Flugreisen und Medikamente – das sollten Sie beachten

Wer mit dem Fugzeug verreist, sollte sich auch in Bezug auf die eigene Gesundheit gut vorbereiten. Ansonsten gesunde Personen können im Reiseland unerwartet mit Krankheiten konfrontiert werden; hier ist eine eigene geeignete Reiseapotheke oft sehr hilfreich. Wer regelmäßig Medikamente benötigt, ist gut beraten, sich rechtzeitig vor der Reise darüber zu informieren, welche Formulare sie/er braucht, damit beim Zoll keine Probleme wegen der mitgebrachten Präparate auftreten.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Empfehlungen für alle Reisende

qr-code_39413.png

Grundsätzlich ist es für Personen ohne bestehende Erkrankung natürlich einfacher, auch weite Strecken mit dem Flugzeug zurückzulegen und in ferne Länder zu reisen als für chronisch kranke Menschen. Auch in ersterem Fall ist es aber sinnvoll, sich rechtzeitig vor Reisebeginn über möglicherweise sinnvolle oder notwendige Impfungen sowie andere gesundheitsrelevante Themen (Hygienestandard, ärztliche Versorgung) für das jeweilige Reiseland zu informieren (z. B. bei Gesundheitsämtern, Tropeninstituten, Ärzten für Reisemedizin). 

Da im Ausland Verletzungen, Erkältungen, Reisedurchfall oder auch andere Krankheiten auftreten können, die zunächst einmal auch selbst behandelt werden können, ist eine Reiseapotheke oft hilfreich. Vor Ort kann es schwierig sein, schnell die geeigneten Mittel zu erhalten (Öffnungszeiten und Verfügbarkeit von Apotheken, Sprachbarriere etc.). Im Allgemeinen sollte eine Reiseapotheke folgende Medikamente bzw. Hilfsmittel enthalten (Vorschlag):

  • Medikamente gegen Reisekrankheit (gegen Übelkeit)
  • Medikamente gegen (leichte bis mittlere) Schmerzen, evtl. auch als Fiebersenker: z. B. Ibuprofen, Paracetamol
  • Medikamente gegen Erkältung, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen
  • Medikamente gegen Sodbrennen, Magenschmerzen
  • Medikamente gegen Bauchkrämpfe
  • Medikamente gegen Durchfall
  • Medikamente gegen Augenentzündungen
  • Medikamente/Salben gegen Prellungen, Zerrungen
  • Spray/Salben zur Desinfektion und Pflege oberflächlicher Hautverletzungen/-wunden
  • Spray/Netz gegen Moskitos
  • Salben/Medikamente gegen Insektenstiche (gegen Juckreiz und Schwellung) 
  • Verbandsmaterial, Pflaster (Blasenpflaster), elastische Binden, sterile Kompressen, Einmalhandschuhe, Pinzette.

Diese Mittel können Sie mit dem Reisegepäck aufgeben, dann haben Sie keine Probleme bei den Sicherheitskontrollen des Handgepäcks. Üblicherweise werden solche Medikamente für den „alltäglichen“ Gebrauch auch bei den Sicherheitskontrollen nicht beanstandet; um ganz sicher zu gehen, können Sie sich von einer Ärztin/einem Arzt bestätigen lassen, dass diese Medikamente für die entsprechende Reise und Person bestimmt sind (siehe Ärztliches Attest).

Personen mit (chronischen) Krankheiten

Für Personen mit einer Erkrankung ist zunächst anzuraten, sich einige Wochen vor Reisebeginn ärztlich untersuchen und darüber beraten zu lassen, ob eine Flugreise und der Aufenthalt in dem gewünschten Reiseland vertretbar sind, und welche vorbeugenden Maßnahmen ggf. zu beachten sind. Personen, die vor Kurzem einen Herzinfarkt oder eine schwere Infektion erlitten haben, ist z. B. erst nach Ablauf einiger Wochen eine Flugreise zu empfehlen. Auch Personen mit chronischen Lungenkrankheiten sollten ggf. bestimmte Regeln beachten. Durch die Besonderheiten beim Fliegen (Luftdruck, Sauerstoffversorgung, enger Raum ohne Bewegungsfreiheit, ggf. abrupte Bewegungen des Flugzeugs) verschlechtern sich die Beschwerden mancher Krankheiten (oder sie treten dadurch erstmals auf).

Wenn Sie normalerweise regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Sie diese im Handgepäck und im aufgegebenen Gepäck verteilt mitführen, wenn Sie mit dem Flugzeug verreisen. Da auch im Gepäckraum moderner Flugzeuge in der Regel keine Minusgrade erreicht werden, sind die Medikamente üblicherweise auch dort sicher. So sind Sie abgesichert, falls Gepäck verloren geht. Ratsam ist es, etwas mehr an Medikamenten mitzunehmen als für die geplante Reise notwendig ist, damit eine ungeplante Verzögerung der Reise kein Problem darstellt. Sie sollten sich nicht darauf verlassen, im Reiseland die entsprechenden Medikamente in gleicher Qualität oder Ausführung kaufen zu können.

Bei Flügen innerhalb von Deutschland oder Europa werden Medikamente für den Eigenbedarf in der Regel bei der Sicherheitskontrolle nicht beanstandet. Aber um sicher zu sein, dass es keine Probleme gibt und grundsätzlich für Flüge in weiter entfernte Länder ist es zu wichtig, alle verordneten Medikamente auf einer Liste aufzuführen und diese ärztlich bestätigen zu lassen. Ein entsprechendes Formular in 4 Sprachen, das sich hierfür nutzen lässt, ist auf der Homepage des ADAC zu finden. Am besten ist es, wenn die Ärztin/der Arzt die Dauer der Reise sowie für jedes Medikament die genaue Dosis angibt. Es ist zudem empfehlenswert, Ihre Medikamente in den Originalverpackungen mit Beipackzettel mitzuführen.

Für Betäubungsmittel (etwa Medikamente zur Beruhigung oder bei Schlafstörungen), starke Schmerzmittel und Psychopharmaka gelten bei der Einführung in manche Länder sehr strenge Richtlinien. In solchen Fällen ist es sinnvoll, sich vorab genau zu informieren und sich ggf. eine Sondererlaubnis einzuholen. In manchen Ländern ist die Einfuhr solcher Medikamente ebenso wie Drogen komplett verboten bzw. sehr stark einschränkt. Informationen sind über das Auswärtige Amt oder auch die Botschaften der entsprechenden Länder in Deutschland zu erhalten. Ein Formular, auf dem der Arzt bestätigen kann, dass die Einnahme von Betäubungsmitteln verordnet wurde, findet sich auf der Homepage des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Flugreisen und Flughäfen

Im Folgenden finden Sie einige Fragen, die für Personen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen oder eingeschränkter Mobilität relevant sein könnten.

Hilfeleistungen am Flughafen

Flughäfen haben in der Regel einen Assistenzdienst für Passagiere mit medizinischen Beschwerden oder Behinderungen. Dieser Service kann vor Antritt einer Reise angefordert werden, sodass Sie die notwendige Unterstützung erhalten.

Hilfe für körperlich eingeschränkte Passagiere, speziell angepasste Mahlzeiten und zusätzlicher Sauerstoff während des Flugs können bereitgestellt werden, wenn die Fluggesellschaft rechtzeitig (mindestens 48 Stunden vor Abflug) informiert wird.

Sicherheitskontrolle

Herzschrittmacher/implantierte elektrische Geräte

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Metalldetektor Herzschrittmacher oder andere implantierte Geräte beeinflussen könnte, wird betroffenen Patienten in der Regel eine Sicherheitskontrolle mit ausschließlich manueller Kontrolle angeboten (ohne einen Metalldetektor zu verwenden).

Reisende haben bezüglich der manuellen Kontrolle in der Regel bestimmte Rechte; bitte fragen Sie im Einzelfall das Personal:

  • Die manuelle Kontrolle muss so schonend wie möglich durchgeführt werden.
  • Reisende können verlangen, dass die manuelle Kontrolle in geschlossenen Räumen durchgeführt wird.
  • Reisende können verlangen, dass die manuelle Kontrolle durch eine Person gleichen Geschlechts durchgeführt wird.
  • Reisende können verlangen, dass während der Durchsuchung eine weitere Person anwesend ist.

Passagiere haben ebenfalls die Möglichkeit, die Kontrolle zu verweigern; dies bedeutet jedoch, dass der Zugang zum Sicherheitsbereich (zur Abflughalle) verweigert wird.

Metallimplantat

Metallimplantate können einen Alarm des Metalldetektors auslösen. Wenn ein Alarm ausgelöst wird, wird eine manuelle Durchsuchung durchgeführt, um den Grund für den Alarm zu klären und sicherzustellen, dass die Reisenden keine verbotenen Gegenstände mit sich führen.

Medikamente

Flüssige Medikamente an Bord

Flüssigkeiten, die aus medizinischen Gründen notwendig sind und während der Reise benutzt werden, dürfen im Handgepäck mitgeführt werden.

Die Passagiere sollten sicherheitshalber auf Aufforderung einen Beleg dafür vorlegen können, dass die flüssigen Medikamente aus medizinischen Gründen notwendig sind. Es ist daher ratsam, ein Rezept, einen durch das entsprechende medizinische Personal ausgestellten Beleg oder Ähnliches (am besten auch in englischer Sprache; siehe Ärztliches Attest) mitzuführen. 

Behältnisse für Medikamente dürfen mehr als 100 ml enthalten. Flüssigkeiten, die aus medizinischen Gründen erforderlich sind, sind vom Flüssigkeitsverbot befreit und im Handgepäck erlaubt. Es ist daher nicht erforderlich, diese in Behältern mit einem Volumen von maximal 100 ml zu transportieren, und sie müssen nicht in verschließbaren, durchsichtigen Plastikbeuteln mitgeführt werden.

Medikamente für mehrere Monate

Die Vorschriften erlauben es, flüssige oder andere Medikamente mitzuführen, die medizinisch notwendig sind und während der Reise verwendet werden. „Während der Reise“ umfasst die gesamte Reise, nicht nur die Flugreise. Unter „notwendig“ wird ein medizinisch begründeter Bedarf verstanden, aufgrund dessen die Gesundheit während der Reise ohne diese Medikamente gefährdet wäre. Dies gilt zum Beispiel für verschreibungspflichtige Medikamente. Alle Arzneimittel sollten in der Originalverpackung mitgeführt werden.

Wenn Sie beabsichtigen, sich lange im Ausland aufzuhalten, gelten die folgenden Einschränkungen: Für Reisen gilt in der Regel ein Zeitraum von maximal 3 Monaten bzw. die entsprechende Dosis an Medikamenten. Benötigen Sie Medikamente für einen längeren Zeitraum, ist es sinnvoll sich vorab zu informieren. Je nach Reiseziel gelten unterschiedliche Bestimmungen.

Medikamente, die gekühlt werden müssen

Zur Kühlung verschreibungspflichtiger Medikamente dürfen Sie z. B. Trockeneis im Handgepäck mitführen, bei vielen Fluglinien bis zu 2,5 kg. Wird Trockeneis (Kohlendioxid in fester Form) verwendet, darf das Handgepäckstück nicht luftdicht schließen (das gasförmige Kohlendioxid muss entweichen können). Wird das Trockeneis aufgegebenen Gepäck transportiert, muss es als Trockeneis (Dry Ice) oder als Kohlendioxid in fester Form (Carbon Dioxide, Solid) gekennzeichnet sein; des Weiteren muss das Gewicht von maximal 2,5 kg ablesbar sein. Für den Transport von Trockeneis muss in der Regel  im Voraus die Erlaubnis der Fluggesellschaft eingeholt werden.

Besonderheiten bei der Ernährung

Flüssigkeiten, welche Reisende aufgrund von besonderen Ernährungsbedürfnissen benötigen, sind von den Sicherheitsbestimmungen befreit. Die betreffende Person muss auf Aufforderung in der Lage sein, den besonderen Bedarf plausibel zu machen; eventuell wird sie gebeten, eine kleine Menge des Medikaments auf die Haut zu streichen oder einzunehmen.

Besondere Ernährungsbedürfnisse sollten medizinisch gerechtfertigt sein; das bedeutet, dass die Gesundheit der betreffenden Person ohne das entsprechende Produkt bedroht wäre. Sportgetränke und Trainingszusätze unterliegen daher den üblichen Flüssigkeitsbeschränkungen.

Desinfektionsmittel oder Desinfektionstücher

Kleine Mengen (maximal 100 ml) von alkoholhaltigen Pflegeprodukten sind in der Regel erlaubt; übersteigt der Alkoholgehalt jedoch 70 % und/oder ist das Produkt als leicht entzündlich gekennzeichnet, kann es zu Problemen kommen. Im Handgepäck sind grundsätzlich Behälter mit einem Volumen von je maximal 100 ml in einem transparenten Plastikbeutel mit einem Volumen von maximal 1 Liter erlaubt.

Desinfektionstücher zählen nicht als Flüssigkeit und müssen in der Regel auch nicht gesondert vorgezeigt werden.

Die Fluggesellschaften empfehlen spezielle Behälter für den Transport von Flüssigkeiten. Einige Fluggesellschaften haben eigene Regeln aufgestellt, die strenger als die oben genannten sind. Kontaktieren Sie Ihre Fluggesellschaft, um weitere Informationen zu erhalten.

Einfuhr von Medikamenten zurück nach Deutschland

Auch wenn Sie im Urlaub Medikamente, Heilmittel oder sonstige medizinisch zu verwendende Mittel erworben haben, sollten Sie sich darüber informieren, ob Sie diese bei der Einreise nach Deutschland einführen dürfen. 

Diabetes

Erkrankungen wie Diabetes, chronische Lungen- oder Herzkrankheiten, die Neigung zu Thrombosen und viele andere erfordern meist zusätzliche Anpassungen vor Antritt der Reise. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt rechtzeitig beraten. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen