Urlaubsreisen und sexuell übertragbare Krankheiten

Knapp 10 % Auslandsreisender gaben in einer Umfrage an, während des Urlaubs sexuelle Kontakte mit einem neuen Partner gehabt zu haben. Häufig wird dabei kein Kondom verwendet. Dies bedeutet ein Risiko für zahlreiche sexuell übertragbare Krankheiten. Daher gilt: Safer Sex – auch im Ausland!

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Das Risiko, sich beim Geschlechtsverkehr im Urlaub mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken, nimmt durch die Verfügbarkeit neuer sexueller Kontaktmöglichkeiten, schnelle Partnerwechsel, fehlenden Kondomgebrauch und erhöhten Alkoholkonsum zu.

Alkohol schränkt das kritische Urteilsvermögen ein. Und dann passiert es schnell, dass aus einer zufälligen Begegnung mehr wird. Doch vor allem in Urlaubsorten und größeren Städten mit einem regen Tourismus besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr.

Erhöhtes Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten

Das Risiko, sich bei einem One-Night-Stand mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken, ist im Ausland oft höher als zu Hause. Die häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten sind Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis, Herpes, Filzläuse, Genitalwarzen (Feigwarzen), Hepatitis B und HIV. Beim Geschlechtsverkehr mit Einheimischen in tropischen und subtropischen Regionen besteht zudem das Risiko, sich mit selteneren Geschlechtskrankheiten anzustecken.

Verschiedene Untersuchungen haben einen Einblick in die Thematik gegeben. Es hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der Einwohner von Industrieländern vorrangig Sex mit Personen aus anderen Industrieländern hat. 25 % der Personen, die sich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt hatten und in den vorausgegangenen drei Monaten im Ausland gewesen waren, gaben an, während ihrer Reise sexuellen Kontakt mit einem neuen Partner gehabt zu haben, und zwei Drittel räumten ein, dabei nicht immer ein Kondom verwendet zu haben. Eine andere Studie hat gezeigt, dass 32 % der befragten Medizinstudenten im Urlaub bereits einmal Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner hatten; knapp die Hälfte hatte dabei kein Kondom benutzt. Am höchsten ist das Risiko der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit bei Sextourismus, wenn ungeschützter Sex praktiziert wird.

Kondome

Ob jemand ein Träger von Krankheitserregern ist, sieht man ihm normalerweise nicht an. Das einzige Mittel, das – abgesehen vom Verzicht auf Sex – einen gewissen Schutz bietet, sind Kondome. Nur die wenigsten Länder verkaufen Kondome so offen wie in Skandinavien. Und im Ausland werden häufig auch nicht die gleichen Ansprüche an Qualität gestellt. Experten empfehlen deshalb, Kondome von zu Hause mitzunehmen. Allerdings schützt ein Kondom nicht in jedem Fall: Reißt es ein, können Krankheitserreger sich natürlich trotzdem ausbreiten. Zudem gibt es Keime, die sich in der Haut im Genitalbereich aufhalten, also nicht nur im Sperma oder der Scheidenflüssigkeit. Vor diesen schützt bei Intimkontakt ein Kondom nicht. Auch für Erreger, die sich sowohl über Sexualkontakte als auch übers Blut übertragen, bietet das Kondom nur beschränkten Schutz, falls es beim Geschlechtsverkehr versehentlich zu Kontakt mit offenen, blutenden Wunden kommt. Letzteres geschieht jedoch in der Regel eher beim gemeinsamen Gebrauch von z. B. Spritzen beim Drogenmissbrauch.

Weitere Empfehlungen

Um das Risiko der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit einschätzen zu können, sollten Sie bestimmte Dinge über Ihr Urlaubsziel wissen und außerdem einige Verhaltensregeln beachten:

  • Wie verbreitet sind Geschlechtskrankheiten und HIV in der Region, in die Sie reisen möchten? Je häufiger sie sind, desto mehr Vorsicht ist geboten!
  • Was hoch ist das Risiko von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen? Halten Sie sich abends und nachts von dunklen und menschenleeren Orten fern, wenn Sie keine Begleitung haben!
  • Bestimmte Orte bzw. Milieus sind berüchtigt dafür, dass es immer wieder vorkommt, dass Getränke mit Rauschmitteln (z. B. ) versetzt werden. Solche Stoffe schränken Ihre Fähigkeit ein, sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren. Seien Sie vorsichtig!
  • Genießen Sie Alkohol in Maßen.
  • Lassen Sie sich gegen Hepatitis B impfen, falls Sie einen längeren Aufenthalt in einer Region planen, in der ein erhöhtes Risiko einer solchen Infektion besteht.
  • Tragen Sie stets ein Kondom bei sich!

Suchen Sie einen Arzt auf

Wenden Sie sich umgehend an einen Arzt, falls Sie (nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr) bei sich Ausfluss, Hautausschlag, Hautwunden, kleine Hautgeschwüre im Genitalbereich, am After oder auch im Bereich des Mundes, Juckreiz, geschwollene Lymphknoten oder ein Brennen beim Wasserlassen feststellen. Eine Chlamydieninfektion kann sich auch durch Bauch-/Rückenschmerzen äußern. Versuchen Sie nicht, sich selbst mit Antibiotika zu behandeln, denn die verschiedenen Erkrankungen erfordern jeweils besondere Maßnahmen.

Einige dieser Infektionen lassen sich sehr gut mit Antibiotika behandeln, andere sind hartnäckig und benötigen eine sehr lange Therapie. Manche Infektionen, wie HIV, bleiben chronisch bestehen und sind unheilbar.

Infektionen mit bestimmten dieser Erreger verlaufen ohne Beschwerden; die Infizierten können jedoch trotzdem andere Personen anstecken. Insofern kann es ratsam sein, sich nach einer Urlaubsreise, während der man ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, vorsorglich untersuchen zu lassen.

Zu den möglichen sexuell übertragbaren Infektionen gehören (Auswahl):

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tourismus und STD. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Wagenlehner FME, Brockmeyer NH, Discher T et al. Klinik, Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 11-22, www.aerzteblatt.de
  2. Rogstad KE. Sex, sun, sea and STIs: sexually transmitted Infektion acquired on holiday. BMJ 2004; 329: 214-7. PubMed
  3. O'Mahony C. Take a chance. Sex Transm Infect 2003; 79: 261. PubMed
  4. Wellings K, MacDowall W, Catchpole M, Goodrich J. Seasonal variations in sexual activity and their implications for sexual health promotion. JR Soc Med 1999; 92: 60-4. PubMed
  5. Robert-Koch-Institut. Sexualkontakte auf Reisen und Sextourismus. In: Gesundheitsprobleme bei Fernreisen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2001, Heft 02/01. www.gbe-bund.de
  6. Gillies P. HIV related risk behaviour in UK holiday makers. AIDS 1992; 6: 339-40 PubMed
  7. Finney H. Contraceptive use by medical students whilst on holiday. Fam Pract 2003; 20: 93. PubMed
  8. International Union against Sexually Transmitted Infections (IUSTI). 2016 European guideline on donovanosis. Stand 2016. www.iusti.org
  9. Robert-Koch-Institut. Granuloma inguinale (Donovanosis, Granuloma venereum). In: Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Stand 2011. edoc.rki.de
  10. BfArM: Fluorchinolone: Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von möglicherweise dauerhaften und die Lebensqualität beeinträchtigenden Nebenwirkungen 16.11.18. www.bfarm.de
  11. Robert-Koch-Institut. Europäisches Forschungsnetzwerk zu HTLV-Infektionen (HERN). In: Epidemiologisches Bulletin 21/2000. www.rki.de
  12. Bäurle A. HTLV-1 - Das vergessene Virus. Ärzte Zeitung online, 11.07.2018. www.aerztezeitung.de
  13. Deutsche STI-Gesellschaft e. V. (DSTIG) – Ges. z. Förderung der Sexuellen Gesundheit. Diagnostik und Therapie der Gonorrhoe. AWMF-Leitlinie Nr. 059-004, Klasse S2k, Stand 2018. www.awmf.org
  14. Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG). Sexuell übertragbare Infektionen (STI) – Beratung, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinie Nr. 059-006, Klasse S2k Stand 2018. www.awmf.org
  15. Rogstad KE, Bramham L, Lowbury R, Kinghorn GR. Use of a leaflet to replace verbal pre-test discussion for HIV: effects and acceptability. Sex Transm Infect 2003; 79: 243-5 PubMed
  16. Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. HIV-Infektion, postexpositionelle Prophylaxe. AWMF-Leitlinie Nr. 055-004, Klasse S2k, Stand 2018. www.awmf.org
  17. Auswärtiges Amt, Gesundheitsdienst. Maßnahmen nach HIV-Exposition - Post-Expositions-Prophylaxe (PEP). Informationen für Beschäftigte und Reisende. Stand: 03/2019 www.auswaertiges-amt.de