Untersuchungen bei Alkoholabhängigkeit

Das Verhalten alkoholabhängiger Personen kann sehr unterschiedlich sein. Dadurch kann es manchmal schwierig sein festzustellen, ob eine Person tatsächlich alkoholabhängig ist.

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Standardfragen zur Feststellung einer Alkoholabhängigkeit

Das Pflegepersonal verwendet routinemäßig verschiedene Fragebögen (Screeningtests), um eine Alkoholabhängigkeit oder einen Risikokonsum von Alkohol festzustellen. Diese Tests umfassen in der Regel mehrere Fragen. Häufig verwendete Tests sind CAGE und AUDIT. AUDIT ist ein Fragebogen, mit dem ein Risikokonsum festgestellt werden kann, jedoch weisen höhere Werte bereits auf eine mögliche Abhängigkeit hin.

CAGE-Test

Der CAGE-Test besteht aus vier Fragen. Mit dem Test kann eine Alkoholabhängigkeit festgestellt werden. Beantworten Sie eine der Fragen mit „Ja“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ihr Alkoholkonsum problematisch ist. Beantworten Sie mindestens zwei der Fragen mit „Ja“, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Alkoholabhängigkeit.

  • „Haben Sie (erfolglos) versucht, Ihren Alkoholkonsum einzuschränken?“ (Cut down)
  • „Haben andere Personen Ihr Trinkverhalten kritisiert und Sie damit verärgert?“ (Annoyed by others criticizing)
  • „Hatten Sie schon Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums?“ (Guilt feelings)
  • „Haben Sie jemals schon gleich nach dem Aufstehen getrunken, um in die Gänge zu kommen oder sich zu beruhigen?“ (Eye-opener, Muntermacher)

Körperliche Untersuchung

Zu Beginn der Alkoholabhängigkeit lassen sich keine klaren körperlichen Anzeichen dem Alkoholkonsum zuordnen. Mit zunehmender Dauer des Alkoholmissbrauchs können sich jedoch Krankheitssymptome entwickeln, die während einer körperlichen Untersuchung auffallen. So ist häufig im Verlauf der Allgemeinzustand herabgesetzt. Die Körperhygiene wird vernachlässigt. Im Rausch zieht sich der Betroffene häufig Verletzungen und Wunden zu, die beurteilt werden können.

Wenn die Struktur der Leber bereits in Mitleidenschaft gezogen ist und sich eine Leberzirrhose entwickelt hat, erkennt der Arzt dies auch an bestimmten Merkmalen. Die Handflächen erscheinen gerötet. Auch die Zunge hat ein rot-glänzendes Aussehen. Kleine Hautblutungen (Spider-Naevi) treten vermehrt auf. Im Ultraschall erscheint die Leber vergrößert und bei einer Gastroskopie (eine Untersuchung der Speiseröhre und des Magens mit einer speziellen Kamera) können Krampfadern in der Speiseröhre gesehen werden.

Oft ist auch die Bauchspeicheldrüse betroffen. Sie ist dann in ihrer Funktion eingeschränkt. Patienten klagen über Fettstühle und Schmerzen im rechten Oberbauch, die sich gürtelförmig in den Rücken ausbreiten können.

Gleichgewichtsstörungen und ein schwankender Gang sind Anzeichen für eine Kleinhirnschädigung. Auch andere Bereiche des Nervensystems können betroffen sein. Das Gefühl in Armen und Beinen wird schwächer. Dies nennt man Neuropathie. Das Vibrationsempfinden nimmt ab. Es kann zu einem Kribbeln in Händen und Füßen kommen. 

Die kognitiven Leistungen gehen durch die toxische Langzeitwirkung des Alkohols abhanden. Das Erinnerungsvermögen geht verloren und auch Neugelerntes wird schlechter verinnerlicht. Betroffene versuchen diese Lücken durch erfundene Ereignisse zu schließen. 

Hinzukommen Schlafstörungen, Angststörungen und Depressionen.  Eine Alkoholabhängigkeit führt nicht selten zu einem sozialen Abstieg mit Geldnöten und familiären Konflikten.

Blutuntersuchungen

Der erste Arztbesuch findet in der Regel aufgrund einer medizinischen oder chirurgischen Komplikation infolge des Alkoholkonsums statt. Es kann sich jedoch auch um psychische Beschwerden handeln, die abgeklärt werden sollten. Besteht der Verdacht eines Alkoholproblems, kann der Arzt verschiedene Blutuntersuchungen durchführen. Bei der Diagnose der Alkoholkrankheit haben Blutuntersuchungen jedoch nur einen begrenzte Aussagekraft.

Über die Blutwerte kann jedoch die Leberfunktion ausgewertet werden. Alkoholkonsum verursacht häufig erhöhte Leberwerte. Das Enzym Gamma-GT wird in der Regel zur Diagnose eines übermäßigen Alkoholkonsums verwendet, jedoch ist die Sensitivität niedrig und der Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein, wie z.B. nach einem hohen Alkoholkonsum in den vergangenen Wochen. Auch andere Leberwerte wie GOT (AST) und GPT (ALT) können auffällig sein und auf eine Leberzellschädigung hindeuten.

Über den CDT-Wert kann ein übermäßiger Alkoholkonsum in den letzten Wochen nachgewiesen werden. Der Test mit der höchsten Sensitivität und Spezifität (ein erhöhter Wert tritt infolge von Alkoholkonsum und nicht aufgrund anderer Ursachen auf) ist der neuere Alkoholkonsummarker PEth. Mittels PEth (Phosphatidylethanol) können in vielen Fällen ein hoher Alkoholkonsum und auch ein Rückfall bei bekannter Alkoholabhängigkeit nachgewiesen werden. Der CDT-Wert kann in ähnlicher Weise verwendet werden.

Alkoholabhängige Patienten können auch unter Blutarmut (Anämie) leiden, und es können Veränderungen im Eisenhaushalt (Ferritin) des Körpers nachgewiesen werden. Auch andere Blutwerte können Abweichungen zeigen, u. a. die Zahl der Blutplättchen und Salze im Blut.

Weitere Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Alkoholabhängigkeit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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