Drogen, Anzeichen einer Abhängigkeit

Im Folgenden werden häufige Anzeichen für Drogenmissbrauch und typische Symptome bei Konsum bestimmer Drogen beschrieben.

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Allgemeine Anzeichen einer möglichen Abhängigkeit

Menschen reagieren individuell unterschiedlich auf den Konsum von Drogen. Die nachfolgenden Informationen können daher nur typische Merkmale aufzeigen. Gleichzeitig können bei manchen Menschen auch ohne Drogenabhängigkeit Symptome auftreten. Umgekehrt kann eine Drogenabhängigkeit bestehen, ohne dass dies den Betroffenen anzumerken ist.

Anzeichen einer Abhängigkeit sind:

  • Sie spüren den starken Drang, regelmäßig Drogen oder Alkohol zu konsumieren, häufig mehrmals täglich.
  • Sie sorgen dafür, die Substanzen ständig zur Verfügung zu haben.
  • Sie haben das Ausmaß Ihres Drogenkonsums nicht mehr unter Kontrolle.
  • Sie benötigen immer höhere Dosen des Rauschmittels, um eine Wirkung zu erzielen.
  • Sie haben erfolglos versucht, mit der Anwendung der Droge aufzuhören.
  • Beim Absetzen der Substanz oder der Verringerung des Konsums treten körperliche Entzugssymptome auf.
  • Sie haben das Gefühl, ohne die Droge nicht in der Lage zu sein, den Alltag zu bewältigen.
  • Sie setzen den Substanzgebrauch trotz eindeutiger körperlicher oder psychischer Schädigungen fort.

Unterschiedliche Drogen und ihre Kennzeichen

Sowohl illegale Drogen als auch vom Arzt verordnete Arzneimittel können zu Abhängigkeit führen. Darüber hinaus gibt es süchtig machende Substanzen, die viele nicht zu den Drogen rechnen, wie beispielsweise Alkohol. Die am häufigsten konsumierten illegalen Drogen sind Cannabis, Amphetamine, Kokain, Heroin und Halluzinogene (z. B. LSD). Bei den Arzneimitteln geht vor allem von Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine sowie von Morphin und anderen Schmerzmitteln eine Suchtgefahr aus.

Cannabis

Aus der Cannabispflanze werden Haschisch und Marihuana hergestellt. Cannabiskonsum führt zu einem Gefühl der Entspannung, veränderten Sinneswahrnehmungen, Albernheit, erhöhter Herzfrequenz, geröteten Augen, Müdigkeit, erhöhtem Appetit, herabgesetzter Koordinationsfähigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, einem schlechten Urteilsvermögen und Wahnvorstellungen.

Schlaf- und Beruhigungsmittel

Verschreibungspflichtige Medikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Dazu gehören Schlafmittel und Medikamente zur Linderung von Angstsymptomen wie Diazepam, Oxazepam, Nitrazepam, Alprazolam, Flunitrazepam und Benzodiazepin-ähnliche Schlaftabletten wie Zopiclon und Zolpidem. Typische Nebenwirkungen dieser Substanzen sind verwaschene Sprache, herabgesetzte Koordinationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, langsamer Herzschlag, Schwindel und Müdigkeit.

Zentrale Stimulanzien

Substanzen, die das Zentralnervensystem stimulieren, sind vor allem: Amphetamine, Methamphetamin und Kokain, aber auch Methylphenidat (ein Medikament zur Behandlung von ADHS). Typische Anzeichen bei Konsum dieser Drogen sind Euphorie, vermindertes Schlafbedürfnis, verminderter Appetit, höherer Puls und Blutdruck, schnelles Sprechen, Reizbarkeit, Rastlosigkeit und vermehrtes sexuelles Verlangen; im späteren Verlauf kommt es zu Depressionen, wenn die Wirkung der Droge nachlässt. Eine verstopfte Nase und Schäden an der Nasenschleimhaut treten häufig bei Menschen auf, die die Droge durch die Nase ziehen.

„Designerdrogen"

Dabei handelt es sich um Drogen wie Ecstasy (MDMA), die in der Regel eine amphetaminähnliche und halluzinogene Wirkung entfalten. Zu dieser Gruppe gehören auch mehrere andere neue Substanzen, meist mit aufputschenden oder halluzinogenen Eigenschaften. Diese Substanzen werden nicht selten in der Rave-Kultur und ähnlichen Tanzkulturen angewendet.
Bei Ecstasy-Konsumenten treten häufig Halluzinationen, schneller Puls, hohe Körpertemperatur, Austrocknung, Schwindel und Gedächtnisstörungen auf. Der Konsum von Ecstasy kann auch zum Tod führen.

Halluzinogene

Drogen wie LSD, PCP und Ketamin sind typische halluzinogene Drogen. Sie gehen mit unterschiedlichen Symptomen einher: LSD führt häufig zu Halluzinationen, vertauschten Sinneswahrnehmungen (man hört beispielsweise Farben), einer anhaltend veränderten Wahrnehmung der Außenwelt, raschem Puls, Bluthochdruck und Zittern. Gelegentlich bleiben psychotische Symptome (Halluzinationen oder Wahnvorstellungen) bestehen.

Opiate und Opioide

Zu dieser Gruppe zählen Heroin, Morphin, Codein, Tramadol, Methadon, Buprenorphin und Oxycodon. Einige dieser Substanzen kommen als Schmerzmittel in der Gesundheitsversorgung zum Einsatz. Opiate bewirken eine Verlangsamung aller körperlichen Reaktionen und können mit Bewusstseinstrübung sowie Beeinträchtigung der Atmung einhergehen. Charakteristisch ist eine rasche Gewöhnung des Körpers an hohe Dosen und bereits nach kurzer Missbrauchsdauer treten Entzugserscheinungen auf, sobald die Zufuhr endet. Bei intravenöser Verabreichung mit einer Spritze sind häufig typische Nadelstiche erkennbar.

Typische Anzeichen für Missbrauch bei Jugendlichen

Schulische Leistungen: Schulische Verpflichtungen werden stark vernachlässigt. Die Jugendlichen finden ständig neue Ausflüchte, um den Schulbesuch zu umgehen. Das Niveau der schulischen Leistungen lässt plötzlich nach.

Körperliche Gesundheit und Aussehen: Schwäche und Gleichgültigkeit können ein Anzeichen von Drogenmissbrauch sein, ebenso die plötzliche Vernachlässigung von Körperpflege, Kleidung und Aussehen.

Auftreten: Nahezu alle Jugendlichen achten auf ihre Privatsphäre. Fällt aber eine übertriebene Heimlichtuerei in Bezug auf persönliche Gegenstände und soziale Beziehungen und Aktivitäten auf, können sich dahinter Anzeichen für einen Drogenmissbrauch verbergen.

Geld: Der Geldbedarf steigt plötzlich an, ohne dass eine nachvollziehbare Erklärung für den Grund der Ausgaben geliefert wird; die Jugendlichen stehlen Geld und Gegenstände, um die Kosten der Drogen zu decken.

Risikofaktoren für Drogenmissbrauch und Abhängigkeit

Persönlichkeit: Menschen, die ständig auf der Suche nach Spannung und Abenteuer sind, die ein impulsives Verhalten an den Tag legen und sich gegen übliche soziale Normen auflehnen, sind eher geneigt, Drogen zu konsumieren und laufen Gefahr, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Aggressive, temperamentvolle Jugendliche ohne ausreichende Selbstkontrolle sind ebenfalls stärker suchtgefährdet.

Soziale Beziehungen: Vor allem Jugendlichen fällt es gelegentlich schwer, sich einem Gruppendruck zu widersetzen. Ein unzureichender Kontakt zu den Eltern fördert ebenfalls die Suchtgefahr.

Psychische Probleme: Mit dem Konsum von Rauschmitteln wollen manche Menschen schmerzhaften psychischen Problemen entfliehen. Die Konsumenten versuchen, psychische Beschwerden wie Angst, Depressionen und Einsamkeit zu „behandeln". Die Hälfte aller Menschen mit Suchtproblemen leidet auch an psychischen Erkrankungen, z. B. Depressionen, ADHS, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.

Veranlagung: Menschen mit bestimmten Merkmalen im Erbgut sind anfälliger für Drogenmissbrauch als andere. Wenn bei Ihnen ein enges Verwandtschaftsverhältnis zu einer Person mit Alkohol- oder Drogenproblemen besteht, sind auch Sie stärker suchtgefährdet.

Drogentyp: Von bestimmten Drogentypen geht eine höhere Suchtgefahr aus als von anderen. Hierzu gehören Heroin und Kokain. Das Risiko für eine Abhängigkeit ist auch höher, wenn Sie mehrere verschiedene Substanzen konsumieren.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden