Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft

Eine Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft erhöht das Infektionsrisiko für das Kind bei der Geburt.

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Genitale Chlamydien

Chlamydien (Chlamydia trachomatis) sind Bakterien, die sexuell übertragen werden und eine Infektion des Genitalbereichs verursachen können. Von der Infektion können betroffen sein:

  • der Gebärmutterhals (Zervizitis)
  • die Harnröhre (Urethritis)
  • die Gebärmutterschleimhaut (Endometritis)
  • die Eileiter und/oder die Eierstöcke (Adnexitis).

Eine Infektion mit Chlamydien kann gut und wirksam behandelt werden. Allerdings bleibt sie oft unbemerkt, da sie bei 60–90 % der Patientinnen keinerlei Beschwerden hervorruft. Da die Chlamydien-Infektion die häufigste sexuell übertragbare Krankheit darstellt – vor allem bei jungen Frauen zwischen 16 und 19 Jahren – ist die Chlamydien-Testung Teil der Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchungen.

Chlamydien-Testung als Teil der Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

Bei 1–4 % der Schwangeren besteht eine Chlamydien-Infektion. Diese kann die Schwangerschaft ungünstig beeinflussen und gefährdet Mutter und Kind. Vor allem unter der Geburt können die Bakterien auf das Kind übertragen werden und eine Augenentzündung (25 %) sowie eine Lungenentzündung (weniger als 10 %) hervorrufen. Die Augenentzündung kann im schlimmsten Fall zur Erblindung des Neugeborenen führen. In seltenen Fällen kann eine Chlamydien-Infektion auch zu Komplikationen wie einer Fehlgeburt (Abort), einem vorzeitigen Blasensprung, einer Frühgeburt, einem geringen Geburtsgewicht des Kindes und in Ausnahmefällen zu einer Totgeburt führen. Chlamydien können auch eine Reihe von Komplikationen bei der Frau selbst bedingen – unter anderem kann eine unerkannte Infektion durch die Verklebung der Eileiter eine dauerhafte Sterilität (Unfruchtbarkeit) oder bei der nächsten Befruchtung eine Eileiterschwangerschaft bedeuten.

Um dies möglichst zu verhindern und die Risiken für Mutter und Kind zu minimieren, wird bei schwangeren Frauen bei der ersten Vorsorgeuntersuchung der Urin auf Chlamydien untersucht. Hierbei ist es wichtig, Erststrahlurin, also die ersten 15–20 ml, zu sammeln, da hier die Konzentration der Erreger bei vorhandener Infektion größer ist. Eine weitere Möglichkeit, auf Chlamydien zu testen, besteht im Abstrich von Gebärmutterhals und Scheide. Hierzu wird ein kleines Stäbchen in die Scheide eingeführt und die Probe in ein Labor eingeschickt, um den Erreger nachzuweisen. Fällt das Ergebnis positiv aus, wird die Infektion mit Antibiotika behandelt. Es gibt gut verträgliche Antibiotika, die in der Schwangerschaft eingesetzt werden können. Schwangere mit einer akuten aufsteigenden Infektion sollten im Krankenhaus behandelt werden. Wichtig ist außerdem, dass die Partner mitbehandelt werden, um den sogenannten Ping-Pong-Effekt – sich gegenseitig wieder anzustecken – zu vermeiden.

Chlamydien-Screening vor einem Schwangerschaftsabbruch

Vor allem vor einem Schwangerschaftsabbruch ist es wichtig, eine Chlamydien-Infektion auszuschließen und ggf. zu behandeln. Geschieht dies nicht, kann der Schwangerschaftsabbruch bei vorhandener Infektion zu einer aufsteigenden, weiträumigen Infektion des Beckens führen, die viele Komplikationen mit sich bringen kann.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Chlamydien-Infektion, genitale bei Frauen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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