Sjögren-Syndrom

Die Hauptsymptome beim Sjögren-Syndrom sind ein trockener Mund und trockene Augen.

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Was ist das Sjögren-Syndrom?

Das Sjögren-Syndrom tritt in zwei Formen auf – dem primären und dem sekundären Sjögren-Syndrom. Das primäre Sjögren-Syndrom tritt ohne andere rheumatische Erkrankungen auf und ist eine chronische Entzündung, welche die Drüsen, insbesondere die Tränendrüsen und Speicheldrüsen betrifft. Die vorherrschenden Symptome sind trockene Augen und trockene Schleimhäute, es kann aber praktisch jedes Organ im Körper von der Krankheit betroffen sein, was vielfältige Symptome zur Folge haben kann.

Das sekundäre Sjögren-Syndrom tritt bei etwa einem Drittel der Patienten mit rheumatischen Erkrankungen wie z. B. rheumatoider Arthritis auf. Auch diese Form kennzeichnet sich durch Trockenheit vor allem der Augen und des Munds.

Das primäre Sjögren-Syndrom kann bei jedem auftreten, bei etwa 90 % der Erkrankten handelt es sich jedoch um Frauen im Alter von 30–50 Jahren. Es ist derzeit nicht genau bekannt, wie häufig die Erkrankung vorkommt, Studien deuten jedoch darauf hin, dass etwa 1–2 % der Bevölkerung betroffen sind.

Symptome

Die wichtigsten Symptome sind ein trockener Mund sowie trockene Augen. Die Trockenheit der Augen kann sich wie Sand in den Augen anfühlen, es kommt zu müden und brennenden Augen und Blinzeln ist schmerzhaft. Die Augen röten sich schnell und sind empfindlich gegen Rauch und Luftzug. Zudem ermüden Sie beim Lesen schneller.

Durch die verminderte Speichelproduktion wird es schwieriger, die Zähne sauber zu halten, was das Risiko von Karies erhöht. Auch der Konsum bestimmter trockener Lebensmittel kann für Sie schwierig sein.

Bei Frauen mit Sjögren-Syndrom ist Scheidentrockenheit häufig und kann Schmerzen verursachen. Bei vielen Patienten treten zudem diffuse Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Müdigkeit auf. Weitere Beschwerden können trockene Haut, rote Hautausschläge und ein träger Darm sein. Aufgrund der reduzierten Produktion von Flüssigkeit zur Schmierung der Atemwege kommt es auch häufig zu wiederholten Atemwegsinfektionen.

Die Beschwerden treten periodisch auf und es kann viele Jahre dauern, bis sich ein so typisches Krankheitsbild herausgebildet hat, dass eine Diagnose gestellt werden kann.

Ursache

Es ist derzeit nicht bekannt, wodurch das Sjögren-Syndrom ausgelöst wird. Das Syndrom tritt in der Regel zusammen mit anderen rheumatischen Erkrankungen auf und gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Bei Autoimmunerkrankungen reagiert das körpereigene Immunsystem nicht nur auf eindringende Viren und Bakterien, sondern auch auf körpereigenes Gewebe, wodurch eine Entzündung entsteht. Die Ursachen für Autoimmunerkrankungen sind unklar, Wissenschaftler nehmen jedoch an, dass bestimmte Umweltfaktoren autoimmune Entzündungen bei Menschen, die eine genetische Prädisposition dafür haben, auszulösen können.

Die Erkrankung ist eng verwandt mit systemischem Lupus erythematodes (SLE). Es gibt Hinweise darauf, dass viele ältere Frauen, bei denen SLE diagnostiziert wird, wahrscheinlich am primären Sjögren-Syndrom leiden.

Bei 25 % aller Patienten mit rheumatoider Arthritis (Gelenkrheumatismus) liegt gleichzeitig auch das sekundäre Sjögren-Syndrom vor.

Diagnose

Die Diagnose ist schwierig zu stellen, da Symptome und Befunde diffus sind und die Hauptsymptome, Trockenheit von Mund und Augen, auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Es bestehen erhebliche Überschneidungen zwischen Sjögren-Syndrom und SLE in Bezug auf Symptome und Befunde.

Für die Diagnose Sjögren-Syndrom müssen mindestens vier der sechs folgenden Kriterien erfüllt sein, darunter mindestens eines der Kriterien fünf und sechs:

  • Trockene Augen.
  • Mundtrockenheit
  • Reduzierte Tränenproduktion, die durch einen Test (Schirmer-Test) nachgewiesen werden kann.
  • Gestörte Funktion der Speicheldrüsen, die zu wenig Speichel produzieren.
  • Gewebeproben (Biopsie) aus der Speicheldrüse zeigen die typischen Veränderungen an.
  • Antikörper, die das körpereigene Gewebe angreifen können, werden mithilfe von Blutuntersuchungen nachgewiesen.

Durch Blutuntersuchungen kann die Blutsenkung ermittelt und/oder ein CRP-Schnelltest durchgeführt werden, es können reduzierte Blutwerte sowie ein erhöhtes Niveau von Antikörpern festgestellt werden. Etwa die Hälfte der Patienten mit Sjögren-Syndrom weisen jedoch normale Werte auf.

Spezifische Tests bei Sjögren-Syndrom sind Tests der Tränenproduktion mit einem Papierstreifen oder auch umfangreichere Tests beim Augenarzt und Gewebeentnahmen (Biopsie) aus einer Speicheldrüse in der Lippe, an der unter dem Mikroskop typische Veränderungen erkennbar sind.

Therapie

Behandlung des Auges mit Augentropfen
  • Eine regelmäßige Behandlung der Augen mit künstlicher Tränenflüssigkeit hilft gegen trockene Augen. Künstliche Tränenflüssigkeit ist rezeptfrei erhältlich.
  • Mundtrockenheit kann durch Flüssigkeitsaufnahme oder die Verwendung von Kaugummis, säuerlichen Tabletten oder ähnlichem vermindert werden. Die Produkte sollten zuckerfrei sein.
  • Kaugummis, Tabletten oder Mundspülungen mit Fluorid müssen in Kombination mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta verwendet werden, um der Entstehung von Löchern vorzubeugen. Regelmäßige Zahnarztbesuche zur Kontrolle auf Karies sind wichtig.
  • Es gibt Cremes/Gleitmittel für trockene Haut und Scheidentrockenheit.
  • Bei Verstopfung können sanfte Abführmittel verwendet werden.
  • Siehe Artikel Ernährung bei Sjögren-Syndrom.

Die medikamentöse Behandlung wird durch Spezialisten für rheumatische Erkrankungen eingeleitet und kontrolliert, bei Patienten mit unkompliziertem Sjögren-Syndrom ohne Entzündung der inneren Organe kann die Behandlung dagegen problemlos durch Allgemeinmediziner erfolgen. Schmerzmittel wie Paracetamol und NSAR-Präparate werden am meisten verwendet, allerdings vertragen nicht alle Patienten NSAR. Bei schwereren Erkrankungen kommen Arzneimittel zum Einsatz, die das Immunsystem beeinflussen, so dass dieses das eigene Gewebe weniger stark angreift. Diese Medikamente werden als immunmodulierend bezeichnet. Dabei kann es sich z.B. um Cortison, Antimalariamittel oder bestimmte Arten von Chemotherapien handeln. Zweck dieser Medikamente ist es, die Schäden an den betroffenen Organen durch Unterdrückung der Entzündung zu mindern und einige bewirken zudem eine Schmerzlinderung.

Der Nachteil dieser Art von Medikament ist, dass häufig Nebenwirkungen auftreten. Daher ist es wichtig, dass regelmäßige Nachkontrollen durchgeführt werden.

Prognose

Das Sjögren-Syndrom ist in den meisten Fällen eine nicht-aggressive Erkrankung, die keine sonderlich ernsten Beschwerden oder Komplikationen auslöst. Das Risiko von Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) ist jedoch leicht erhöht.

Weitere Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sjögren-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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