Was passiert im Körper, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören?

Sobald Sie aufhören zu rauchen, beginnt ihr Körper, die durchs Rauchen bedingten Schäden zu reparieren. Die ersten positiven Auswirkungen treten bereits nach 20 Minuten auf; nach mehreren Jahren liegt ihr Risiko zu sterben, wieder genauso niedrig wie das von Menschen, die nie geraucht haben.

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Rauchen, also die Zufuhr von Nikotin in Form von Tabak in Zigaretten, Zigarren, Pfeifen oder auch e-Zigaretten hat sehr viele Auswirkungen auf den Körper. Nikotin gehört zu den stärksten psychisch wirksamen Substanzen und führt oft schnell in die Abhängigkeit. Nikotin verändert die Wirkungsweise verschiedener Hirnbotenstoffe und damit Nervensignale. Auch wegen der unzähligen weiteren Substanzen und Schadstoffe im Tabak schädigt Rauchen vor allem die Blutgefäße, die Lungen und erhöht das Risiko für verschiedene Krebstypen erheblich. Die in letzter Zeit immer häufiger genutzten e-Zigaretten, Tabakerhitzer und -verdampfer haben (mit Ausnahme des Nikotins) nicht dieselben Auswirkungen auf den Körper wie üblicher Tabak. Manche im Tabak enthaltenen Schadstoffe fehlen hier, stattdessen kommen aber andere Schadstoffe hinzu. Daher warnen Experten davor, mit dem Konsum dieser Produkte zu beginnen oder darauf umzusteigen in dem Glauben, diese seien nicht gesundheitsschädlich.1

Mit dem Zug an einer Zigarette steigt sofort die Konzentration von Kohlenmonoxid im Blut an, die Sauerstoffkapazität wird dadurch eingeschränkt. Die Blutgefäße verengen sich, Haut und andere Organe werden schlechter durchblutet. Diese Veränderungen macht der Körper wieder rückgängig; auf die Dauer jedoch entwickeln sich bleibende Schäden. Rauchen führt – neben vielen anderen negativen Auswirkungen – auch zu Zellschäden, die auf Dauer zu Krebs führen.  

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Mit dem Rauchen aufzuhören, wirkt sich zu jeder Zeit positiv auf Ihre Gesundheit und die Gesundheit der Sie umgebenden Personen aus. Je früher Sie jedoch aufhören, desto eher beginnt der Körper mit dem Reparaturprozess.2,3

Im Folgenden ist aufgelistet, was in den Minuten, Stunden, Tagen und Jahren passiert, nachdem Sie eine oder am besten die letzte Zigarette geraucht haben.4

Nach 20 Minuten

  • Sind Blutdruck und Puls wieder im normalen Bereich.
  • Hat sich die Temperatur in Händen und Füßen wieder normalisiert.
  • Können die Hautzellen wieder mit der Regeneration beginnen (was frühzeitigen Falten im Gesicht entgegenwirkt).

Nach 8–12 Stunden

  • Haben sich Nikotin- und Kohlenmonoxidkonzentration im Blut deutlich reduziert.
  • Normalisiert sich die Sauerstoffkonzentration im Blut.
  • Sind Sie weniger müde.

Nach 24 Stunden

  • Haben die Lungen damit begonnen, Schleim und andere Abfallprodukte des Rauchs zu beseitigen.
  • Beginnt das Risiko für einen Herzinfarkt zu sinken.

Nach 48 Stunden

  • Hat sich die Fähigkeit, zu riechen und zu schmecken stark verbessert, weil sich die entsprechenden Nervenzellen für diese Wahrnehmungen erholen.

Nach 72 Stunden

  • Wird das Atmen leichter.
  • Beginnen die Bronchien, sich zu entspannen.
  • Sind Sie körperlich besser belastbar.

Nach 2 Wochen bis 3 Monaten

  • Sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt.
  • Hat sich die Lungenkapazität verbessert.
  • Hat sich die Blutzirkulation verbessert.
  • Hat die Haut hat eine frischere Farbe.
  • Hat sich die Chance auf eine Schwangerschaft erhöht.

Nach 1–9 Monaten

  • Haben Sie weniger Husten und Atemnot.
  • Erhöht sich Lungenfunktion wieder auf nahezu Normalwerte.
  • Funktionieren die wichtigen Flimmerhärchen (Zilien) in den Atemwegen wieder richtig.
  • Hat sich die Gefahr, dass sich ein Blutgerinnsel bildet, verringert.
  • Werden die Schäden an den Blutgefäßen, die durch das Rauchen verursacht wurden, langsam repariert.

Nach 1 Jahr

  • Hat sich das Risiko, an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) zu leiden, halbiert.
  • Hat sich das Immunsystem verbessert, und ist es weniger wahrscheinlich, eine Erkältung oder andere Krankheiten zu bekommen.
  • Ist das Risiko für Allergien und andere Krankheiten der Atemwege geringer.

Nach 5 Jahren

  • Ist das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, nur noch halb so hoch wie bei einem Raucher.
  • Ist das Risiko, an Krebserkrankungen im Mundraum, im Hals, im Rachen, den Lungen, der Blase, des Gebärmutterhalses und der Bauchspeicheldrüse zu erkranken, erheblich reduziert.

Nach 10 Jahren

  • Ist das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, nur halb so hoch wie bei Rauchern (und  das Risiko sinkt auch in den kommenden Jahren weiter).
  • Haben Sie eine Menge Geld gespart. Verwenden Sie den Ersparnisrechner von rauchfrei-info, um herauszufinden, wie viel Geld Sie im Laufe der Jahre gespart haben.

Nach 15 Jahren

  • Ist das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, nicht mehr höher als bei einer Person die nie geraucht hat. 

Weitere Informationen

Literatur


  1. Deutsches Krebsforschungszentrum. Informationen zu e-Zigaretten. Stand September 2019. www.dkfz.de
  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Rauchen und Gesundheit. Köln, o.D. Stand September 2019. www.rauchfrei-info.de
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Schutz der Familie vor Tabakrauch. Heidelberg, 2010. www.dkfz.de
  4. Deutsches Krebsforschungszentrum. Informationen zum Rauchen. Stand: September 2019. www.dkfz.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Rauchen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Rauchverhalten bezogen auf das Jahr 2012 (Anteil der Befragten in Prozent). Gliederungsmerkmale: Jahre, Region, Alter, Geschlecht, Bildung. www.gbe-bund.de
  2. Tabakentwöhnung bei COPD - S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., Verabschiedet am 21.12.2013 www.awmf.org
  3. S3-Leitlinie “Screening, Diagnostik und Behandlung des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums”, Herausgeber: AWM, DG-Sucht und DGPPN, Stand: 14.01.2015 www.awmf.org
  4. Sanner T, Grimsrud TK. Nicotine: carcinogenicity and effects on response to cancer treatment - a review. Front Oncol 2015; 5: 196. doi:10.3389/fonc.2015.00196 DOI
  5. Woloshin S, Schwartz LM, Welch HG. The risk of death by age, sex, and smoking status in the United States: putting health risks in context. J Natl Cancer Inst 2008; 100: 845-53. PubMed
  6. Mons U, Müezzinler A, Gellert C, et al. Impact of smoking and smoking cessation on cardiovascular events and mortality among older adults: Meta-analysis of individual participant data from prospective cohort studies of the CHANCES consortium. BMJ 2015; 350: h1551- doi: 10.1136/bmj.h1551 DOI
  7. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention - S3-Leitlinie. AWMF-Leitlinie Nr. 053-024, DEGAM-Leitlinie Nr. 19, Stand 2017. www.degam.de
  8. Soria R, Legido A, Escolano C, Lopez Yeste A, Montoya J. A randomised controlled trial of motivational interviewing for smoking cessation. Br J Gen Pract 2006; 56: 768-74. PubMed
  9. Lindson-Hawley N, Thompson TP, Begh R. Motivational interviewing for smoking cessation (Review). Cochrane Database of Systematic Reviews 2015. doi:DOI: 10.1002/14651858.CD006936.pub3. DOI
  10. Pötschke-Langer M, Kahnert S, Schaller K, Viarisio V, Heidt C, Schunk S, Mons U, Fode K. Tabakatlas Deutschland 2015. Pabst Science Publishers: Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, D-69120 Heidelberg, 2015. www.dkfz.de
  11. Bartecchi C, Alsever RN, Nevin-Woods C, et al. Reduction in the incidence of acute myocardial infarction associated with a citywide smoking ordinance. Circulation 2006; 114: 1490-6. Circulation
  12. Kenfield SA, Stampfer MJ, Rosner BA, Colditz GA. Smoking and smoking cessation in relation to mortality in women. JAMA 2008; 299: 2037-47. PubMed
  13. Løchen ML, Gram IT, Mannsverk J, et al. Association of occasional smoking with total mortality in the population-based Tromsø study, 2001-2015. BMJ Open 2017 Dec 28; 7(12): e019107. pmid: 29288187 PubMed
  14. Caspritz S, Christ M, Ernst A, Folkerts J, Hansmann U, Klein S, Kranzhöfer K, Kunz B, Manegold M, Penzkofer A, Treml K, Weg-Remers S, Wittenberg K et al.. Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin: Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. , 2015. www.krebsdaten.de
  15. Arcavi L, Benowitz NL. Cigarette smoking and infection. Arch Intern Med 2004; 164: 2206-16. PubMed
  16. Bjartveit K, Tverdal A. Health consequences of sustained smoking cessation. Tob Control 2009; 18: 197-205. PubMed
  17. Taylor G et al. Change in mental health after smoking cessation: Systematic review and meta-analysis. BMJ 2014 Feb 13; 348:g1151. www.bmj.com