Stillen und Cannabis

Da die aktive Cannabissubstanz THC (Tetrahydrocannabinol) fettlöslich (lipophil) ist, reichert sie sich in der Muttermilch an, wenn die stillende Mutter Cannabis konsumiert. Für einen Säugling, der gestillt wird, kann dies ernsthafte Folgen haben.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Stillende Mütter sollten auf Alkohol und Drogen verzichten, da diese Substanzen in die Muttermilch übergehen. Sie können sich zudem nachteilig auf die Milchproduktion auswirken. Zudem können Alkohol und Drogen den Säugling direkt schädigen. Alle Drogen können dazu führen, dass das Neugeborene apathisch oder schläfrig wird. Konsumiert eine Mutter Drogen und/oder Alkohol, erhöht sich das Risiko Ihres Säugings für einen plötzlichen Kindstod (SIDS, Sudden Infant Death Syndrome).

Anreicherung in der Muttermilch

Cannabis gehört zu den Drogen, die nicht von stillenden Frauen konsumiert werden sollen. Die aktive und rauscherzeugende Cannabissubstanz heißt Tetrahydrocannabinol (THC). THC ist fettlöslich (lipophil) und wird daher schnell von Gehirn und Fettgewebe aufgenommen. Dies bedeutet auch, dass sich THC in der Muttermilch anreichert. Wie Muttermilchanalysen von Cannabiskonsumentinnen zeigten, ist TCH auch einige Stunden nach dem Rauchen von Hasch noch in der Muttermilch nachweisbar. 

Innerhalb des ersten Lebensjahres erfolgt beim Kind eine enorme Hirnentwicklung und ein erstaunliches Hirnwachstum. Tierversuchen zufolge verändern sich die Gehirnzellen neugeborener Tiere, die über die Muttermilch Cannabis erhalten haben. Andere Studien deuten darauf hin, dass auch Säuglinge schwere und dauerhafte Schäden davontragen, wenn ihnen über die Muttermilch Cannabis zugeführt wurde. 

Höheres Risiko für plötzlicher Kindstod (SIDS)

Ein Säugling, der über die Muttermilch Cannabis aufnimmt, zeigt häufig Anzeichen einer Sedierung und wird daher während des Stillens oder beim Füttern mit der Flasche nicht ausreichend Milch aufnehmen können. Das Risiko für den plötzlichen Kindstod (SIDS) steigt ebenfalls. Der Konsum von Cannabis kann die Muttermilchproduktion einschränken.

Stillende sollten kein Cannabis konsumieren. Im Allgemeinen sollte eine Mutter, die viel Cannabis konsumiert hat, ihr Kind nicht stillen. Kinder von Cannabiskonsumenten sind möglicherweise auch Cannabisrauch ausgesetzt. Davor ist das Kind unbedingt zu schützen.

Unter Drogen stehende Mutter – schlechtere Fürsorge

Raucht die Mutter Cannabis, kann darunter auch die mütterliche Fürsorge für das Kind leiden. Die Mutter kann einen eingeschränkten Realitätssinn aufweisen und mögliche Krisensituationen nur schwer bewältigen. Die Feinmotorik der Mutter ist nach dem Rausch eingeschränkt. Zudem kann ein erhöhtes Tiefschlafbedürfnis vorliegen. Dies kann dazu führen, dass sie nicht auf die Bedürfnisse des Kindes reagiert.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med. Bremen