Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen umfassen eine große Gruppe von Krankheiten mit der Gemeinsamkeit, dass das Immunsystem fälschlicherweise gesunde Zellen angreift, und sie sowie zugehöriges Gewebe zerstört.

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Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Im Körper existieren Zellen, die darauf spezialisiert sind, Substanzen zu bilden, die uns gegen Infektionen schützen. Diese Stoffe werden von einer bestimmten Sorte Immunzellen im Lymphgewebe produziert. Diese Substanzen werden Antikörper genannt. Antikörper übernehmen eine Reihe von Sonderfunktionen, die hier nicht im Detail erörtert werden sollen. Ihre Hauptfunktion besteht darin, den Körper gegen Mikroben wie Bakterien und Viren zu schützen. Wenn solche Mikroben in den Körper gelangen, werden sie identifiziert, und die Immunzellen produzieren Antikörper, die gezielt die eindringenden Mikroben angreifen. Zusammen mit den weißen Blutkörperchen greifen sie die Mikroben an und zerstören sie. Dieser Vorgang nimmt ein paar Tage in Anspruch. Wenn die gleichen Mikroben später in den Körper eindringen bestehen die entsprechenden Antikörper bereits, und werden in Massen produziert, um die Eindringlinge sofort zu bekämpfen.

Autoimmunerkrankungen entstehen dadurch, dass der Körper fälschlicherweise beginnt, Antikörper herzustellen, die gesunde körpereigene Zellen und gesundes Gewebe immer und immer wieder angreifen. Es gibt mehr als 80 Autoimmunerkrankungen, viele mit überlappenden Symptomen. Hier eine Liste mit einigen der gängigsten:

Das klassische Zeichen für eine Autoimmunerkrankung ist eine Entzündung, die zu Rötung, Erwärmung, Schmerzen und Schwellungen führen kann. Wie eine Autoimmunerkrankung sich bei einem Patienten bemerkbar macht, hängt vom betroffenen Körperteil ab. Wenn die Erkrankung die Gelenke befällt, wie beispielsweise bei der Arthritis, erleiden Sie Schmerzen sowie eine Versteifung des Gelenks und eine Einschränkung der Gelenkfunktion. Ist die Schilddrüse angegriffen wie bei der Thyreoiditis, führt dies zu Müdigkeit, Gewichtszunahme und Muskelschmerzen. Wenn wie bei der systemischen Sklerose, Vitiligo und dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) die Haut angegriffen wird, hat dies Ausschläge, Blasenbildung und Farbveränderungen der Haut zur Folge.

Viele Autoimmunerkrankungen sind nicht auf einen einzelnen Körperteil beschränkt. Beispielsweise wirkt sich SLE auf die Haut, Gelenke, Nieren, Herz, Nerven, Blutgefäße und andere Körperteile aus. Typ-1-Diabetes kann unter anderem Drüsen, Augen, Nieren und Muskeln befallen.

Immunsystem

Das Immunsystem ist ein Netzwerk von auf den ganzen Körper verteilten Zellen und Gewebe, die zusammenwirken, um eindringende Mikroben abzuwehren und Infektionen zu verhindern. Das System besteht aus zwei Teilen: einem dynamischen System, das ständig neue Invasoren identifiziert und eine immer umfassendere Abwehr aufbaut (hauptsächlich während der Kindheit und Jugend), indem spezifische Antikörper gebildet werden, und einem angeborenen System, das "primitivere" Prozesse steuert, die u. A. die weißen Blutkörperchen aktivieren, damit Sie Eindringlinge ohne die Hilfe von Antikörpern zerstören.

Ursache

Bis heute ist nicht genau bekannt, wie und warum solche Erkrankungen auftreten.

Wir wissen, dass einige dieser Krankheiten sich in gewissen Familien häufen, was auf eine erbliche Komponente hindeutet. Allerdings erkrankt oftmals nicht jedes Familienmitglied, was darauf hindeutet, dass ein externer Faktor nötig ist, um die Krankheit auszulösen.

Diese Art Krankheit kommt bei älteren Menschen häufiger vor, weshalb einige Forscher annehmen, dass sich die Funktion des Immunsystems mit dem Alter verschlechtert.

Ein gemeinsames Merkmal von Autoimmunerkrankungen ist das Auftreten von Entzündungen und Entzündungsreaktionen des Gewebes, die nichts von mit bakteriellen oder viralen Infektionen zu tun haben.

Es ist unklar, warum Autoimmunerkrankungen auftreten, aber es existieren plausible Hypothesen.

Symptome

Autoimmunerkrankungen können fast jeden Körperteil befallen, unter anderem Herz, Gehirn, Nerven, Muskeln, Haut, Gelenke, Lungen, Nieren, Drüsen, Verdauungstrakt und Blutgefäße.

Sie unterscheiden sich erheblich von Krankheit zu Krankheit. Ein gemeinsames Merkmal dieser Krankheitsgruppe ist, dass die Symptome von den betroffenen Organen stammen. Bei einer hämolytische Anämie bildet beispielsweise der Körper Antikörper gegen die körpereigenen roten Blutkörperchen, was zu einer Verringerung der Menge roter Blutkörperchen führt. Die Symptome sind folglich das Resultat einer Blutarmut.

Gleichermaßen stammen die Symptome anderer Autoimmunerkrankungen von den Organen, die von den Antikörpern angegriffen werden.

Diagnostik

Diagnosen von Autoimmunerkrankungen können sich schwierig gestalten, die die Symptome anfangs oft vage und diffus sind, beispielsweise eine Kombination aus Müdigkeit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und leichtem Fieber. Das Krankheitsbild ist oft auch von einer Zunahme und Abnahme der Symptome geprägt. An einem Tag können sie stark auftreten, am nächsten kann sich der Zustand wieder erheblich verbessert haben. Teilweise löst die Krankheit viel Unbehagen aus, anderntags sind die Symptome dann wieder weniger schwerwiegend oder vollständig verschwunden.

Wie bereits erwähnt, werden bei Autoimmunerkrankungen Antikörper produziert, die normalerweise gar nicht im Körper vorhanden sein sollten. Diese Antikörper und ihre Menge lassen sich in Blutuntersuchungen nachweisen. Für die meisten Autoimmunerkrankungen gibt es einen solchen diagnostischen Test.

Behandlung

Für Autoimmunerkrankungen existieren keine Behandlungen, die in der Lage sind, die Krankheit endgültig zu heilen. Es gibt jedoch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, so dass die Entzündung vermindert und die schwersten Symptome gelindert werden. Die Behandlungspläne für die verschiedenen Krankheiten variieren. 

Für weitere Informationen über die Behandlung einer spezifischen Krankheit, empfehlen wir die gezielte Lektüre über diese Krankheit.

Prognose

Im Bereich der Autoimmunerkrankungen wird intensiv geforscht, und das wachsende Verständnis der genetischen Bedingungen und Ursachen dieser Krankheitsgruppe wird zu Verbesserungen in Diagnostik und Therapie führen.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln