Wernicke-Korsakow-Syndrom

Diese schwere Erkrankung tritt nach meist langjährigem Alkoholmissbrauch auf und gründet sich auf Vitamin B-Mangel.

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Was ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom?

Das Wernicke-Korsakow-Syndrom ist eine schwere Erkrankung, die durch Vitamin B-Mangel (Thiaminmangel) hervorgerufen wird. Die häufigste Ursache einer solchen Mangelerscheinung ist langzeitlicher Alkoholmissbrauch. In Einzelfällen wird die Krankheit auch bei Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, Essstörungen und langwieriger Übelkeit mit Erbrechen beobachtet.

Die Wernicke-Enzephalopathie ist durch Bewusstseinsstörungen, Lähmung der Augenmuskeln (Diplopie) und Ataxie (unkoordinierte Bewegungen) gekennzeichnet. Die Korsakow-Psychose ist eine unheilbare Krankheit, die sich in Form von starkem Gedächtnisverlust und Konfabulation (phantasievolle Erzählungen) äußert.

Der Vitaminmangel verursacht Hirnschäden, die unbehandelt sehr schwere Folgen haben können.

Die Häufigkeit steht im Zusammenhang mit dem Umfang des Alkoholismus in der Bevölkerung. Das Syndrom wird vermutlich noch zu wenig diagnostiziert. Die Befunde aus norwegischen Obduktionen deuten darauf hin, dass das Syndrom bei weniger als 1 % der Fälle vorkommt. Eine dänische Studie über stationär auf Abstinenz behandelte Alkoholiker ergab, dass 52 von 497 Patienten (also 11 %) unter der Wernicke-Enzephalopathie leiden.

Symptome

Die ersten Anzeichen im akuten Verlauf des Wernicke-Korsakow-Syndroms sind Sehstörungen, Balanceprobleme und Verwirrtheit. Im chronischen Stadium erkennt man eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses und Konfabulation (Gedächtnisstörung, die dazu verleitet, lebehafte Phantasiegeschichten zu erzählen) sowie ein soziales Abgleiten.

Diagnostik

Eine Diagnose wird anhand der typischen Anamnese und der Befunde der ärztlichen Untersuchung gestellt. Um andere Krankheiten auszuschließen, wird auch eine Blutuntersuchung durchgeführt. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann Aufschluss über Veränderungen im Gehirn geben.

Behandlung

Die Krankheit kann im frühen Stadium zurückgehen, wenn man dem Patienten großen Mengen Vitamin B injiziert. Daher müssen Personen mit beginnenden Anzeichen eines Wernicke-Korsakow-Syndroms schnellstens behandelt werden.

Bei weit fortgeschrittener Krankheit wie zum Beispiel Gedächtnisschwund bestehen keine guten Behandlungsmöglichkeiten.

Damit sich bestehende Schäden nicht verschlimmern, müssen alle Personen dieser Risikogruppe regelmäßig Vitamin-B erhalten. Alkoholiker, die sich für eine Entwöhnung entschieden haben, merken in der Regel ein Abklingen der Symptome.

Prognose

Bei einer frühzeitigen Diagnose und schnell einsetzenden Behandlung bestehen für die Wernicke-Enzephalopathie gute Heilungschancen. Bei weiter fortgeschrittener Enzephalopathie oder Korsakow-Psychose muss man mit bestehenden Hirnschäden rechnen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Wernicke-Korsakow-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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