Nikotinersatztherapie

Ein vielfach eingesetztes Hilfsmittel für die Raucherentwöhnung ist die sogenannte Nikotinersatztherapie.

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Es gibt wahrscheinlich keine einzige Maßnahme, mit der Sie mehr für Ihre Gesundheit tun und schweren Erkrankungen vorbeugen können, als mit dem Rauchen aufzuhören!

Deshalb gibt es zahlreiche Maßnahmen und Therapien, die Nikotinsüchtigen helfen, den Teufelskreis der Sucht zu durchbrechen. Zu den Hilfsmitteln, die häufig verwendet werden, gehören die sogenannten Ersatzpräparate: Nikotinhaltige Präparate, mit denen sich Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, während einer Übergangszeit Nikotin zuführen können, ohne zu rauchen. Solche Produkte können den Verzicht aufs Rauchen unterstützen, da neben der psychischen Abhängigkeit des Rauchers vor allem eine körperliche Sucht nach Nikotin besteht. Durch die Zufuhr von Nikotin in Ersatzprodukten in allmählich reduzierter Dosierung kann der Nikotinspiegel nach und nach gesenkt werden, auch dann, wenn man abrupt mit dem Rauchen aufgehört hat.

Wer profitiert von Nikotinersatzprodukten?

Wenn Sie das Rauchen aufgeben wollen, kommt Ihrer persönlichen Motivation zentrale Bedeutung zu, das heißt, Sie müssen selbst den Wunsch dazu verspüren. Bei fehlender Motivation ist die Anwendung von Medikamenten eher nicht sinnvoll. Wenn Sie motiviert und fest entschlossen sind, aufzuhören, können Sie von diesen Medikamenten profitieren. Je mehr jemand raucht, desto eher sollte eine Nikotinersatztherapie zum Einsatz kommen, insbesondere dann, wenn frühere Versuche ohne Hilfe gescheitert sind. Bei erheblicher Nikotinabhängigkeit, das heißt, wenn bereits unmittelbar nach dem Aufstehen und dann mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht werden, spricht vieles dafür, solche Präparate zu testen.

Eine Nikotinersatztherapie ist nicht geeignet für Jugendliche und nur in Ausnahmefällen für schwangere Frauen. Sie sollten auf Nikotin in jeglicher Form am besten vollständig verzichten. In der Praxis sind Kompromisse manchmal aber unvermeidbar, da nicht alle Schwangeren den Entzug ohne Hilfe schaffen. In diesem Fall stellen die Medikamente für den Fötus eine geringere Gefahr dar, als wenn weiterhin geraucht wird, denn sie enthalten (im Gegensatz zu Zigaretten) keine weiteren Giftstoffe.

Der Einsatz dieser Medikamente erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Nikotinentzug gelingt, wie in zahlreichen Forschungsprojekten gezeigt werden konnte. Allerdings sind Nebenwirkungen zu beachten. Zudem sind diese Mittel wegen der Nebenwirkungen nicht geeignet für Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Magen-Darm-Geschwüren oder Funktionsstörungen von Leber oder Nieren.

Wie werden Nikotinersatzmittel angewendet?

Nikotinersatztherapie ist in Form von Pflastern, Kaugummis, Inhalatoren, Lutschtabletten und Nasenspray erhältlich. Sie sollten diese Präparate erst dann anwenden, wenn Sie nicht mehr rauchen.1

Durch die Präparate wird dem Körper Nikotin in einer niedrigeren Dosis und mit langsamerer Freisetzung als beim Rauchen zugeführt. Die Nikotinabhängigkeit besteht in dieser Form teilweise fort, jedoch hat sich in der Praxis gezeigt, dass eine Langzeitanwendung selten ist. Es wird empfohlen, gleich zu Beginn einen Plan für die allmähliche Reduktion festzulegen. Die Behandlung mit Nikotinersatzmitteln wird parallel zum Rauchstopp aufgenommen und sollte 2–3 Monate, in schwierigen Fällen bis zu 6 Monate, fortgesetzt werden.

Wer etwa 15 Zigaretten täglich geraucht hat oder mittelmäßig stark abhängig ist, sollte den Entzug mit Kaugummis mit dem höchsten Wirkstoffgehalt (4 mg) beginnen. In den übrigen Fällen werden 2 mg als Anfangsdosis empfohlen. Seien Sie vorsichtig bei der Anwendung von Kaugummis. Kauen Sie immer nur einige wenige Male, da das Nikotin nur beim Kauen freigesetzt wird, nicht wenn der Kaugummi im Mund liegt. Kauen Sie also nur ein paar Mal, bis Sie die Wirkung spüren und lassen Sie den Kaugummi dann einfach im Mund liegen.

Lutschtabletten mit Nikotin sind ebenfalls in der Dosis 2 und 4 mg erhältlich. Sie setzen innerhalb von 20–30 Minuten Nikotin frei und eignen sich je nach Dosis für mäßig bis starke Raucher, die eher unregelmäßig über den Tag verteilt zur Zigarette gegriffen haben.

Pflaster sind in drei Stärken für 16- oder 24-stündige Anwendungsdauer erhältlich. Personen, die in der Vergangenheit täglich mehr als 30 Zigaretten geraucht haben, sollten den Entzug mit Pflastern mit der höchsten Wirkstärke beginnen, andernfalls reichen schwächere Pflaster. Nach einiger Zeit kann zu einem schwächeren Pflastertyp gewechselt werden. Pflaster eignen sich für Personen, die recht gleichmäßig über den Tag und viel geraucht haben.

Das Nikotin aus einem Spray wird über die Nasenschleimhaut sehr schnell und in hoher Dosis in den Körper aufgenommen. Spray eignet sich daher für Menschen, die sehr viel geraucht haben (mehr als 30 Zigaretten am Tag) und/oder die ihr Verlangen schlecht kontrollieren können.

Bupropion oder Vareniclin sind medikamentöse Therapiealternativen mit einem anderen Wirkmechanismus; diese Medikamente sind rezeptpflichtig. Die Behandlung mit diesen Präparaten kann ebenfalls mit einer Nikotinersatztherapie kombiniert werden.

Ist eine Nikotinersatztherapie mit Nebenwirkungen verbunden?

Nikotin hat in dieser Form die gleichen Nebenwirkungen wie das Nikotin im Tabak. Wenn Sie sich an die Anweisungen halten, nehmen Sie weniger Nikotin auf als beim Rauchen. Typische Nebenwirkungen von Nikotin sind Übelkeit, Herzklopfen und Sodbrennen. Auch Hautreizungen an der Stelle, an der das Pflaster platziert wird, sind nicht auszuschließen. Manche Menschen klagen über Reizungen in Mund und Nase bei Anwendung von Kaugummis oder Nasenspray. Lesen Sie sich den Beipackzettel des Präparats genau durch und fragen Sie bei Unsicherheiten Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Nikotinersatzpräparate sind längst nicht alles

Nikotinersatzpräparate können Sie beim Verzicht aufs Rauchen unterstützen und die körperliche Entzugssymptome mildern. Das Wichtigste zum Erfolg ist aber, dass Sie frühere Verhaltensmuster ändern: In den typischen Situationen, in denen Sie immer geraucht haben, müssen Sie nun etwas anderes tun, sich anders beschäftigen. Die Zeit jedoch, während der die Nikotinersatzpräparate dafür sorgen, dass die Entzugsbeschwerden nicht so stark sind, können Sie gut nutzen, um Strategien zu entwickeln, Ihre Verhaltensweise dauerhaft zu ändern. Für diesen Prozess gibt es viele bewährte Methoden.1

Weitere Informationen

Literatur

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Nikotinersatztherapie. www.rauchfrei-info.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Raucherentwöhnung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Tabakkonsum (Rauchen), abhängiger und schädlicher: Screening, Diagnostik und Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 076-006, Stand 2014. awmf.org
  2. Piontek, D., Atzendorf, J., Gomes de Matos, E. & Kraus, L. (2016). Kurzbericht Epidemiologischer Suchtsurvey 2015. Tabellenband: Tabakkonsum und Hinweise auf klinisch relevanten Tabakkonsum nach Geschlecht und Alter im Jahr 2015. München: IFT Institut für Therapieforschung www.ift.de
  3. Robert-Koch-Institut. Rauchen. Zugriff 21.6.2019 www.rki.de
  4. Batra A: Treatment of tobacco dependence. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(33): 555–64. www.aerzteblatt.de
  5. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Tabakentwöhnung bei COPD. AWMF-Leitlinie Nr. 020-005, Stand 2014 (in Überarbeitung) www.awmf.org
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