Die Behandlung von Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)

Eine Kombination aus regelmäßiger Bewegungstherapie und Einnahme von Medikamenten erzielt bei den meisten Patienten mit Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) gute Effekte, kann sich aber sehr zeitaufwändig und schwierig gestalten. Die Behandlung sollte in Absprache mit Ärzten und Physiotherapeuten entwickelt werden.

Teilen Sie diese Patienteninformation

QR-Code

Fotografieren Sie diesen QR-Code mit Ihrem Smartphone

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind die Behandlungsziele?

Die Behandlung von Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) zielt darauf ab, Schmerzen und Steifigkeit zu lindern, die Gelenkentzündungen zu reduzieren, Fehlstellungen vorzubeugen, eine Verschlechterung des Allgemeinzustands zu verhindern und den Patienten zu ermöglichen, ihre gewohnten Aktivitäten fortzusetzen.

Was können Sie selbst tun?

Das Wichtigste bei der Behandlung von Morbus Bechterew ist der Beitrag, den Sie selbst leisten können. Regelmäßige körperliche Aktivität ist in der Therapie von entscheidender Bedeutung. Dadurch wird die Gefahr von Steifigkeit und Schmerzen im Rücken verringert. Sie sollten in regelmäßigem Kontakt mit Physiotherapeuten stehen, die Ihnen Ratschläge dazu geben, welche Übungen durchgeführt werden sollten.

Die ersten Übungen sollten Sie bereits am Morgen ausführen, vorzugsweise nach einer warmen Dusche. Übungen für den Rücken sind besonders wichtig, vor allem Dehnübungen und Beweglichkeitstraining. Auch regelmäßige Atemübungen sind sehr wichtig, um Steifigkeit im Brustkorb zu verhindern. Schwimmtraining in einem beheizten Becken ist eine ausgezeichnete Aktivität für Patienten mit Morbus Bechterew.

Sie sollten sich eine geeignete Körperhaltung bei der Arbeit angewöhnen. Ideal sind Berufe mit hoher körperlicher Aktivität und häufig abwechselnden Körperhaltungen. Langes Sitzen in derselben Position sollten Sie vermeiden.

Besuchen Sie auch Schulungsprogramme, Patientenorganisationen und/oder Selbsthilfegruppen.

Wegen der Gefahr von Infektionen der Lunge und von reduzierter Lungenkapazität ist es äußerst wichtig, dass Patienten mit Morbus Bechterew auf das Rauchen verzichten.

Welche Medikamente können verwendet werden?

Schmerzmittel

Die medikamentöse Therapie von Morbus Bechterew dient in erster Linie der Linderung von Schmerzen. Am häufigsten werden sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verwendet, die entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener NSAR. Zur Behandlung von Morbus Bechterew werden insbesondere NSAR mit Langzeitwirkung eingesetzt. Wenn sie abends eingenommen werden, ergibt sich eine gute Wirkung während der gesamten Nacht, und der Effekt auf die Steifigkeit und Schmerzen hält auch noch am nächsten Morgen an. Infrage kommen z. B. Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen unter Berücksichtigung der jeweiligen Nebenwirkungen und Vorerkrankungen.

Die Liste möglicher Nebenwirkungen von NSAR ist lang, aber ernste Probleme kommen selten vor. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Sehstörungen. NSAR können auch eine negative Wirkung auf Leber und Nieren haben. Zudem können NSAR zu einer erhöhten Säureproduktion und verringerten Schleimproduktion im Magen führen, was Magengeschwüre und schwere Magenblutungen zur Folge haben kann. Bei Menschen, die über eine längere Zeit NSAR einnehmen müssen, kann die zusätzliche Einnahme von Medikamenten, die vor Magengeschwüren schützen, sinnvoll sein (Protonenpumpenhemmer, wie Omeprazol und Pantoprazol). Patienten, die Geschwüre oder Blutungen im Magen oder eine Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe haben, sollten keine NSAR einnehmen. Patienten mit Blutgerinnungsstörungen, Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sollten Vorsicht walten lassen; während der letzten drei Schwangerschaftsmonate wird von der Einnahme von NSAR abgeraten.

Selektive Cyclooxygenase-2-Hemmer (COX-2-Hemmer), wie z. B. Celecoxib, können ggf. eine weniger starke Wirkung auf den Magen haben, und die Gefahr von Magengeschwüren und Blutungen ist etwas geringer. Allerdings erhöhen diese Medikamente das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weshalb bei diesen Mitteln auch Vorsicht geboten ist.

Bei Entzündungen von Gelenken oder Sehnenansätzen kann lokal Kortison gespritzt werden.

In manchen Fällen können stärkere entzündungshemmende Arzneimittel verwendet werden, vor allem dann, wenn andere Gelenke als die Wirbelsäule von der Entzündung betroffen sind. Zu diesen Mitteln gehört beispielsweise Sulfasalazin, das u. a. auch zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt wird. Für diese Behandlung sind Fachärzte der Rheumatologie zuständig.

Biologika

Haben Betroffene eine sehr aktive Form des Morbus Bechterew, gibt es weitere Therapiemöglichkeiten mit Arzneimitteln, die entzündungsfördernde Botenstoffe (z. B. Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha)) hemmen. Diese relativ neue Gruppe biologischer Wirkstoffe (Biologika) mindert die Krankheitsaktivität und kann ein Fortschreiten des Morbus Bechterew verzögern oder verhindern. Biologika dämpfen das Immunsystem. Das ist therapeutisch erwünscht, allerdings bringt die Behandlung eine erhöhte Infektionsgefahr mit sich. Es ist mit den behandelnden Ärzten abzuwägen, ob und zu welchem Krankheitszeitpunkt eine Biologika-Therapie sinnvoll ist.

Bewegungstraining

Bewegungstraining ist die wichtigste Komponente bei der Behandlung aller Patienten. Eine Sammelstudie zeigte, dass Bewegungstherapie hilfreich ist, aber es ist nicht klar, welches spezifische Behandlungsprotokoll am besten befolgt werden sollte. Training im Wasser kann das allgemeine regelmäßige Bewegungstraining ergänzen. 

Als Intensivprogramm können eine Physiotherapie und ein Aufenthalt in Thermen und Heilbädern sinnvoll sein. Ein Heilverfahren („Kur“) kann sowohl als Reha-Maßnahme oder als Präventivmaßnahme beantragt werden.

Der wichtigste Faktor ist, dass Patienten Übungen und Trainingsmethoden von Physiotherapeuten erlernen, die sie regelmäßig selbstständig ausführen können.

Auch manuelle Therapie kann durchgeführt werden, um eine Verbesserung der Wirbelsäulenbeweglichkeit und eine verbesserte Körperhaltung zu erreichen.

Chirurgische Behandlung

Ein chirurgischer Eingriff kann in seltenen Fällen notwendig sein, z. B. wenn schwere Fehlstellungen der Wirbelsäule vorliegen. Die Operationen sind jedoch häufig mit großen Risiken verbunden. Einige Patienten profitieren davon, wenn steife und zerstörte Gelenken operativ durch Prothesen ersetzt werden, z. B. bei Hüftgelenksarthrose.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Lohnstein M, Eras J, Hammerbacher C. Der Prüfungsguide Allgemeinmedizin - Aktualisierte und erweiterte 3. Auflage. Augsburg: Wißner-Verlag, 2018.
  2. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Axiale Spondylarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen. AWMF-Leitlinie Nr. 060-003. S3, Stand 2018. www.awmf.org
  3. Ward MM, Deodhar A, Akl EA, et al. American College of Rheumatology/Spondylitis Association of America/Spondyloarthritis Research and Treatment Network 2015 Recommendations for the Treatment of Ankylosing Spondylitis and Nonradiographic Axial Spondyloarthritis. Arthritis Rheumatol. 2015. doi: 10.1002/art.39298 DOI
  4. McVeigh CM, Cairns AP. Diagnosis and management of ankylosing spondylitis. BMJ 2006; 333: 581-5. PubMed
  5. Braun J et al. (1998). Prevalence of spondylarthropathies in HLA-B27 positive and negative blood donors. Arthritis Rheum 41(1):58–67. www.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Bakland G, Nossent HC, Gran JT. Incidence and prevalence of ankylosing spondylitis in Northern Norway. Arthritis Rheum 2005; 53: 850-5. PubMed
  7. Kataria RK, Brent LH. Spondyloarthropathies. Am Fam Physician 2004; 69: 2853-60. PubMed
  8. Brown MA. Breakthroughs in genetic studies of ankylosing spondylitis. Rheumatology (Oxford) 2008;47:132-137. academic.oup.com
  9. Kim TH, Uhm WS, Inman RD. Pathogenesis of ankylosing spondylitis and reactive arthritis. Curr Opin Rheumatol 2005; 17: 400-5. PubMed
  10. Rudwaleit M, van der Heijde D, Landewé R, et al. The development of Assessment of SpondyloArthritis international Society classification criteria for axial spondyloarthritis (part II): validation and final selection. Ann Rheum Dis 2009; 68: 777-83. doi: 10.1136/ard.2009.108233 DOI
  11. Van der Linden S, Valkenburg HA, Cats A. Evaluation of diagnostic criteria for ankylosing spondylitis: a proposal for modification of the New York criteria. Arthritis Rheum 1984; 27: 361-8. PubMed
  12. Stolwijk C, van Tubergen A, Castillo-Ortiz JD, Boonen A. Prevalence of extra-articular manifestations in patients with ankylosing spondylitis: a systematic review and meta-analysis. Ann Rheum Dis 2015; 74: 65. pmid:23999006 PubMed
  13. Karberg K, Zochling J, Sieper J, et al. Bone loss is detected more frequently in patients with ankylosing spondylitis with syndesmophytes. J Rheumatol. 2005; 32(7): 1290-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  14. O'Neill TW, Bresnihan B. The heart in ankylosing spondylitis. Ann Rheum Dis 1992; 51(6): 705-6. www.ncbi.nlm.nih.gov
  15. Feldtkeller E, Khan MA, van der Heijde et al. Age at disease onset and diagnosis delay in HLA-B27 negative vs. positive patients with ankylosing spondylitis. Rheumatol Int 2003; 23: 61-6. PubMed
  16. Yu W, Feng F, Dion E, Yang H, Jiang M, Genant HK. Comparison of radiography, computed tomography and magnetic resonance imaging in the detection of sacroileitis accompanying ankylosing spondylitis. Skeletal Radiol 1998; 27: 311-20. PubMed
  17. Braun J, Landewe R, Hermann KG, Han J, Yan S, Williamson P, et al. Major reduction in spinal inflammation in patients with ankylosing spondylitis after treatment with infliximab: Results of a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled magnetic resonance imaging study. Arthritis Rheum 2006; 54: 1646-52. PubMed
  18. Balint PV, Kane D, Wilson H, McInnes IB, Sturrock RD. Ultrasonography of entheseal insertions in the lower limb in spondyloarthropathy. Ann Rheum Dis 2002; 61: 905-10. PubMed
  19. Kiltz U, Rudwaleit M, Sieper J, Chenot JF et al. [German Society for Rheumatology S3 guidelines on axial spondyloarthritis including Bechterew's disease and early forms: 5 Initial diagnosis/referral strategy]. Z Rheumatol. 2014;73 Suppl 2:44-8. www.ncbi.nlm.nih.gov
  20. Dagfinrud H, Hagen KB, Kvien TK. Physiotherapy interventions for ankylosing spondylitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 1. Art. No.: CD002822. DOI: 10.1002/14651858.CD002822.pub3. www.ncbi.nlm.nih.gov
  21. van den Berg R, Baraliakos X, Braun J, et al. First update of the current evidence for the management of ankylosing spondylitis with non-pharmacological treatment and non-biologic drugs: a systematic literature review for the ASAS/EULAR management recommendations in ankylosing spondylitis. Rheumatology (Oxford) 2012; 51: 1388-96. www.ncbi.nlm.nih.gov
  22. Gonca Ince, Tunay Sarpel, Behice Durgun and Seref Erdogan. Effects of a Multimodal Exercise Program for People With Ankylosing Spondylitis. Physical therapy 2006; 86: 924-935. PubMed
  23. Cairns AP, Wright SA, Taggart AJ, Coward SM, Wright GD. An open study of pulse pamidronate treatment in severe ankylosing spondylitis, and its effect on biochemical markers of bone turnover. Ann Rheum Dis 2005; 64: 338-9. PubMed
  24. Maksymowych WP, Jhangri GS, Fitzgerald AA, LeClerq S, Chiu P, Yan A, et al. A six-month randomised, controlled, double-blind, dose-response comparison of intravenous pamidronate (60 mg versus 10 mg) in the treatment of nonsteroidal anti-inflammatory drug-refractory ankylosing spondylitis. Arthritis Rheum 2002; 46: 766-73. PubMed
  25. Dagfinrud H, Mengshoel AM, Hagen KB et al. Health status in patients with ankylosing spondylitis: a comparison with the general population. Ann Rheum Dis 2004; 63: 1605-10. PubMed
  26. Haroon N. Patients with ankylosing spondylitis have increased cardiovascular and cerebrovascular mortality: A Population-based Study. Ann Intern Med 2015; 163: 409-16. doi: 10.7326/M14-2470 DOI
  27. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V. Therapie-Überwachung. dgrh.de