Alkoholdelir (Delirium tremens)

Alkoholkranke Menschen, die plötzlich nach langjährigem Alkoholkonsum aufhören zu trinken,  entwickeln in den nachfolgenden Tagen Entzugserscheinungen. Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen können auftreten. Körperliche Symptome, wie Blutdruckentgleisungen, können einen lebensbedrohlichen Zustand darstellen.

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Was ist ein Delirium tremens?

Delirium tremens ist der Fachbegriff für Störungen, die auftreten, wenn Alkoholkranke plötzlich mit dem Trinken aufhören. Es wird auch Alkoholdelir genannt. Das Delirium tremens äußert sich charakteristischerweise mit Halluzinationen und schwerer Verwirrtheit, starkem Zittern, Angstzuständen sowie körperlichen Symptomen wie Herzklopfen und Schweißausbrüchen.

Die Störung wird gelegentlich bei alkoholabhängigen Personen beobachtet, die ins Krankenhaus eingewiesen werden und keinen Alkohol mehr trinken können.

Das Alkoholdelit stellt einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand dar und bedarf einer Überwachung im Krankenhaus.

Symptome

Delirium tremens tritt in der Regel nach einem langjährigen und schweren Alkoholmissbrauch auf. Die Symptome treten typischerweise nach zwei- bis dreitägiger Alkoholabstinenz auf. Gelegentlich setzt das Delirium erst etwas später ein. Es verläuft im Allgemeinen wie folgt:

Es beginnt meist mit Zittern, Schlafstörungen, Angst, und Herzklopfen. Später schreitet es zu schwerer psychischer und körperlicher Unruhe und erheblicher Verwirrtheit fort. Anschließend treten Halluzinationen auf, d. h. Sinneswahrnehmungen, die nicht real sind. Diese können sich so klar äußern, dass die Betroffenen mit Angstzuständen und Aggressivität reagieren. Optische Halluzinationen sind keine Seltenheit.

Bei optischen Halluzinationen werden sehr oft Insekten oder andere als unangenehm oder gefährlich erlebte Tiere wahrgenommen. Die Patienten zeigen sich äußerst verängstigt. Häufig nimmt der Patient diese Tiere als auf seiner eigenen Haut krabbelnd wahr. Die Ruhelosigkeit nimmt zu, die Betroffenen sind typischerweise sehr nervös und beschäftigen sich mit scheinbar sinnlosen Aktivitäten. Auch ist der Patient anfällig für manipulative Beeinflussung von außen und sich seines eigenen Willens nicht bewusst.

Sie sind orientierungslos in Bezug auf Zeit, Raum und die eigene Situation. Starke Schweißausbrüche, Herzklopfen und Zittern fallen auf. Gelegentlich stellen Krampfanfälle eine weitere Komplikation des Alkoholentzugs dar.

Diagnostik

Die Diagnose kann anhand der Krankengeschichte und der Symptomen sowie dem ärztlichen Untersuchungsbefund gestellt werden. Bei Verdacht auf ein Delirium tremens müssen die Patienten ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Therapie

Die Entwicklung eines Delirium tremens sollte nach Möglichkeit verhindert werden. Delirium tremens wird bei Menschen mit Alkoholentzug beobachtet. Die beste Methode zur Verhinderung von Delirium tremens ist daher eine frühzeitige Behandlung der Entzugserscheinungen. Um die Betroffenen ruhig zu stellen und Schlaf zu ermöglichen, kommen Beruhigungsmittel (z.B. Benzodiazepine) zum Einsatz.

Bei voll entwickeltem Delirium besteht die Behandlung in der Regel in der Ruhigstellung der Betroffenen und der Verabreichung eines Schlafmittels. Nicht selten müssen starke Medikamente zum Einsatz kommen. Wenn die Patienten aufwachen, sind in der Regel die schlimmsten Symptome abgeklungen und die Patienten können sich an die durchgemachte Phase nicht erinnern. Ein Delir sollte nicht unterschätzt werden, da es einen lebensgefährlichen Zustand darstellt und eine professionelle Betreuung wichtig ist.

Prognose

In der Vergangenheit kam es im Zusammenhang mit Delirium tremens bei einem gewissen Anteil der Betroffenen zu Todesfällen. Dank einer angemessenen Versorgung im Krankenhaus ist dies heute nur noch selten der Fall.

Bei den meisten Betroffenen stellt Delirium tremens eine kurzzeitige und gutartige Störung dar, die behandelbar ist. Bei der überwiegenden Mehrheit klingt das Delirium bei guter medikamentöser Behandlung innerhalb von drei Tagen ab. Gelegentlich halten die Symptome länger an, und in Einzelfällen können bestimmte Symptome über mehrere Wochen bestehen bleiben.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.