Röteln und Schwangerschaft

Bei Röteln (Rubella) handelt es sich um eine Viruserkrankung, die zu den klassischen Kinderkrankheiten mit Hautausschlag zählt. Wenn eine Schwangere mit Röteln infiziert wird, kann das Ungeborene geschädigt werden.

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Bei Röteln (Rubella) handelt es sich um eine Viruserkrankung, die zu den klassischen Kinderkrankheiten zählt. Nachdem 1974 in Deutschland die Rötelnimpfung eingeführt wurde, sind Röteln selten geworden. Dennoch werden jährlich Rötelnfälle in Europa gemeldet, was insbesondere eine Gefahr für Schwangere ohne Immunschutz gegen Röteln darstellt.

Besondere Risiken für Schwangere

Röteln zählen zu den am meisten gefürchteten Infektionen während einer Schwangerschaft. Wenn sich eine werdende Mutter ansteckt, wird das Virus über den Mutterkuchen auf das Ungeborene übertragen. Es kann dann die Organentwicklung des Ungeborenen sehr stark schädigen und zur Behinderung des Kindes führen. Nicht selten kommt es zu einer Fehlgeburt.

Eine Schädigung des Kindes durch die Rötelninfektion im Mutterleib wird als Rötelnembryopathie bezeichnet. Die Behinderung des Kindes ist umso schwerwiegender, je früher in der Schwangerschaft die Rötelninfektion auftritt. In der zweiten bis sechsten Schwangerschaftswoche werden mehr als die Hälfte der Kinder geschädigt, in der siebten bis zwölften Woche betrifft es ungefähr jedes vierte Kind, in der 13. bis 17. Schwangerschaftswoche jedes zehnte Kind.

Da die meisten gegen Röteln geimpft sind, haben  viele im gebährfähigen Alter einen bestehenden Impfschutz und können sich nicht anstecken. Nicht geimpften Frauen wird eine Impfung rechtzeitig vor der geplanten Schwangerschaft empfohlen, um vor den schwerwiegenden Folgen einer Rötelnembryopathie geschützt zu sein. 

Folgen für das Kind

Bei einer Ansteckung in der ersten Hälfte der Schwangerschaft kommt es häufig zu einer Fehlgeburt.  Die Organentwicklung des Ungeborenen wird durch das Virus gestört. Die häufigsten Fehlbildungen sind Herzfehler, Blindheit durch eine Trübung der Linse am Auge (Katarakt) und Innenohrfehlbildungen, die zur Taubheit führen. Die Kombination aus diesen Fehlbildungen wird auch Gregg-Syndrom genannt. 

Je später sich die Schwangere infiziert, desto geringer fallen die Fehlbildungen aus. Am häufigsten kommt es  im Verlauf zu einer reinen Innenohrtaubheit. Die Kinder haben bei Geburt oft ein geringeres Gewicht und sind anfälliger für Krankheiten wie Lungenentzündung und Gehirnentzündung. Sie sind meist geistig und körperlich behindert. Die Gesamtsterblichkeit der Rötelnembryopathie beträgt 15-20%, d.h fast jedes 5. während der Schwangerschaft infizierte Kind stirbt.

Diagnose

Röteln äußern sich als kleine blassrote Flecken erst im Gesicht und später am Körper. Vor Ausbruch des Hautausschlags ist das Wohlbefinden gemindert, Fieber kann auftreten und die Lymphknoten können geschwollen sein.

Wenn Sie Röteln schon einmal hatten, sind Sie in Zukunft dagegen immun. Ob Sie eine Infektion hatten, kann man mit Sicherheit nur durch eine Blutuntersuchung feststellen, denn auch andere Infektionen können einer Rötelninfektion ähneln. Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie am Besten vor der geplanten Schwangerschaft Ihr Blut untersuchen lassen.

Auch eine einmalige Impfung gegen Röteln bietet keinen ausreichenden Schutz. Lassen Sie Ihren Impfpass überprüfen und holen Sie die zweite Impfung gegen Röteln, die als Kombinationsimpfstoff zusammen mit Mumps und Masern vorliegt, gegebenfalls vor der Schwangerschaft nach. Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie Ihr Blut auf Antikörper gegen Röteln untersuchen lassen.

Sollte während der Schwangerschaft ein unzureichender Schutz festgestellt worden sein, wird empfohlen sich mit Röteln-Immunglobulin zu schützen. Dies nennt man Postexpositionsprophylaxe. Sie bietet allerdings nicht den gleichen Schutz, wie eine Impfung.

Impfstoff

Bei einem negativen Befund sind Sie nicht gegen Röteln immun. Wenn Sie die Blutuntersuchung vor der Schwangerschaft gemacht haben, können Sie sich impfen lassen und sind während der Schwangerschaft gegen Röteln geschützt. Die Impfung sollte aber mindestens drei Monate vor einer Schwangerschaft erfolgen, da man von Impfungen während der Schwangerschaft abrät. Alle Schwangeren mit einem negativen Befund in der Blutuntersuchung sollten sich nach der Geburt, in Anbetracht möglicher weiterer Schwangerschaften, gegen Röteln impfen lassen. Während der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten.  Wenn der Verdacht einer Rötelninfektion in der Umgebung besteht, sollte man sich unbedingt fernhalten.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

 

Quellen

Literatur

  1. www.rki.de

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Röteln. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Banatvala JE, Brown DWG. Rubella. Lancet 2004; 363: 1127-37.
  2. Ezike E. Pediatric rubella. Medscape, last updated Dec 18, 2014. emedicine.medscape.com
  3. European Centre for Disease Prevention and Control, Stockholm.Measles and rubella monitoring. 2016 ecdc.europa.eu
  4. Riley LE. Rubella in pregnancy. UpToDate, last updated March 06, 2014. UpToDate
  5. Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Röteln. Zugriff 8.1.2017 www.rki.de
  6. Gesellschaft für Virologie. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. AWMF-Leitlinie Nr. 093-001. Stand 2014. www.awmf.org