Diabetes während der Schwangerschaft

Ein Diabetes während der Schwangerschaft betrifft Frauen mit einem Diabetes mellitus vom Typ 1 oder 2, die schwanger werden. Davon abzugrenzen ist ein Schwangerschaftsdiabetes, der bei Frauen während der Schwangerschaft auftritt, die vorher nicht an einem Diabetes erkrankt waren.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist ein Diabetes während der Schwangerschaft?

Das Krankheitsbild eines Diabetes mellitus ist durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel (Glukose) gekennzeichnet, der auf einer mangelnden Produktion und/oder Wirkweise von Insulin beruht. Ein Diabetes vom Typ 1 wird mit Insulin behandelt, während ein Diabetes vom Typ 2 in erster Linie mit einem gesunden Essverhalten und eventuell mit blutzuckersenkenden Medikamenten (Antidiabetika) therapiert wird. Im weiteren Krankheitsverlauf ist häufig auch beim Typ 2 eine Insulinbehandlung notwendig.

Von einem Diabetes in der Schwangerschaft sind Frauen betroffen, bei denen schon vorher ein Typ-1- oder Typ-2-Diabetes bekannt war. Durch hormonelle Umstellungen verändert sich die Blutzuckereinstellung während der Schwangerschaft, zudem müssen Frauen mit Diabetes, die schwanger werden möchten, einige Besonderheiten beachten, um Risiken für Mutter und Kind zu vermeiden. Abzugrenzen von einem vorbekannten Diabetes in der Schwangerschaft ist ein Schwangerschaftsdiabetes, der erst in der Schwangerschaft auftritt und mit Ende der Schwangerschaft verschwindet. Hier gelten andere Kriterien für Diagnose und Therapie, weiterhin sind andere Besonderheiten für Mutter und Kind zu beachten.

Frauen mit Typ-2-Diabetes, die bisher mit einer Ernährungsumstellung behandelt wurden, können dies unter strenger Kontrolle weiterführen, sollte die Blutzuckereinstellung jedoch nicht ausreichen, müssen sie in der Schwangerschaft mit Insulin therapiert werden. Tabletten zur Diabeteseinstellung dürfen in der Schwangerschaft nicht weiterverschrieben werden. Auch bei Patientinnen, die vor der Schwangerschaft orale Antidiabetika eingenommen haben, muss Insulin eingesetzt werden. Frauen mit Typ-1-Diabetes werden vor und während der Schwangerschaft weiter mit Insulin behandelt.

Während der Schwangerschaft verändert sich der Insulinbedarf. Vor der zwölften Schwangerschaftswoche kann sich der Insulinbedarf verringern. Zudem kann die Blutzuckerregulation durch ein Schwangerschaftserbrechen zusätzlich erschwert werden. Im zweiten Schwangerschaftstrimester ist der Insulinbedarf stabil oder steigt leicht an, während er im dritten Trimester stark zunimmt.

 Ursache

Beim Typ-1-Diabetes greift das körpereigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen (Langerhans-Inseln) der Bauchspeicheldrüse an. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Beim Typ-2-Diabetes produziert der Körper zu wenig Insulin, oder das Insulin entfaltet eine unzureichende Wirkung (Insulinresistenz). Die Schwangerschaftshormone tragen während der Schwangerschaft zu einer zunehmenden Insulinresistenz bei, und der Insulinbedarf steigt.

Symptome

Frauen mit vorbekanntem Diabetes können auch in der Schwangerschaft Symptome von Über- oder Unterzuckerung wahrnehmen, die Blutzuckereinstellung ist aufgrund der hormonellen Schwankungen jedoch oft deutlich schwieriger.

Diagnose

Der Diabetes ist der Mutter bereits bekannt. Anders als beim Schwangerschaftsdiabetes ist also kein Zuckerbelastungstest nötig und sollte nicht durchgeführt werden.

Komplikationen

Ein Diabetes während der Schwangerschaft kann sowohl für die Mutter als auch für das Kind problematisch sein. Eine unzureichende Blutzuckerkontrolle während der Schwangerschaft erhöht die Gefahr für Schäden am Herzen, an den Blutgefäßen, Nerven, Nieren und der Netzhaut des Auges. Ein niedriger Blutzuckerspiegel kann zu einer Hypoglykämie führen. Das Risiko für eine Fehlgeburt steigt in der ersten Zeit einer Schwangerschaft. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft besteht eine erhöhte Gefahr für eine Schwangerschaftsvergiftung. Bei Schwangeren mit einem Diabetes kommt es vermehrt zu einer Frühgeburt. Auch wenn ein erhöhtes Risiko für einen Tod des Kindes bei der Entbindung besteht, ist diese Gefahr mit 2 % im Vergleich zu 1 % bei Frauen ohne Diabetes nur sehr gering.

Der Fötus ist häufig sehr groß, was bei der Entbindung zu Komplikationen führen kann. Die Entwicklung der Organe des Kindes kann verzögert sein. In Einzelfällen kann ein Diabetes den Fötus in seinem Wachstum hemmen.

Ein unzureichend kontrollierter mütterlicher Typ 1- und Typ 2-Diabetes zum Zeitpunkt der Empfängnis gilt als bekannter Risikofaktor für angeborene Fehlbildungen. Verschiedenen weltweit durchgeführten Untersuchungen zufolge liegt die Gefahr für angeborene kindliche Fehlbildungen bei Schwangeren mit Diabetes bei 5–12 % . Eine korrekte Blutzuckerkontrolle um den Zeitpunkt der Befruchtung verringert die Gefahr für angeborene Fehlbildungen. Die häufigsten Fehlbildungen befinden sich am Herzen, am zentralen Nervensystem, an den Nieren und Harnwegen. Solche Fehlbildungen lassen sich mithilfe von Ultraschall etwa in der 20. Schwangerschaftswoche feststellen.

Behandlung

Auch die Gefahr für Komplikationen lässt sich mithilfe einer strikten Blutzuckerkontrolle während der Schwangerschaft vermindern. Eine Normalisierung des Langzeitblutzuckers (HbA1c) ist anzustreben. Er sollte zum Zeitpunkt der Befruchtung so dicht wie möglich am Normalwert liegen und sich im ersten Trimester der Schwangerschaft vollständig normalisieren. Ab der Schwangerschaftsplanung bis einschließlich zur zwölften Schwangerschaftswoche sollte eine Jod- und Folsäuresubstitution erfolgen. Damit wird die Gefahr für diabetesbedingte Fehlbildungen und Neuralrohrdefekte beim Kind verringert.

Die Einhaltung von Ernährungsrichtlinien wird empfohlen:

  • Mehrere kleine kohlenhydratreiche Mahlzeiten. Die Kohlenhydrate sollten 50–60 % des Energiebedarfs abdecken.
  • Zuckerhaltige Lebensmittel sollten nur in begrenzter Menge und mit den Mahlzeiten zusammen konsumiert werden.
  • Die Ernährung sollte einen mäßigen Fettgehalt aufweisen sowie reichlich Proteine, Vitamine und Mineralien enthalten. Eine ballaststoffreiche Ernährung und weniger schnellresorbierbare Kohlenhydrate (Zucker, Schokolade, Keckse, Kuchen, Softdrinks) empfehlen sich.
  • Als gute Kohlenhydratquelle gelten Vollkornprodukte wie Vollkornbrot.
  • Gemüse sollte täglich auf dem Speiseplan stehen.

Frauen mit Diabetes sollten ausgewogen körperlich aktiv sein. Da körperliche Anstrengung die Insulinempfindlichkeit erhöht, verringert sich dadurch gleichzeitig auch der Insulinbedarf.

Tabakkonsum verschlechtert die Insulinempfindlichkeit und erhöht die Komplikationsgefahr von Mutter und Kind. Auf den Genuss von Tabakwaren ist bei einem Diabetes und vor allem während der Schwangerschaft zu verzichten.

Unabhängig vom Diabetestyp muss der Blutzucker während der Schwangerschaft täglich mehrmals gemessen werden, und zwar sowohl vor als auch nach den Mahlzeiten.

Ist eine medikamentöse Behandlung erforderlich, wird in erster Linie Insulin verwendet. Tabletten gegen Diabetes sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Typ-1-Diabetikerinnen werden immer mit Insulin behandelt.

Prognose

Bei einer unzureichenden Blutzuckerregulierung einer Schwangeren mit Diabetes wird der Fötus häufig besonders groß. Die Komplikationsgefahr für Mutter und Kind sind erhöht. Da der Fötus größer ist, kann es bei der Entbindung zu Schädigungen kommen. Daher kann eine frühere Entbindung bei einem instabilen oder unzureichend kontrollierten Diabetes angeraten sein. Frauen mit Diabetes in der Schwangerschaft müssen selbst engmaschig den Blutzucker kontrollieren und in Zusammenarbeit mit ihrem Arzt sich und das Kind regelmäßig überwachen lassen. Dazu gehören auch regelmäßige Ultraschallkontrollen. Bei guter Kontrolle kann die Schwangerschaft für Mutter und Kind komplikationslos verlaufen und das Kind normal geboren werden, eine Übertragung über den Geburtstermin hinaus wird jedoch nicht empfohlen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg