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Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer kann Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft lindern.

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Ingwer (Zingiber officinale) entstammt derselben Pflanzenfamilie wie Kardamom und Kurkuma. Das Rhizom stellt den als Pflanzenheilmittel verwendeten Teil der Ingwerpflanze dar. Es handelt sich nicht um die Wurzel, sondern um den Pflanzenteil, der horizontal auf oder unmittelbar unter der Erdoberfläche wächst. Ingwer wächst vor allem in Asien und tropischen Gebieten.

Neben seiner Eigenschaft als Gewürz ist Ingwer in der Volksmedizin gegen eine Reihe von Erkrankungen wie Erkältung, Fieber, Verdauungsprobleme und als Appetitanreger eingesetzt worden. Heute wird Ingwer vorwiegend zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen verwendet1.

Zusammenfassung

  • Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Schwangerschaft oder nach Operationen.
  • Es gibt keine überzeugenden Forschungsergebnisse dafür, dass Ingwer bei Reisekrankheit wirkt.1 
  • Dosierung: 250 mg bis 1 g / ein- bis viermal täglich. 

Verwendungszwecke und Wirksamkeit

Es gibt zahlreiche Forschungsergebnisse zur Ingwer-Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft und nach Operationen, sowie bei Reiseübelkeit.

Übelkeit und Erbrechen Eine zusammenfassende Auswertung der Forschungsergebnisse (Metaanalyse) von sechs Studien mit insgesamt 675 Teilnehmern hat die Wirksamkeit von Ingwer bei morgendlicher Übelkeit in der Schwangerschaft untersucht2. Vier dieser Studien kamen zur Schlussfolgerung, dass Ingwer besser war als ein Placebo, während zwei Studien gezeigt haben, dass Ingwer genauso gut gewirkt hat wie Vitamin B6 (Pyridoxin), von dem die lindernde Wirkung auf Schwangerschaftsübelkeit nachgewiesen ist. Schädliche Wirkungen von Ingwer auf die Schwangerschaft sind nicht nachgewiesen2. Eine weitere Metaanalyse kam zu der Schlussfolgerung, dass Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft von Nutzen ist3. Ingwer kann in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung ohne Bedenken eingenommen werden.4

Die Wirksamkeit von Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen nach Operation und Narkose wurde ebenfalls in einer Metaanalyse untersucht5. Diese Analyse umfasste fünf Studien mit insgesamt 363 Patienten. Dabei wurde Ingwer eine höhere Wirksamkeit als einem Placebo attestiert.

Bei Übelkeit und Erbrechen als Folge einer Chemotherapie konnte zu der standardmäßigen Medikation, die bei durch Cisplatin ausgelöste Übelkeit zu Verwendung kommt, für Ingwer keine zusätzliche Wirksamkeit festgestellt werden6. Eine andere Metaanalyse von sechs Studien, die die Wirksamkeit von Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen ohne besondere Ursache untersuchten, konnte keine verlässlichen Schlussfolgerungen ziehen7.

Reiseübelkeit Z. B. bei Reisen mit dem Auto oder Schiff. Die Ergebnisse sind inkonsistent. Einige Studien haben gezeigt, dass Ingwer besser funktioniert als Scheinmedikamente (Placebos)8, wogegen andere Studien keine Wirksamkeit gegen Reiseübelkeit bestätigen konnten9-10.

Andere Indikationen Ingwer ist gründlich auf mögliche Wirkungen als Antioxidans, Antibiotikum, Mittel gegen Pilzinfektionen (Antimykotikum), Mittel gegen Krebs (Zytostatikum), Gicht und blutdrucksenkendes Mittel (Antihypertonikum) untersucht worden. Bislang liegen keine überzeugenden Studien am Menschen vor, die derartige Wirkungen beweisen.1

Neben- und Wechselwirkungen

Bei der Einnahme von Ingwer sind Nebenwirkungen selten, doch können sie in Form von leichtem Unwohlsein wie Sodbrennen, Durchfall und Reizungen der Mundschleimhaut11 ausgehend vom Verdauungstrakt auftreten. Patienten die Vitamin K Antagonisten (blutverdünnender Wirkstoff) einnehmen, sollten jedoch wissen, dass Ingwer den INR-Wert (Quickwert, Blutgerinnungswert) möglicherweise beeinflusst12-13 und sie von daher vorsichtig sein und den INR-Wert häufiger kontrollieren lassen sollten. Einzelfälle sind bekannt, bei denen es zu Herzrhythmusstörungen bei der Anwendung von Ingwer kam14.

Obwohl Ingwer als unbedenkliches Naturheilmittel gilt, muss weiter geforscht werden, um das Risiko von Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu klären.

Dosierung

Ingwer kann frisch oder getrocknet eingenommen werden und wird häufig als Tee oder Erfrischungsgetränk zubereitet oder beim Backen von Brot verwendet. Studien zur kritischen Untersuchung der Dosierung liegen nicht vor. In Forschungszusammenhängen kam bei den meisten Studien Ingwerpulver in Mengen von 250 mg bis 1 g in Kapselform zur Anwendung, eingenommen 1- bis 4-mal am Tag2,5,7. In Studien mit Schwangeren haben die meisten 4-mal am Tag 250 mg eingenommen2.

Das Massieren von schmerzenden Gelenken mit Ingweröl und die Inhalation von Ingwerdampf wird von einigen empfohlen, allerdings ist die Wirkung dieser Techniken nicht untersucht.

Zusammenfassung

Da viele Antiemetika Müdigkeit als Nebenwirkung haben, stellt die Verwendung von Ingwer eine sinnvolle und sichere Alternative dar bei der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft. Auch bei Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation kann Ingwer als zusätzliche Behandlung von Nutzen sein. Über andere Indikationen zur Anwendung von Ingwer liegen keine überzeugenden Forschungsergebnisse vor.

Literatur

  1. White B. Ginger: an overview. Am Fam Physician 2007; 75: 1689-91.www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Borrelli F, Capasso R, Aviello G, Pittler MH, Izzo AA. Effectiveness and safety of ginger in the treatment of pregnancy-induced nausea and vomiting. Obstet Gynecol 2005; 105: 849-56.
  3. Jewell D, Young G. Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database Syst Rev, issue 4, 2003. The Cochrane Library
  4. www.embryotox.de -Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. Informationen zu Medikamenten: Ingwer. Stand 17.6.2016.www.embryotox.de
  5. Chaiyakunapruk N, Kitikannakorn N, Nathisuwan S, Leeprakobboon K, Leelasettagool C. The efficacy of ginger for the prevention of postoperative nausea and vomiting: a meta-analysis. Am J Obstet Gynecol 2006; 194: 95-9.
  6. Manusirivithaya S, Sripramote M, Tangjitgamol S, Sheanakul C, Leelahakorn S, Thavaramara T, et al. Antiemetic effect of ginger in gynecologic oncology patients receiving cisplatin. Int J Gynecol Cancer 2004; 14: 1063-9.
  7. Ernst E, Pittler MH. Efficacy of ginger for nausea and vomiting: a systematic review of randomized clinical trials. Br J Anaesth 2000; 84: 367-71.
  8. Grontved A, Brask T, Kambskard J, Hentzer E. Ginger root against seasickness. A controlled trial on the open sea. Acta Otolaryngol 1988; 105: 45-9.
  9. Stewart JJ, Wood MJ, Wood CD, Mims ME. Effects of ginger on motion sickness susceptibility and gastric function. Pharmacology 1991; 42: 111-20.
  10. Wood CD, Manno JE, Wood MJ, Manno BR, Mims ME. Comparison of efficacy of ginger with various antimotion sickness drugs. Clin Res Pr Drug Regul Aff 1988; 6: 129-36.
  11. Altman RD, Marcussen KC. Effects of a ginger extract on knee pain in patients with osteoarthritis. Arthritis Rheum 2001; 44: 2531-8.
  12. Jiang X, Williams KM, Liauw WS, Ammit AJ, Roufogalis BD, Duke CC, et al. Effect of ginkgo and ginger on the pharmacokinetics and pharmacodynamics of warfarin in healthy subjects. Br J Clin Pharmacol 2005; 59: 425-32.
  13. Verma SK, Bordia A. Ginger, fat and fibrinolysis. Indian J Med Sci 2001; 55: 83-6.
  14. Langner E, Greifenberg S, Gruenwald J. Ginger: history and use. Adv Ther 1998; 15: 25-44.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln
  • Julia Trifyllis, Dr. med., Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Münster/W
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln