Cholestase während der Schwangerschaft (Gallenstau während der Schwangerschaft)

Eine Cholestase (Gallenstau) tritt nur in der Schwangerschaft auf. Der Auslöser dafür ist unbekannt. Experten zufolge kann eine erhöhte Empfindlichkeit für hohe Östrogenspiegel während der Schwangerschaft bestehen.

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Was ist eine Schwangerschaftscholestase?

Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber gebildet. Sie wird über die Gallengänge zur Gallenblase befördert und dort gespeichert oder direkt in den Dünndarm transportiert. Im Darm spielt die Galle eine wichtige Rolle beim Fettabbau. Bei einer Cholestase (Gallenstau) schwillt die Leber an und es kommt zu einer partiellen Obstruktion der Gallengänge. Ein bestimmter Anteil der Gallenflüssigkeit gelangt somit ins Blut. Dies führt zu einer Zunahme von Gallenfarbstoffen und Gallensäuren im Blut. Diese erhöhten Mengen von Gallensubstanzen im Blut sind die direkte Ursache für den unangenehmen Juckreiz, der für diese Erkrankung typisch ist.

Häufigkeit

Die Angaben zur Häufigkeit dieser Erkrankung sind nicht gesichert, sie tritt in Deutschland jedoch nicht sehr häufig auf und ist für die Betroffene vor allem unangenehm. Die Krankheit tritt häufiger in Asien als in Europa auf.

Symptome

Typisch für den Krankheitsverlauf ist ein unnormaler und intensiver Juckreiz. Dieser Juckreiz betrifft meist den gesamten Körper. Am intensivsten ist er jedoch an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Normalerweise verstärkt sich der Juckreiz in der Nacht. Bei den meisten Schwangeren treten diese Beschwerden zum Schwangerschaftsende (im zweiten oder dritten Trimester) auf. Der Juckreiz ist nicht von einem Ausschlag begleitet. Bei etwa 10 % der Betroffenen kommt es zu einer mild ausgeprägten Gelbsucht.

Diagnose

Bei der ärztlichen Untersuchung erfolgt eine Differentialdiagnose per Blutuntersuchung, um die Cholestase von anderen mit Juckreiz einhergehenden Krankheiten während der Schwangerschaft abzugrenzen. Der Gallensäurespiegel im Blut ist deutlich erhöht. Bestimmte andere Leberwerte können ebenfalls erhöht sein.

Behandlung

Die Therapie erfolgt mithilfe von Medikamenten, die den Gallensäurespiegel im Blut senken (Ursodeoxycholsäure). Wie sich gezeigt hat, können sich dadurch Juckreiz und Blutwerte verbessern. Es konnte jedoch nicht mit Sicherheit bewiesen werden, dass diese Therapie zu einer Risikoverringerung für einen fetalen Tod führt. Forschungen zufolge ist das Medikament für Mutter und Kind sicher.

Müttern mit Cholestase werden zusätzliche Kontrollen sowie eine fetale Überwachung angeboten. Bei besonders hohen Gallensäurespiegeln kann es notwendig sein, die Entbindung zu beschleunigen. Dies erfolgt in individueller Absprache zwischen der Schwangeren und der Entbindungsstation.

Prognose

Dabei kann sich die Gefahr für einen plötzlichen fetalen Tod geringfügig erhöhen. Eine Beurteilung des Risikos im Einzelfall ist unmöglich. Insgesamt gesehen wird die Gefahr für einen plötzlichen fetalen Tod mit 0,5–3,5 % angegeben, d.h. in etwa 96,5–99,5 % der Fälle ist der Ausgang gut. Eine Frühgeburt kommt etwas häufiger vor. Die Erkrankung wirkt sich ansonsten nicht schädigend oder nachteilig auf das Kind aus.

Für die Mutter ist die Krankheit ungefährlich. Der Juckreiz nimmt ab und die Blutwerte normalisieren sich einige Tage nach der Entbindung wieder.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Intrahepatische Schwangerschaftscholestase. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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