Stillen und Rauchen

Rauchen während der Stillzeit schädigt den Säugling in vielfacher Hinsicht.

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Rauchen während der Stillzeit schädigt den Säugling in vielfacher Hinsicht.

Das im Tabakrauch enthaltene Nikotin geht rasch in die Muttermilch über. Bis sich der Nikotingehalt in der Muttermilch halbiert hat, vergehen rund 90 Minuten.

Die Auswirkungen des Rauchens auf das Kind lassen sich allerdings schwer genau messen. Kinder von Raucherinnen, die über die Muttermilch Nikotin erhalten, sind darüber hinaus oft auch durch das Passivrauchen Nikotin ausgesetzt. Da der Passivrauch nicht gefiltert wird, enthält er sogar mehr Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid und viele andere zum Teil krebserregende Substanzen als der Rauch, der über die Zigarette inhaliert wird.

Theoretisch ist es möglich, dass das gestillte Baby einer sehr starken Raucherin Symptome einer Nikotinvergiftung entwickelt. Zu den Symptomen zählen: Erbrechen nach dem Essen, eine graue Hautfarbe, weicher Stuhl, erhöhter Puls und Unruhe. Allerdings ist dies allein durch Einatmen von Rauch bzw. über die Aufnahme von Nikotin über die Muttermilch sehr selten. Ein größeres Risiko besteht, wenn die Babys ins Krabbelalter kommen und Zigaretten oder volle Aschenbecher finden und die Kippen in den Mund stecken und schlucken. Besonders gefährlich sind in Wasser aufgelöste Zigarettenreste (z. B. der Aschenbecher draußen nach einem Regenguss), da sich das Nikotin im Wasser leicht löst. 

Erhöhte Gefahr für Koliken, Unruhe, Wachstumsstörungen und andere Erkrankungen

Kinder von stillenden Raucherinnen schreien in der Regel häufiger und sind unruhiger als Kinder, die von Nichtraucherinnen gestillt werden. Bei diesen Kindern besteht auch ein erhöhtes Risiko für Koliken, kurze Atempausen zw. unregelmäßige Atmung, Erbrechen, Wachstumsstörungen und einen plötzlichen Kindstod (SIDS). Kinder, die Passivrauchen ausgesetzt sind, leiden häufiger an Lungenerkrankungen, Bronchitis und Ohrenschmerzen. Darüber hinaus besteht ein größeres Asthmarisiko. Werden diese Kinder größer, müssen sie aufgrund dieser Erkrankungen häufiger der Kita und Schule fernbleiben.

Der Australian Breastfeeding Association zufolge ist die Stillzeit optimal dafür geeignet, mit dem Rauchen aufzuhören. Dies liegt nicht nur im Interesse des Kindes. Die Hormone Prolaktin und die Endorphine, die während des Stillens ausgeschüttet werden, können die schlimmsten Abstinenzsymptome dämpfen.

Klappt die Rauchentwöhnung nicht: Hören Sie nicht mit dem Stillen auf

Klappt die Rauchentwöhnung nicht, sollte trotzdem nicht mit dem Stillen aufgehört werden, auch wenn dies zunächst sinnvoll erscheinen sollte. Die Nährstoffe und der Schutzeffekt der Muttermilch sind so wertvoll, dass selbst die Muttermilch von Raucherinnen (in moderatem Maß) die optimale Ernährungsform für das Kind darstellt. Versuchen Sie aber natürlich, möglichst wenig zu rauchen.

Um das Schädigungsrisiko für das Kind zu verringern, sollte nicht im Haus bzw. in der Wohnung und im Auto geraucht werden, wenn die Rauchentwöhnung nicht geklappt hat. Das Rauchen sollte unmittelbar nach dem Stillen erfolgen, um den Nikotingehalt in der Muttermilch beim nächsten Stillen möglichst gering zu halten. Nehmen Sie das Kind nicht in Räumlichkeiten mit, in denen geraucht wird.

Wo kann ich Unterstützung bekommen, wenn ich mit dem Rauchen aufhören möchte?

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen