Tollwut

Die Tollwut ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Die Erkrankung wird durch Tierbisse übertragen, und wird man von einem infizierten Tier gebissen, besteht ein hohes Risiko, sich auch tatsächlich mit Tollwut anzustecken.

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Tollwut – Was ist das?

Die Tollwut (lateinisch: Rabies) ist eine sehr schwere Virusinfektion, die bei Tieren und Menschen eine fast immer tödliche Gehirnentzündung oder Lähmungen verursacht. Das Tollwut-Virus ist in weiten Teilen der Welt verbreitet und kommt insbesondere bei Hunden, Katzen, Fledermäusen, Füchsen und Nagetieren häufig vor. Diese Tiere können das Virus an den Menschen weitergeben (Zoonose).

Die Erkrankung wird über den Speichel übertragen. Wird ein Mensch von einem infizierten Tier gebissen, besteht ein hohes Risiko, sich mit Tollwut anzustecken. Ein infiziertes Tier ist oft krank und verhaltensauffällig. Aber auch scheinbar gesunde Tiere können Überträger der Krankheit sein. Die Erreger können beispielsweise im Maul eines Tieres vorkommen, das mit einem erkrankten Tier oder Kadaver in Kontakt gekommen ist. Die Viren können auch über eine offene Wunde, die mit infiziertem Speichel in Kontakt kommt, in den Körper gelangen.

Weltweit sterben jährlich bis zu 60.000 Menschen an den Folgen der Tollwut. Die meisten Fälle treten in Afrika und Asien auf. Die Krankheit ist jedoch auch in Teilen Europas zu beobachten. Deutschland gilt offiziell als tollwutfrei. Der letzte Tollwutfall in Deutschland trat im Februar 2006 bei einem Fuchs in der Nähe von Mainz auf.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Infektionen durch Fledermäuse zugenommen. In Europa (auch in Deutschland) gibt es neben dem Fuchs auch ein Tollwutvirusreservoir bei Fledermäusen, die Viren können durch einen Biss auf Menschen übertragen werden.

Symptome

In der Regel vergehen zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der Symptome 3–8 Wochen. In Ausnahmefällen kann es bis zum Ausbruch auch über ein Jahr dauern. Zu Beginn der Erkrankung wird die Haut im Bereich der Bissstelle häufig taub und schmerzhaft. Zusätzlich können Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit auftreten. Anschließend entwickeln sich innerhalb von Stunden oder Tagen Symptome einer Gehirnentzündung wie Muskelschwäche, Krampfanfälle, Halluzinationen und innere Unruhe. Im weiteren Verlauf kommt es zu schmerzhaften Krämpfen im Kehlkopf, was unter anderem dazu führt, dass die Patienten kein Wasser zu sich nehmen können. Die Speichelproduktion nimmt deutlich zu. In etwa 20 % der Fälle treten schwere Lähmungen auf.

Nach einem Biss muss die Behandlung umgehend eingeleitet werden, um erfolgreich zu sein. Sind bereits Symptome aufgetreten, ist die Erkrankung nahezu unheilbar, und fast alle Patienten versterben innerhalb weniger Tage.

Vorbeugung

Die wichtigste Maßnahme besteht darin, Bisse von infizierten Tieren zu verhindern (Expositionsprophylaxe). Da nie mit Sicherheit gesagt werden kann, ob ein Tier infiziert ist oder nicht, sollten Sie in Gebieten, in denen die Tollwut vorkommt, stets Abstand von Säugetieren halten. Dies gilt vor allem für Tiere, die verhaltensauffällig sind, wie z. B. unruhig oder aggressiv. Das Infektionsrisiko ist am größten, wenn das Tier bereits an Tollwut erkrankt ist.

Hunde und Katzen, die als Haustiere gehalten werden, sollten gegen Tollwut geimpft werden.

Grundsätzlich ist auch eine Übertragung der Krankheit durch gesunde Tiere möglich, wenn diese mit einem erkrankten Tier oder Kadaver in Kontakt gekommen sind. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie nicht mit dem Speichel von Tieren wie zum Beispiel Hunden in Berührung kommen, die dem Virus ausgesetzt gewesen sein könnten. Gelangen Viren in offene Wunden oder Risse in der Haut, kann die Krankheit auch ohne einen Biss übertragen werden.

Menschen, die einen längeren Aufenthalt in Asien, Afrika oder Südamerika planen, sollten gegen Tollwut geimpft werden. Dies gilt auch für Menschen, die in Kontakt mit Fledermäusen kommen. Die Tollwutimpfung bietet einen wirksamen Schutz und besteht aus 3 Dosen, die innerhalb von 28 Tagen verabreicht werden. Eine Auffrischimpfung wird alle 2–5 Jahre empfohlen.

Bei Urlaubsreisen in Risikoregionen (hohes Tollwutvorkommen, streunende Hunde etc.) mit entsprechendem Expositionsrisiko (z. B. Trekkingtouren etc.) sollte eine Impfung erwogen werden. Es empfiehlt sich, vor Reiseantritt eine professionelle Beratung aufzusuchen.

Akutbehandlung

Die Behandlung soll vor dem Auftreten von Symptomen beginnen, um die Entwicklung der Erkrankung zu verhindern.

Wurden Sie in einer Region mit Tollwut von einem Säugetier gebissen, sollten Sie die Wunde sehr gründlich mit Wasser, Seife und Alkohol oder Jod reinigen und anschließend verbinden. Es ist wichtig, dass Sie nach Bissverletzungen oder Kratzwunden sowie Kontakt von Schleimhäuten oder Wunden mit Speichel umgehend eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen, um abklären zu lassen, ob eine Behandlung mit einem Impfstoff oder einem speziellen Immunglobulin notwendig ist.

Eine rechtzeitige Behandlung vor dem Auftreten von Symptomen kann lebensrettend sein. Dies gilt auch für Personen, die geimpft wurden. Nach einem Biss werden Personen, die nicht geimpft sind, mit Antikörpern und einer vollständigen Impfung behandelt. Bei geimpften Personen ist eine Auffrischungsimpfung ausreichend.

Nach Möglichkeit sollte das Tier, von dem Sie gebissen wurden, einige Zeit unter Beobachtung gestellt werden, um feststellen zu können, ob Tollwutsymptome auftreten. Werden derartige Symptome beobachtet, sollte das Tier umgehend getötet und nach Möglichkeit von einem Tierarzt untersucht werden. Ist das Tier auch 10 Tage nach dem Biss noch gesund, ist es unwahrscheinlich, dass es infiziert war.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tollwut (Rabies). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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