungen: körperlich, psychisch, sozial?
    • Prognose, Heilungschancen?

Maßnahmen und Empfehlungen

Suizidprävention – 4 Hauptaspekte14

  1. Gesprächs- und Beziehungsangebot
  2. Diagnostik von Suizidalität einschließlich Risikofaktoren
  3. Klärung und Regelung der aktuellen Situation
  4. Therapieplanung unter Berücksichtigung der Suizidgefahr

Gesprächs- und Beziehungsangebot14

  • Zuwendungsangebot
    • Stellen Sie einen geeigneten Raum und genügend Zeit zur Verfügung.
  • Emotionale Bindung
    • Unterstützen Sie die Patienten dabei, ihree Emotionen wahrzunehmen und mitzuteilen.
  • Beruhigen.
    • Wirken Sie beruhigend auf die Patienten ein, z. B. indem Sie versichern, dass Hilfe möglich ist.
  • Suizidalität ansprechen.
    • Sprechen Sie die Patienten offen und direkt auf das Thema Suizidalität an und nehmen Sie die Reaktionen und Mitteilungen ernst.
  • Dramatisierung und Bagatellisierung vermeiden.
  • Bindende Faktoren (s. o.)
  • Zukunftsorientierung
    • Vermittlung von Hoffnung, Hilfe und Chancen auf Veränderung
    • konkretes Therapieangebot
  • Gesprächsvereinbarung
    • Vereinbaren Sie mit den Patienten konkret einen regelmäßigen Gesprächskontakt: direkt oder telefonisch, Uhrzeit und Ort.
  • Behandlungssetting klären (ambulant, stationär, teilstationär).

Nach einem Suizidversuch oder bei aktueller Suizidalität

  • Kontakt zum Patienten herstellen und ihm freundlich begegnen.
  • Die tatsächliche und ggf. symbolische Bedeutung der Situation für die betroffene Person verstehen.
  • Die Gefahr (weiterer) suizidaler Handlungen nach Möglichkeit rechtzeitig erkennen.
  • Ängste nehmen.
  • Die Gesprächsführung stets auf die jeweils akutesten Aspekte konzentrieren.
  • Stellung nehmen
    • zu den Problemen der Betroffenen
    • zu deren internen Ressourcen
    • zur den verfügbaren äußeren Ressourcen (soziales Netz, Hilfsangebote).
  • Dokumentieren, auf welche Angebote die betroffene Person außerhalb der Einrichtung zurückgreifen kann oder ob eine Krankenhauseinweisung erforderlich ist.

Indikationen zur Überweisung

  • Bei Vorliegen folgender Faktoren sollte der Kontakt zu einer psychiatrischen Praxis oder einem im Umgang mit Suizidgefährdeten erfahrenen Kriseninterventionsteam hergestellt werden:
    • Personen, die bereits einen Suizidversuch unternommen haben.
    • Personen, die aktiv einen Suizid planen.

Krankenhauseinweisung 

  • Bei manchen Patienten kann eine Krankenhauseinweisung erforderlich sein.
    • Ein entsprechender Beschluss sollte möglichst in Zusammenarbeit mit einem Arzt, Therapeuten oder Kriseninterventionsteam gefasst werden, die Erfahrung im Umgang mit Suizidgefährdeten haben.
  • Faktoren, die stark nahe legen, dass eine Klinikaufnahme notwendig
    ist:14
    • Notwendigkeit einer medizinischen Versorgung nach einem Suizidversuch
    • Notwendigkeit eines intensiven psychiatrischen Managements (z. B. bei psychotischer Symptomatik oder einer therapieresistenten Depression)
    • mangelnde Absprachefähigkeit
    • Die Etablierung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung und eine Krisenintervention gelingen nicht und der Patient bleibt trotz initialer Intervention suizidal.
    • Für eine ambulante Behandlung hat der Patient zu wenig psychosoziale Unterstützung.
  • Auf einen Suizidversuch folgt häufig die Aufnahme in ein Allgemeinkrankenhaus:
    • Hier ist es wichtig, Patienten zu motivieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, mit Psychiatern, Psychotherapeuten oder anderen im Umgang mit Suizidgefährdeten erfahrenen Fachkräften zu sprechen.
    • Auch wenn viele Patienten das Krankenhaus rasch wieder verlassen möchten, stellt die unmittelbar auf den Suizidversuch folgende Zeit einen günstigen Ausgangspunkt für den Patienten dar, seine Lebenssituation zu überdenken und Veränderungen einzuleiten.
  • Als Element der Krisenintervention
    • Auch wenn kurzzeitige Therapien oder Klinikaufenthalte nicht ausreichen, um die der Suizidalität zugrunde liegende psychische Störung zu behandeln, sind sie Bestandteil eines weiter gehenden Risikomanagementplans für eine chronisch suizidale Person im Sinne einer Krisenintervention.14
  • Zwangseinweisung?
    • Die Zwangseinweisung in eine psychiatrische Abteilung stellt einen erheblichen Eingriff in die persönliche Freiheit und Integrität von Patienten dar.
    • Bisher ist nicht durch kontrollierte Studien belegt, dass Zwangshospitalisierungen Suizide verhindern können.
  • Näheres zur Indikation s. Leitlinienkasten

Leitlinie: Indikationen zur Überweisung14

  • Psychiater
    • Bei Suizidalität ist die Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie angezeigt, wenn in anderen therapeutischen Settings (z. B. Hausarzt, ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut) kein ausreichendes spezifisches Krisenmanagement möglich ist oder eine Klinikeinweisung abzuklären ist.
    • Bei akuter Suizidgefährdung und fehlender Absprachefähigkeit bis zum nächsten vereinbarten Termin sollen die Patienten unter Berücksichtigung der individuell erforderlichen Sicherheitskautelen notfallmäßig in psychiatrische Behandlung überwiesen werden (IV/A).
  • Krankenhaus
    • Eine stationäre Einweisung sollte für suizidale Patienten unbedingt erwogen werden (Ib/B),
      • die akut suizidgefährdet sind.
      • die nach einem Suizidversuch medizinischer Versorgung bedürfen.
      • die wegen der zugrundeliegenden depressiven Störung einer intensiven psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung bedürfen.
      • wenn eine hinreichend zuverlässige Einschätzung des Weiterbestehens der Suizidalität anders nicht möglich ist.
      • wenn die Etablierung einer tragfähigen therapeutischen Beziehung nicht gelingt und die Person trotz initialer Behandlung akut suizidal bleibt.
  • Zwangseinweisung
    • Bei Suizidgefahr und fehlender Behandlungsbereitschaft ist es notwendig, eine Krankenhauseinweisung gegen den Willen des Patienten zu erwägen.
      • Rechtsgrundlage sind die Unterbringungsgesetze oder Psychisch-Kranken-Gesetze (PsychKGs) der einzelnen Bundesländer und das Betreuungsgesetz.
      • Maßnahmen nach einem Unterbringungsgesetz oder PsychKG können dann ergriffen werden, wenn eine Person psychisch krank, geistig behindert oder suchtkrank ist, wenn im Rahmen der Krankheit die Gefahr besteht, dass sie sich selbst oder anderen Schaden zufügt und wenn diese Gefahr nicht auf andere Weise abzuwenden ist.
      • Bei akuter schwerer Suizidalität und fehlender Behandlungsbereitschaft ist in der Regel Eile geboten.

Auftreten gegenüber Patienten

  • Es ist wichtig, dass Ärzte im Kontakt mit Patienten, die Suiziddrohungen aussprechen oder bereits Suizidversuche begangen haben, Folgendes vermitteln:
    • Respekt gegenüber den Patienten
    • wohlwollender emotionaler Kontakt
    • geschützter Raum.
  • Näheres s. Abschnitt Gesprächs- und Beziehungsangebot

Selbstverletzendes Verhalten

  • Ärzte sollten Personen mit selbstverletzendem Verhalten mit Mitgefühl, Respekt und Wertschätzung begegnen; dies gilt insbesondere in Situationen, in denen solche Personen sich in Lebensgefahr bringen.
  • Bei Personen, die nach einer selbstverletzenden Handlung ärztliche Hilfe suchen, ist eine Beurteilung der physischen und psychischen Gesundheit, der sozialen Umstände und des Risikos erneuter selbstverletzender Handlungen erforderlich.
  • Personen, die wiederholt selbstverletzende Handlungen vornehmen, sollte die Vorstellung bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater angeboten werden. Oft ist eine Fortführung der Behandlung über mehr als 6 Monate erforderlich.
  • Therapeut und Patient gemeinsam
    • Erarbeiten eines Risiko- und Krisenplans, in dem gefährdende und schützende Faktoren zusammengestellt werden.
    • Therapieplanung
  • Ggf. Schweigepflichtentbindung gegenüber nahestehenden Personen
  • Falls interdisziplinäre Maßnahmen erforderlich sind, ist eine hauptverantwortliche Person zu ernennen.

Angehörige

  • Auch Personen, deren Familienangehörige, Freunde oder Patienten Suizid begangen haben, brauchen Unterstützung und Hilfe.
  • In vielen größeren Städten kann man sich in einem solchen Fall an eine psychiatrische Ambulanz, suizidprophylaktische Notdienste oder andere Stellen wenden. (s. auch Abschnitt Beratung, Information und Hilfe)

Kinder

  • In Bezug auf Kinder von Eltern mit einer psychischen oder Abhängigkeitserkrankung, die bereits Suizidversuche unternommen haben, ist besondere Wachsamkeit geboten.
  • Mögliche negative Auswirkungen bei den Kindern der Betroffenen:14,19-20
    • erhebliche Verunsicherung
    • evtl. Vernachlässigung
    • verlangsamte motorische und psychisch-kognitive Entwicklung
      • Schulprobleme
      • Verhaltensauffälligkeiten
      • verringertes Selbstwertgefühl
  • Regionale Anlaufstellen über die Initiative für Kinder psychisch kranker Eltern Netz und Boden

Psychotherapie

  • Die Studienlage zur suizidpräventiven Wirkung psychotherapeutischer Strategien ist begrenzt.
  • Positive Ergebnisse zu Ansätzen, die spezifische, auf die Suizidalität gerichtete problemlösende und einsichtsorientierte Strategien beinhalten:14,21-22
    • kognitive Verhaltenstherapie
    • Problemlösetherapie
    • psychodynamische Kurzzeittherapie
    • intensive Nachbetreuung mit regelmäßigem Kontakt.

Leitlinie: Psychotherapie bei Suizidalität14

  • Als kurzfristiges Ziel von Kriseninterventionen oder Psychotherapie bei akuter Suizidalität soll eine intensive Kontaktgestaltung und eine aktive unmittelbare Unterstützung und Entlastung des Patienten bis zum Abklingen der Krise angestrebt werden.
  • Eine tragfähige therapeutische Beziehung kann bei suizidgefährdeten Patienten per se suizidpräventiv wirken.
  • Bei suizidgefährdeten Patienten mit einer depressiven Episode sollte eine Psychotherapie angeboten werden, die zunächst auf die Suizidalität fokussiert (Ia/B).

Pharmakotherapie

Leitlinie: Pharmakotherapie bei Suizidalität14

  • Antidepressiva
    • Zur speziellen akuten Behandlung der Suizidalität sollten Antidepressiva nicht eingesetzt werden (Ib/B).
    • Sie können jedoch bei suizidalen depressiven Patienten zur Depressionsbehandlung im Rahmen der allgemeinen Empfehlungen eingesetzt werden (Ib/C).
    • Bei einem suizidalen Patienten soll die Auswahl von Antidepressiva hinsichtlich ihres Nutzen-Risiko-Verhältnisses (Pharmaka mit Letalität in hoher Dosis, Agitationssteigerung in der Frühphase) abgewogen werden.
  • Lithium
    • In der Rezidivprophylaxe bei suizidgefährdeten Patienten soll zur Reduzierung suizidaler Handlungen (Suizidversuche und Suizide) eine Medikation mit Lithium in Betracht gezogen werden (Ia/A).
  • Benzodiazepine
    • Eine Akutbehandlung (möglichst < 14 Tage) mit einem Benzodiazepin kann bei suizidgefährdeten Patienten in Betracht gezogen werden (Ib/C).
  • Antipsychotika
    • Bei suizidgefährdeten Patienten mit einer depressiven Episode mit psychotischen Merkmalen sollte die antidepressive Medikation mit einem Antipsychotikum ergänzt werden (IV/B).

Nachsorge

  • Eine Suizidgefährdung hält oft über viele Jahre an.
    • Laut einer Beobachtungsstudie an Patienten, die Ende der 1970er-Jahre wegen eines Suizidversuchs in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, war die Suizidrate auch 20 Jahre danach noch erhöht.23
    • Nach dem ersten Suizidversuch ist die allgemeine Lebenserwartung laut einer schwedischen Beobachtungsstudie sowohl bei bei Männern als auch Frauen deutlich verkürzt.24 
      • Männer: um 10 bis 18 Jahren kürzere Lebenserwartung
      • Frauen: um 8 bis 11 Jahren kürzere lebenserwartung.

Leitlinie: Verlaufskontrolle14

  • Eine Nachuntersuchung von Patienten, die wegen Suizidalität stationär aufgenommen wurden, soll kurzfristig, maximal eine Woche nach Entlassung, geplant werden, da in der Zeit nach der Entlassung das Risiko für weitere suizidale Handlungen am höchsten ist.
  • Patienten, die wegen Suizidalität stationär behandelt wurden und einen Termin zur Nachuntersuchung nach Entlassung nicht wahrnehmen, sollen unmittelbar kontaktiert werden, um das Risiko für einen Suizid oder Selbstverletzungen abzuschwächen und abzuschätzen.

Patienteninformationen

Patienteninformationen in Deximed

Beratung, Information und Hilfe

Quellen

Leitlinien

  • DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression. S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression, 2. Auflage, 2015. Version 3. doi:10.6101/AZQ/000277. www.awmf.org

Literatur

  1. Wolfersdorf M, Kaschka WP (Hrsg.): Suizidalität – Die biologische Dimension. Berlin: Springer 1996.
  2. Erlemeier N, Wirtz M, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Suizidalität und Suizidprävention im Alter. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer 2002.
  3. Fiedler G. Suizide pro 100.000 Einwohner im Jahre 2013 nach Lebensalter. Nationales Suizid-Präventionsprogramm. Letzter Zugriff: 27.10.2017. www.suizidpraevention-deutschland.de
  4. Zahl P-H, De Leo D, Ekeberg Ø, Hjelmeland H, Dieserud G. The relationship between sales of SSRI, TCA and suicide rates in the Nordic countries. BMC Psychiatry 2010; 10: 62. PubMed
  5. Schmidtke A, Schaller S. Suizidalität. In: Escher G (Hrsg.), Ballaschk K. Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie bei Kindern + Jugendlichen. Stuttgart, New York: Thieme 2008
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Autoren

  • Thomas M. Heim, Dr. med., Wissenschaftsjournalist, Freiburg
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln
  • Danuta Wasserman, professor i psykiatri och suicidologi, NASP, Karolinska institutet
  • Olav Thorsen, specialist i allmänmedicin, Klubbgaten legesenter, Stavanger
  • K Gunnar Götestam, professor, Psykiatrisk institutt, Norges teknisk-naturvitenskapelige universitet, Trondheim