Polymyalgia rheumatica und Arteriitis temporalis

Polymyalgia rheumatica und Arteriitis temporalis sind zwei verwandte rheumatische Erkrankungen. Polymyalgie macht sich durch Muskelschmerzen im Schulter- und Beckenbereich bemerkbar, während Arteriitis temporalis vor allem Kopf- oder Schläfenschmerzen verursacht.

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Was ist Polymyalgia rheumatica (PMR)?

Polymyalgia rheumatica (PMR) ist eine entzündliche rheumatische Erkrankung, die schwer zu diagnostizieren ist, da sich die Symptome von Patient zu Patient stark unterscheiden können. Die typischsten Merkmale der Krankheit sind:

  • Beschwerden und Schmerzen in den Muskeln und Gelenken beider Schultern, beider Hüften, manchmal sowohl in beiden Schultern als auch in beiden Hüften
  • deutliche morgendliche Steifheit, die mindestens 45 Minuten andauert
  • allgemeine Krankheitserscheinungen (bei etwa 30–50 % der Patienten) wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber
  • die meisten weisen eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) auf, die Erkrankung kann aber auch bei normaler Blutsenkung vorliegen
  • es kommt zu einer schnellen Besserung der Symptome, wenn Kortisonpräparate verabreicht werden, oft schon innerhalb von Stunden.

Arteriitis temporalis (AT)  ist eine Entzündung der Blutgefäße (eine sogenannte Riesenzellarteriitis), die am häufigsten die Schläfenarterie (A. temporalis) betrifft, aber auch andernorts im Körper vorkommt. Es wird vermutet, dass PMR und AT verschiedene Formen der gleichen Krankheit darstellen. Sie haben einige Symptome gemeinsam und weisen ähnliche Entstehungsmechanismen auf.

Krankheitsentwicklung

Die Krankheit entwickelt sich oft über einige Tage bis Wochen, die Entwicklung kann aber manchmal auch über mehr als einen Monat gehen. Häufig klagen Patienten über Fieber, Unwohlsein, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und allgemeine Muskelschmerzen die ein paar Tage andauern.

Bei der Polymyalgia rheumatica (PMR) klagen Patienten meist über Schmerzen und Steifheit in den Schultern und/oder Hüften, manchmal auch im Nacken, in den Oberarmen und Oberschenkeln. Morgensteifigkeit ist ein typisches Symptom. Diese ist oft so ausgeprägt, dass die Betroffenen Probleme haben, aus dem Bett zu kommen, sich anzuziehen und ihre Arme über den Kopf zu heben. Einige erleben auch leichte Gelenkentzündungen in Knien und Knöcheln. Neben Schmerzen in den betroffenen Körperteilen können auch Muskelschwäche oder erhöhte Muskelermüdung auftreten.

Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 16.000 bis 40.000 Menschen an dieser Erkrankung (20–50 Neuerkrankungen/100.000 Einwohner). PMR tritt meistens nach dem 50. Lebensjahr auf. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Häufigkeit beider Erkrankungen steigt mit dem Alter.

Einige Patienten leiden gleichzeitig an PMR und AT. 40–60 % der Patienten mit Arteriitis temporalis zeigen auch Symptome der Polymyalgie. 20–40 % der Patienten mit Polymyalgie zeigen Gewebeveränderungen wie bei AT, obwohl sie keine Symptome für die Krankheit aufweisen.

Ursachen

Beide Erkrankungen sind wahrscheinlich auf eine Entzündung der Arterienwände (Arteriitis) zurückzuführen. Der Grund, weshalb diese Entzündung auftritt, ist nicht genau geklärt, es wird davon ausgegangen, dass Antikörper gegen körpereigene Strukturen gebildet werden, die dann eine Entzündung dieser Strukturen auslösen. Dies ist ein Beispiel für eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Es wird angenommen, dass sowohl äußere als auch erbliche Faktoren zur Krankheit beitragen.

Diagnostik

Wie bereits erwähnt ist eine PMR-Diagnose schwer zu stellen. Die Diagnose geht hauptsächlich von der Krankengeschichte und den Ausschluss anderer Krankheiten aus, die ähnliche Symptome verursachen können. Die folgenden Symptome sollten einen Verdacht auf die Krankheit wecken:

  • Alter über 50 Jahre und mehr als 2 Wochen andauernde Beschwerden
  • Schmerzen in beiden Schultern oder beiden Hüften, oder sowohl im Schulter- und Hüftbereich
  • Morgensteifigkeit, die länger als 45 Minuten andauert
  • in der Blutuntersuchung eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit oder andere Zeichen für eine Entzündung

Ärzte untersuchen und fragen daher spezifisch nach solchen Symptomen.

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist in der Regel erhöht, zumeist über 40. Trotzdem ist eine normale Blutsenkungsgeschwindigkeit kein Ausschlusskriterium für PMR oder AT. Bis zu 20 % der Betroffenen weisen eine normale Blutsenkungsgeschwindigkeit auf. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit normalisiert sich nach der Behandlung schnell und stellt, zusammen mit einer Verbesserung der Symptome, ein gutes Maß für die Wirksamkeit einer Behandlung dar. Der CRP-Wert ist ebenfalls allgemein erhöht, was jedoch auch bei vielen anderen Erkrankungen der Fall ist.

Behandlung

PMR kann durch Allgemeinmediziner behandelt werden, während AT stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Prednislolon wird in beiden Fällen eingesetzt, um die Entzündungen zu lindern. Da irreversible Augenschäden, die bis zu einer Erblindung reichen können, verhindert werden sollen, ist die Prednisolon-Dosis für AT oft höher. Häufig ist eine dramatische Verbesserung der Erkrankung schon wenige Stunden nach Beginn der Behandlung zu beobachten.

Die Prednisolon-Dosis muss stufenweise reduziert werden, und es ist sehr wichtig, den Anweisungen der Ärzte Folge zu leisten, um schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden. Die übliche Behandlungsdauer beträgt ca. ein Jahr. Für einige Patienten kann eine niedrig dosierte (5–10 mg) Erhaltungsbehandlung mit einem Kortisonpräparat über ein paar Jahre hinweg indiziert sein, weil die Symptome wiederkehren oder auf konstantem Niveau anhalten.

Es ist wichtig, regelmäßige Verlaufskontrollen wahrzunehmen. Bei Anzeichen von Nebenwirkungen oder neu aufgetretenen oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie sich zeitnah bei Ihrem behandelnden Arzt melden.

Da die langfristige Anwendung von kortisonhaltigen Medikamenten das Risiko für die Entwicklung von Osteoporose erhöht, muss ergänzend regelmäßig Kalzium und Vitamin D eingenommen werden. In einigen Fällen kann es notwendig sein, eine intensivere Behandlung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten anzuwenden. Körperliche Aktivität ist zudem wichtig zur Vorbeugung von Osteoporose.

Prognose

Unter Behandlung ist die langfristige Prognose sowohl bei PMR als auch bei AT gut. PMR ist eine selbstlimitierende Krankheit, die nur selten bleibende Schäden verursacht. Die Behandlung dauert dennoch lang. Bei den meisten Patienten muss die Kortisonbehandlung 1–2 Jahren durchgeführt werden. Einige werden rückfällig nachdem die medikamentöse Behandlung abgeschlossen ist, und müssen erneut mit einer einjährigen Behandlung beginnen. Manche Betroffene müssen mit einer Behandlungsdauer von bis zu fünf Jahren bei niedriger Kortisondosis rechnen.

Sowohl bei PMR als auch bei AT ist es wichtig, bei Auftreten von Kopfschmerzen, Sehstörungen oder anderen Symptomen für eine Arteriitis temporalis den Arzt sofort zu kontaktieren. Eine Entzündung der Schläfenarterie kann schnell zur Erblindung führen und auftreten, obwohl Kortisonpräparate eingesetzt werden. Dies kommt jedoch sehr selten vor.

Weitere Informationen

 Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Polymyalgia rheumatica/Arteriitis temporalis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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