Rauchlose Tabakprodukte

Mögliche gesundheitliche Konsequenzen durch die Verwendung von rauchlosem Tabak, insbesondere die Entwicklung von Krebs in der Mundhöhle, sind seit langem ein Diskussionsthema.

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Schnupftabak, Lutschtabak und Kautabak werden als rauchlose Tabakprodukte bezeichnet, da sie zwar Nikotin enthalten, aber eben nicht geraucht werden. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut in den Körper aufgenommen, was etwas langsamer vonstatten geht als über die Lungen, aber dann dieselbe Wirkung hat.

Zwar sind in Zigaretten und Zigarren mehr als 1.000 (!) gesundschädliche bzw. giftige Substanzen neben dem Nikotin enthalten, aber auch in den rauchlosen Tabakprodukte lassen sich u. a. mehr als 20 krebserregende Stoffe nachweisen.

Wer regelmäßig solche Produkte kaut, schnupft oder lutscht, erhöht sein Risiko für Mundhöhlen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Weil diese Tabakprodukte meist lange im Mund verbleiben, sind Schäden an Zähnen sowie Zahnfleischentzündungen häufig die Folge.

Wenn eine schwangere Frau diese Produkte konsumiert, steigen beim Ungeborenen die Nikotinwerte. Dies schädigt das ungeborene Kind und kann schlimmstenfalls zu einer Fehlgeburt führen. Diese Produkte stellen demnach keine gesündere Alternative zum Rauchen dar.

Typisch für die in Europa hergestellten rauchlosen Tabakprodukte sind die enthaltenen Geschmacksstoffe wie ätherische Öle, Obst, Vanille oder auch Honig und Zucker.

Lutschtabak

Lutschtabak ist v. a. in Skandinavien beliebt und in feuchter oder trockener Form erhältlich. Allgemein wird er auch „Oral Snuff“ genannt; in Schweden gibt es eine besondere Art namens „Snus“ (in allen anderen EU-Ländern verboten). Diesen Tabak gibt es mit verschieden hohem Nikotingehalt. Gerade die Sorten mit niedrigeren Konzentration werden von Jugendlichen oft als Einstieg genutzt, da die Nebenwirkungen des Nikotins milder ausfallen. Lutschtabak führt jedoch auf Dauer zu einer starken Abhängigkeit.

Schnupftabak

Schnupftabak wird wie der Name sagt durch die Nase geschnupft bzw. hochgezogen. Auch dieser enthält neben stark nikotinhaltigem Tabak meist Geschmacksstoffe. In Großbritannien wird Schnupftabak als „Snuff“ bezeichnet.

Kautabak

Kautabak wird heute nur noch selten benutzt. Die Tabkablätter sind hier ebenfalls oft mit wohlschmeckenden Zusatzstoffen versetzt.

Fazit

Wer nicht anfangen will zu rauchen oder versucht, auf Zigaretten zu verzichten, sollte als „Alternative“ nicht auf rauchlose Tabakprodukte umsteigen. Sie machen ebenso süchtig und sind ebenfalls gesundheitsschädlich.1

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schnupftabak, rauchlose Tabakprodukte. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung. Schnupftabak birgt ebenso hohes Suchtrisiko wie Zigaretten. Stellungnahme Nr. 031/2013 des BfR 2013; 031: 1-6. www.bfr.bund.de
  2. Bertram B, Haid C, Pötschke-Langer M, Schaller K, Streif K. Rauchlose Tabakprodukte: Jede Form von Tabak ist gesundheitsschädlich. Heidelberg: Deutsches Krebsforschungszentrum, 2006. www.dkfz.de
  3. IARC. Smokeless tobacco. IARC Monographs 2009.
  4. Boffetta P, Straif K. Use of smokeless tobacco and risk of myocardial infarction and stroke: systematic review with meta-analysis. BMJ 2009; 339: b3060.EU-vurdering av snus.
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  11. Gunnerbeck A, Edstedt Bonamy A-K, Wikström A-K, et al. Maternal snuff use and smoking and the risk of oral cleft malformations - a population-based cohort. PlosOne 2014; 9: e84715. doi:10.1371/journal.pone.0084715 DOI
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