Streptokokken der Gruppe B bei Schwangeren und Neugeborenen

B-Streptokokken (GBS) können als Teil der normalen Bakterienflora in der Scheide, dem Enddarm und in der Mundhöhle vorkommen. Für ein von GBS-infizierten Frauen geborenes Kind besteht ein hohes Risiko, eine (lebensbedrohliche) GBS-Infektion zu entwickeln.

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Was sind B-Streptokokken?

Gruppe-B-Streptokokken (GBS) sind ein Teil der normalen Bakterienflora des Menschen. Die Bakterien kommen sowohl bei Männern als auch bei Frauen vor. In erster Linie findet man diese Bakterien im Magen- und Darmtrakt, aber sie können auch in der Mundhöhle und in der Scheide der Frau vorkommen. Schätzungsweise sind 10 % bis 30 % aller schwangeren Frauen Trägerinnen dieser Bakterien, meist ohne Beschwerden davon zu haben (asymptomatisch). Neuere Zahlen aus Deutschland zeigen eine Rate von 16 % aller Schwangeren als Träger von GBS.

Weniger als 1 % aller Schwangeren, bei denen GBS nachzuweisen sind, entwickeln Symptome und Beschwerden dieser Infektion. Bei den Frauen kann es zu einem Harnwegsinfekt, einem sogenannten Amnioninfektionssyndrom mit hohem Fieber und Unterleibsschmerzen sowie einer Infektion der Gebärmutter nach der Geburt kommen. Sehr selten entwickeln sich auch eine Infektion des Herzmuskels und/oder der Hirnhaut (Meningitis).

Wenn eine Schwangere GBS-Trägerin ist, können die Bakterien bei der Geburt auf das Kind übertragen werden. Dies geschieht in etwa der Hälfte aller Fälle der betroffenen Frauen und hängt nicht davon ab, ob die schwangere Frau selbst Beschwerden hat oder nicht. In den USA erkranken weniger als 1 von 1.000 lebendgeborenen Kindern (ca. 0,25 von 1000) an einer GBS-Infektion kurz nach der Geburt, weil in den meisten Fällen eine wirksame Therapie erfolgen kann. In Deutschland liegen die Zahlen etwas höher.1

GBS und Geburt

B-Streptokokken können als Teil der normalen Bakterienflora in der Scheide, dem Enddarm und in der Mundhöhle vorkommen. Der Verdauungstrakt ist der natürliche Bereich, in dem GBS vorkommt und auch die wahrscheinliche Quelle der Ausbreitung in die Scheide. GBS kann in der Scheide konstant, wiederholt oder auch gelegentlich vorkommen.

Es hat sich herausgestellt, dass für ein von GBS-infizierten Frauen geborenes Kind ein 25-fach höheres Risiko als bei Frauen ohne Nachweis von GBS besteht, frühzeitig eine GBS-Infektion zu entwickeln. Rund die Hälfte der Kinder von Müttern, bei denen diese Bakterien in der Scheide nachzuweisen sind, stecken sich bei der Geburt an. Insgesamt ist das Risiko für eine solche Infektion bei Neugeborenen aber niedrig.

Durch einen Abstrich aus der Scheide und dem Anus der Schwangeren lässt sich nachweisen, ob B-Streptokokken vorliegen oder nicht. 

Wie wird die Infektion übertragen?

Unter den Schwangeren sind etwa 10 % bis 30 % Träger von GBS (Nachweis in der Scheide oder im Enddarm). Die Bakterien werden dann kurz vor oder während der Geburt übertragen, entweder in der Gebärmutter, im Geburtskanal bei der normalen Geburt oder durch Direktkontakt bei/nach der Geburt. Die Bakterien können auch nach der Geburt durch den Kontakt mit dem Pflegepersonal übertragen werden.

Gute Handhygiene bei den Schwangeren und dem Krankenhauspersonal ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass keine Bakterien auf das Neugeborene übertragen werden.

GBS-Infektion bei Neugeborenen

Die GBS-Erkrankung bei Neugeborenen unterteilt man in eine frühe und eine späte Infektion. Insbesondere der frühe Ausbruch ist gefährlich und kann schnell zur Neugeborenensepsis führen (also einer Ausbreitung der Bakterien im Blut), wodurch eine Intensivbehandlung des Neugeborenen notwendig wird.

Eine frühzeitig auftretende Erkrankung zeigt sich meist während der ersten zwei Tage nach der Geburt, kann aber noch bis zum 7. Tag auftreten. Die Infektion ist auch vor der Geburt möglich, wenn Bakterien in die Gebärmutter gelangt sind. Die Ursache dafür ist meistens, dass zwischen dem Abgang des Fruchtwassers (Blasensprung) und der Geburt längere Zeit (viele Stunden) verstreicht. Die frühen Anzeichen einer GBS-Infektion beim Neugeborenen sind oft undeutlich und unspezifisch: Fieber sowie Atembeschwerden wegen einer Lungenentzündung. Auch Knochen, Hirnhäute und Gelenke können betroffen sein, was aber selten vorkommt. Eine Hirnhautinfektion (Meningitis) entsteht bei etwa 10 % der Betroffenen. Die Infektion ist potenziell lebensbedrohlich; rund 4 % der betroffenen Neugeborenen sterben daran.

Neugeborene, die eine frühe Infektion überleben, können davon Gehör- oder Sehschäden, Probleme mit der Auffassungsgabe bzw. Schäden am Nervensystem zurückbehalten.

Eine spät auftretende Erkrankung zeigt sich zwischen der 1. und 12. Woche nach der Geburt. Hier wurden möglicherweise weniger Bakterien übertragen oder die Ansteckung erfolgte erst nach der Geburt. Der Krankheitsverlauf ist in diesem Fall weniger dramatisch. Typische Anzeichen sind Fieber und Reizbarkeit; es kann sich auch eine Meningitis entwickeln.

Wer sollte untersucht werden?

Während in einigen europäischen Ländern ein Abstrich aus der Scheide und dem Anus zur Routineuntersuchung jeder Schwangeren gehört, gibt es für Deutschland unterschiedliche Empfehlungen. In einer Richtlinie wird eine solche Untersuchung im letzten Abschnitt der Schwangerschaft zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche empfohlen, in einer anderen hingegen nicht. Daher übernehmen die Krankenkassen nicht immer die Kosten für eine solche Untersuchung.

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass eine Untersuchung aller Schwangeren sicherer ist, um GBS-Infektionen beim Neugeborenen zu vermeiden, als nur die Untersuchung von Frauen mit Risikofaktoren bzw. Beschwerden.

Zeigt eine Schwangere jedoch Symptome wie einen Harnwegsinfekt oder andere Infektionen, wird in jedem Fall ein Abstrich gemacht, um ggf. B-Streptokokken nachzuweisen. Außerdem erfolgt in jedem Fall ein Abstrich mit Wattestäbchen aus Scheide und Enddarm, wenn eine Schwangere vor der 37. Schwangerschaftswoche einen Blasensprung erleidet. Es wird auch eine Urinkultur veranlasst. Lassen sich hier B-Streptokokken nachweisen, so erfolgt eine entsprechende antibiotische Therapie der Schwangeren.

Soll man GBS behandeln?

Mit einer vorbeugenden antibiotischen Behandlung der Mutter will man die eventuelle frühe Infektion eines Neugeborenen verhindern.

Die deutschen  Empfehlungen besagen, dass eine Behandlung der besonders gefährdeten Frauen die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung der Bakterienübertragung auf das Neugeborene sind. Dabei behandelt man Gebärende bei Vorliegen folgender Risikofaktoren ab Wehenbeginn bzw. nach Blasensprung mit Antibiotika:

  • Frauen, die in einer früheren Schwangerschaft eine GBS-Infektion in der Geburtsperiode hatten.
  • Frauen, bei denen in der aktuellen Schwangerschaft GBS im Urin nachgewiesen wurde.
  • Frauen, deren Geburt entweder vor der 37. Woche droht/geschieht oder bei denen frühzeitig ein Blasensprung stattfand und bis zum Wehenbeginn eine längere Zeit liegt (mehr als 18 Stunden) – auch wenn nicht bekannt ist, ob die Schwangere GBS-Trägerin ist oder nicht.
  • Infektionsanzeichen oder Fieber (ab 38 °C) bei Frauen in Verbindung mit der Geburt
  • Bei einem geplanten Kaiserschnitt ist ein Antibiotikum in der Regel nicht notwendig.

Bei der Behandlung wird ein Antibiotikum in der Zeit vor der Geburt mehrmals intravenös direkt ins Blut gegeben. Man behandelt in erster Linie mit Penicillin, kann aber bei Unverträglichkeit andere Alternativen wählen.

Bei Neugeborenen mit Zeichen einer bakteriellen Infektion ist in jedem Fall unverzüglich die Diagnostik und Therapie zu beginnen und das Neugeborene in eine Kinderklinik zur weiteren Versorgung zu verlegen.1

Weitere Informationen

Quellen

Literatur

  1. Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Prophylaxe der Neugeborensepsis- frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B. AWMF-Leitlinie Nr. 024/020. Stand 2016. www.awmf.org

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel B-Streptokokken in der Schwangerschaft. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Gemeinsamer Bundesauschuss, Mutterschafts-Richtlinien 2019. www.g-ba.de
  2. Morantz CA. Practice Guidelines. CDC Updates Guidelines for Prevention of Perinatal Group B Streptococcal Disease. Am Fam Physician 2006; 67: 1121. PubMed
  3. Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Prophylaxe der Neugeborensepsis- frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B. AWMF-Leitlinie Nr. 024/020. Stand 2016. www.awmf.org
  4. Brimil N, Barthell E, Heindrichs U, Kuhn M, Lütticken R, Spellerberg B. Epidemiology of Streptococcus agalactiae colonization in Germany. Int J Med Microb. 39-44. 2006. pmid:16361113 PubMed
  5. Edwards, MS, Nizet, V, Baker, CJ. Group B Streptococcal Infections. In: Infectious Diseases of the Fetus and Newborn Infant, 6th ed, Remington, JS, Klein, JO, Wilson, CB, Baker, CJ (Eds), Elsevier Saunders, Philadelphia 2006. p. 403.
  6. Eichenwald, EC. Perinatally transmitted neonatal bacterial infections. Infect Dis Clin North Am 1997; 11: 223. PubMed
  7. Eichenwald EC. Perinatally transmitted neonatal bacterial infections. Infect Dis Clin North Am 1997; 11: 223. PubMed
  8. Regan JA, Klebanoff MA, Nugent RP, et al. Colonization with group B streptococci in pregnancy and adverse outcome. VIP Study Group. Am J Obstet Gynecol 1996; 174: 1354. PubMed
  9. Krohn, MA, Hillier, SL, Baker, CJ. Maternal peripartum complications associated with vaginal group B streptococci colonization. J Infect Dis 1999; 179: 1410. PubMed
  10. Prevention of group B streptococcal infection in newborns: recommendation statement from the Canadian Task Force on Preventive Health Care. CMAJ 2002; 166: 928-30. Canadian Medical Association Journal
  11. Schrag S, Gorwitz R, Fultz-Butts K, Schuchat A. Prevention of perinatal group B streptococcal disease. Revised guidelines from CDC. MMWR Recomm Rep 2002; (RR-11)51: 1-22. www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Colbourn TE, Asseburg C, Bojke L, et al. Preventive strategies for group B streptococcal and other bacterial infections in early infancy: cost effectiveness and value of information analyses. BMJ 2007; 335: 655-72. British Medical Journal
  13. American College of Obstetricians and Gynecologists. ACOG committee opinion: number 279, December 2002. Prevention of early-onset group B streptococcal disease in newborns. Obstet Gynecol 2002; 100: 1405-12. PubMed
  14. Money DM, Dobson S. The prevention of early-onset neonatal group B streptococcal disease. J Obstet Gynaecol Can 2004; 26: 826-40. PubMed