Alkoholabhängigkeit, Folgen für die Kinder

Die unmittelbaren Angehörigen eines Alkoholkranken sind häufig großen und anhaltenden Belastungen ausgesetzt. So auch Kinder, die durch die Alkoholabhängigkeit ihrer Bezugs- und Vertrauensperson psychische Probleme entwickeln können.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Das Zusammenleben mit einem Alkoholkranken kann sehr schwierig für alle Angehörige sein. Tagtäglich mit den Konsequenzen der Alkoholsucht eines nahen Menschen konfrontiert zu sein, bereitet Kummer und Sorgen um die Zukunft. Nicht selten kommen wirtschaftliche Sorgen zum emotionalen Stress durch das Bröckeln des sozialen Gefüges hinzu. 

Auch Kinder leiden sehr darunter, ihre Bezugsperson an den Alkohol zu verlieren.Durch die Alkoholkrankheit ist häufig das Verhalten unvorhersehbar. Stimmungsschwankungen von Euphorie bis hin zu Aggression können sich nicht nachvollziehbar abwechseln und führen zu einem Dauerstress, dem Kinder ausgesetzt sind. Dazu kommt die Androhung von Gewalt und verbalen Belästigungen, die zusätzlich zur eigenen psychischen Belastung ein großes Schamgefühl vor Freunden auslösen. Nicht selten schweigen die Kinder über ihre Erlebnisse und grenzen sich von ihrer Außenwelt ab. Sie geraten in einen Loyalitätskonflikt. Einerseits handelt es sich um ihnen nahestehende Menschen, die dem Alkohol verfallen sind. Andererseits sind es die gleichen Menschen, die sie tagtäglich kränken, Versprechen brechen und Unsicherheit hervorrufen. Kinder werden durch die Unfähigkeit des Betroffenen mit Aufgaben betraut, denen sie in ihren jungen Jahren nicht gewachsen sind. Kinder versuchen dennoch nicht selten, diese Aufgaben zu erfüllen, da sie die Erwartungen ihrer Familie nicht enttäuschen möchten und passen sich dadurch besonders dem emotionalen Zustand der Eltern an. Auch leiden die Kineder unter einer realen Verlustangst der eigenen Familie, die sich aus gesundheitlichen wie auch aus sozialen Gründen erklärt.

Handlungsunfähigkeit

Kindern ist es häufig unmöglich, Hilfe und Unterstützung von Außenstehenden zu erhalten. In vielen Fällen wissen sie nicht, an wen sie sich wenden können oder haben Angst, um Hilfe zu bitten. Sie sind in einer Situation mit permanentem psychischen Druck gefangen. Es kann auch zu sexuellem Missbrauch kommen. Aus Angst, dass sich die Situation weiter verschlimmern könnte, enden solche Schicksalsschläge nur selten in adäquaten Lösungen und Reaktionen. Die Ereignisse können nicht angemessen verarbeitet werden.

Folgen

Bei Kindern aus Familien mit Alkoholproblemen kommt es häufiger zu:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Fernbleiben von schulischen Einrichtungen
  • Impulsivität
  • Verhaltensstörungen
  • Unruhe
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Angststörung
  • Verschiedenen körperlichen/psychosomatischen Beschwerden.

Einige Kinder haben aufgrund eines niedrigen Geburtsgewichts, mentaler Funktionsstörungen oder Missbildungen infolge des mütterlichen Alkoholkonsums während der Schwangerschaft bereits eine schlechtere Ausgangssituation. Hyperaktivität, Impulsivität und größere Verhaltensstörungen können ebenfalls ein Anzeichen für Alkoholschäden im embryonalen Stadium sein (fetales Alkoholsyndrom oder fetale Alkoholspektrumstörungen).

Ältere Kinder

Ältere Kinder und Jugendliche, die in Familien mit Alkoholproblemen aufgewachsen sind, haben häufig problematische Beziehungen. Identitätskonflikte, geringes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten, Gefühle in Worte zu fassen, Unterdrückung von Freude und Trauer, Ohnmacht gegenüber der Umgebung und übermäßiges Verständnis für andere sind häufig zu beobachtende Muster. Schuld- und Schamgefühle können über Jahre hinweg eine Belastung sein. Es kann schließlich zu psychischen Störungen wie Apathie, Depression und Angststörungen kommen. Suizidgedanken und -versuche sowie Essstörungen kommen häufig bei Kindern und Jugendlichen aus Familien mit Alkoholproblemen vor.

Wo können Hilfe erhalten?

Meist suchen die Kinder nicht selbst Hilfe, sondern fallen nicht selten in öffentlichen Einrichtungen auf. Dort erhalten die Kinder Hilfe von der Erzieherin im Kindergarten, dem Schulpsychologen, Hausarzt oder anderen Einrichtungen, die sich um Familien und Suchterkrankungen kümmern. In einigen Fällen muss das Sozialamt eingeschaltet werden, um beurteilen zu können, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Weitere Informationen

Beratungsstellen

Autoren

  • Natalie Anasiewicz, Ärztin, Freiburg i. Br.