Kokain und Crack

In den westlichen Ländern wird Kokain in erster Linie gesnieft oder geraucht. Es kann aber auch intravenös mittels Injektion oder oral als Tabletten eingenommen werden.

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Was ist Kokain?

Es handelt sich um eine zentralstimulierende Substanz, welche die Signalweiterleitung im Gehirn beeinflusst. Kokain ist ein Alkaloid, das natürlich in der Buschpflanze Erythroxylon cocae vorkommt. Diese wächst vornehmlich in den östlichen Anden, insbesondere in Kolumbien, Bolivien und Peru. Mehr als 80 % des weltweiten Kokainhandels unterliegen der Kontrolle der Mafia in den lateinamerikanischen Ländern.

Die Wirkung der Kokablätter ist bereits seit mehreren Jahrtausenden bekannt. Sie wurden unter anderem im Zusammenhang mit religiösen Ritualen, mystischen Zeremonien, harter Arbeit und zu medizinischen Zwecken gebraucht. Heutzutage überwiegt der Missbrauch als stark wirksames Rauschmittel. Das Rauchen, Spritzen und Sniefen von Kokain ruft einen schnell einsetzenden und starken Rausch hervor, die Suchtgefahr ist enorm. Kokain gilt als die stärkste Droge überhaupt mit der höchsten Suchtgefahr. Drogenabhängige entwickeln nur eine geringe Toleranz gegenüber der Substanz, eine Erhöhung der Dosis ist also normalerweise nicht erforderlich.

Seit den 1980er-Jahren ist der Konsum von Kokain in den USA stark angestiegen. Während es früher überwiegend in den höheren Gesellschaftsschichten üblich war, wird es mittlerweile auch von den unteren sozialen Schichten konsumiert. Ein hoher Anteil des Kokainkonsums findet vermutlich in geschlossenen Milieus statt. Die Dunkelziffer liegt daher vermutlich weit über der Zahl der Fälle, die durch Untersuchungen und Beschlagnahmungen bekannt werden.

Verschiedene Kokainformen

In Südamerika werden die Kokablätter normalerweise zerkaut. Sie enthalten rund 1 % Kokain und haben eine leicht belebende Wirkung. In den westlichen Ländern wird Kokain in erster Linie gesnieft oder geraucht. Es kann aber auch intravenös mittels Injektion oder oral als Tabletten eingenommen werden. 

Auf der Straße wird Kokain in zwei Formen verkauft: als Kokainhydrochlorid und als reine Kokainkristalle (Crack). Kokainhydrochlorid ist häufig stark gestreckt, und das Pulver neigt zum Verklumpen. Aus dem Grund wird es erst mit einer Rasierklinge oder dergleichen pulverisiert und anschließend in dünne Lines aufgeteilt, die mithilfe eines dünnen Papierröhrchens durch die Nase gesnieft werden. Ein „Stripe“ enthält normalerweise ca. 25 mg Kokain. Kokainhydrochlorid wird oft auch als Coke, Snow, Flake oder Blow bezeichnet.


Kokainkristalle, sogenanntes Crack, bestehen aus reinem Kokain und bergen die höchste Suchtgefahr. Crack wird in Wasserpfeifen aufgewärmt oder mit Tabak vermischt in Zigaretten geraucht. Über die Lungen gelangt das im Crack enthaltene Kokain schnell ins Blut und ins Gehirn, wo es eine starke Rauschwirkung hervorruft, die auch der Grund für das hohe Suchtrisiko ist.

Rauschwirkung

Die Rauschwirkung von Kokain ist abhängig von der Dosierung, früherem Konsum, der jeweiligen Umgebung und der Art und Weise, auf welche der Stoff konsumiert wird. Der Rausch selbst ist kurz, aber stark, und währt normalerweise 15–60 Minuten. Das Rauchen von Crack führt zu einem rascher eintretenden Rausch, der stärker als beim Sniefen sein kann, aber bereits nach etwa 10 Minuten abklingt.

Häufig werden mehrere Dosen innerhalb kurzer Zeit konsumiert. Geringe Mengen rufen eine angenehme Rauschwirkung mit einem Gefühl der Euphorie und höheren Leistungsfähigkeit hervor. Hunger- und Schlafbedürfnis werden unterdrückt. Die Pupillen sind erweitert. Bei höherer Dosierung verstärkt sich diese als positiv empfundene Rauschwirkung. Aus dem Grund ist Kokain eine beliebte Droge.

Die häufigste Wirkungen sind nachfolgend beschrieben:

  • Gefühl von höherer Leistungsfähigkeit
  • Erhöhung von Aufmerksamkeit und Wachheit
  • bizarres und gewalttätiges Verhalten ist nicht ungewöhnlich
  • Erhöhung von Puls und Blutdruck, Herzrhythmusstörungen
  • erweiterte Pupillen
  • Krämpfe, Muskelzuckungen und erhöhte Körpertemperatur
  • Angstzustände und Panikattacken
  • selten: Halluzinationen und akute Psychose
  • Steigerung des sexuellen Lustempfindens, gesteigerter Orgasmus, bei längerem Missbrauch allerdings Impotenz

Psychische Wirkungen treten in erster Linie bei höherer Dosierung auf. Sie können häufig beobachtet werden, wenn mehreren Einzeldosen über einen längeren Zeitraum eingenommen wurden.

Schädliche Wirkung

Regelmäßiger Kokainmissbrauch über einen längeren Zeitraum kann zu Angstzuständen, Gereiztheit, Hyperaktivität, Schlaflosigkeit und Misstrauen führen, einige Konsumenten leiden zudem unter Verfolgungswahn (paranoider Psychose). Die Wahnvorstellungen ähneln denen, die durch Amphetamin hervorgerufen werden. Bei regelmäßigem Kokainkonsum kann es bei Männern schnell zur Impotenz kommen. Einige Konsumenten neigen zur Gewalt.

Chronischer Missbrauch kann zu charakteristischen Merkmalen wie Zittern, einem dicken Hals, fließender Nase und Ekzemen rund um die Nasenlöcher führen. Kokain wirkt überdies ätzend und kann zu Löchern in der Nasenscheidewand führen.

Es drohen schwere körperliche Komplikationen:

  • Atembeschwerden
  • Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Hirnschädigung
  • Epileptischer Anfall
  • Herzrhythmusstörungen

Plötzliche Todesfälle infolge eines übertrieben Kokainkonsums sind nicht ungewöhnlich und können auch schon nach kurzem Missbrauch vorkommen. Die Todesursache ist in der Regel ein epileptischer Anfall oder ein Herzstillstand.

Suchtgefahr

Kokain kann sehr schnell zur Abhängigkeit führen. Es erzeugt zwar "nur" eine psychische Abhängigkeit, d.h. es gibt keine körperlichen Entzugssymptome. Daraus sollte aber nicht die Schlussfolgerung gezogen werden, dass eine psychische Abhängigkeit harmloser wäre als die körperliche. Im Gegenteil: Jede Form der Abhängigkeit hat immer eine dominante psychische Komponente. Diese ist schwieriger zu behandeln als eine körperliche Abhängigkeit, und es kann Jahre dauern, sie wieder los zu werden.1

Die Toleranzentwicklung ist geringer als bei Opioiden (Morphin, Heroin usw.), die Dosis muss auch bei wiederholter Einnahme kaum erhöht werden, um die gewünschte Wirkung zu erhalten. Dahingegen kann die Empfindlichkeit gegenüber der Substanz zunehmen. Betroffene vertragen dann immer weniger, da die Droge eine extreme Wirkung wie etwa Angstattacken hervorruft. So kann es auch bei geringer Dosierung zu Krämpfen kommen. Beim Rauchen von Crack und beim Spritzen von Kokain ist die Suchtgefahr am höchsten. Es kommt recht schnell zur Abhängigkeit, und das Risiko wird fast immer unterschätzt. Um die unangenehmen Effekte des Kokainmissbrauchs zu dämpfen, greifen Konsumenten häufig zu Alkohol, Opioiden oder Beruhigungsmitteln. Die Gefahr eines kombinierten Drogenmissbrauchs und der Entwicklung einer Abhängigkeit von mehreren Rauschmitteln ist in dem Fall besonders hoch.

Therapie und Entwöhnung

Bei Krämpfen und anderen schweren Symptomen ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Ein spezifisches Antidot (Gegengift) gegen Kokain, wie etwa bei Heroin, gibt es nicht. Auch spezielle Arzneimittel zur Behandlung einer Kokainabhängigkeit existieren nicht. Diverse Medikamente und Therapiemaßnahmen können die Symptome einer Abstinenz lindern und beim Entzug unterstützend wirken.

Im Blut kann Kokain nach der Einnahme noch mehrere Stunden nachgewiesen werden, im Urin sogar mehrere Tage. In allen Körperhaaren sind Drogen je nach Haarlänge über viele Monate nachweisbar.2

Weiterführende Informationen

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Drogenlexikon: Kokain. Köln o.D., Zugriff: 25.5.2016. www.drugcom.de
  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Wie lange können Drogen im Körper nachgewiesen werden. Köln o.D., Zugriff: 24.5.2016. www.drugcom.de

 

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln