CT der Nieren und Harnwege

Die Strahlenbelastung durch die CT-Technik ist etwas höher als die durch eine Röntgenuntersuchung. Weil die CT-Bilder jedoch deutlich mehr Informationen liefern, kann dies durchaus in Kauf genommen werden.

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Nieren und Harnwege

Die zentrale Aufgabe der Nieren ist es, das Blut von Abfallstoffen zu reinigen und sich an der Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes im Körper zu beteiligen. Bei erhöhter Aufnahme von Flüssigkeit scheiden die Nieren mehr Urin aus.Der Mensch hat zwei Nieren. Sie liegen an der hinteren Wand der Bauchhöhle an, zu beiden Seiten unmittelbar neben der Wirbelsäule auf der Höhe der unteren Rippen. Die Nieren sind bohnenförmig und ca. 10–12 cm lang. Das Nierenbecken ist mit der Niere verbunden und sammelt den erzeugten Urin (siehe Abbildung). Aus dem Nierenbecken fließt der Urin durch den Harnleiter bis zur Harnblase und von dort hinaus über die Harnröhre. Das Blut fließt durch die Nierenarterien, die aus der Aorta im Bauch abgehen, zu den Nieren.

Was ist eine CT?

CT ist die Abkürzung für Computertomografie. Die CT-Bilder entstehen durch den gleichen Strahlentyp wie konventionelle Röntgenbilder. Die CT-Technik unterscheidet sich vom Röntgen dadurch, dass man ein fortschrittlicheres Verfahren zur Aufzeichnung der Strahlen verwendet. Per Computer werden die Daten zu einem Bild zusammengefügt. Die Röntgenquellen und die Röntgendetektoren bewegen sich um die Körperregion, die abgebildet wird. Dadurch ist eine Darstellung im Querschnitt und dreidimensional möglich. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie bereits sehr kleine Veränderungen nachweisen kann. Außerdem können Bilder vom Weichteilgewebe dargestellt werden (im Gegensatz zum Röntgen, das in erster Linie Knochengewebe abbildet).

CT-Bilder sind schwarz-weiß. Die Organe werden in verschiedenen Grautönen dargestellt. Gewebe mit geringer Dichte, z. B. luftgefüllte Hohlräume, erscheinen als dunkle oder schwarze Abschnitte. Gewebe mit höherer Dichte erscheint in helleren Grautönen. Je höher die Gewebedichte, desto heller ihr Abbild. Knochengewebe wird weiß dargestellt.

Die Strahlenbelastung ist höher als bei herkömmlichen Röntgenuntersuchungen, doch dieser Nachteil wird dadurch ausgeglichen, dass der Arzt aufgrund von mehr Informationen wesentlich stärker von der CT profitiert. Man erhält einfach bessere Bilder.

CT der Nieren und Harnwege

Eine CT der Nieren und Harnwege beinhaltet die Untersuchung der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnleiter und der Blase. Die Untersuchung liefert in erster Linie Informationen über das Aussehen der Organe (anatomische Beschreibung), während bezüglich der Funktion der Organe z. B. Röntgen (Urografie) aussagekräftiger ist. Um die Bildinformationen zu verbessern, kann eine CT-Untersuchung auch mit einer Kontrastmittelinjektion in den Blutkreislauf durchgeführt werden.

Indikationen

Die CT ist in der Regel nicht das erste bildgebende Verfahren, welches zur Untersuchung der Nieren und Harnwege eingesetzt wird. Zuerst wird fast immer Ultraschall oder Röntgen durchgeführt. Jedoch ist bei nicht eindeutigen Ergebnissen oder auffälligen Funden die CT oft die nächste Untersuchung. Wenn ein Tumor in einer Niere erkannt wird, kann das CT-Verfahren nützlich sein zur Ermittlung seiner Ausdehnung. Auch zur Untersuchung möglicher Verletzungen der Nieren (und der umliegenden Organe), z. B. nach einem Verkehrsunfall, wird die CT genutzt. Darüber hinaus kann die Untersuchung weitere Veränderungen an der hinteren Bauchwand nachweisen, wie etwa vergrößerte Lymphknoten.

Normalbefunde

Gesundes Nierengewebe hat eine glatte Kontur, erscheint regulär kontrastverstärkt und hat eine normale Breite. Das Nierenbecken weist keine Verdickungen auf, und der Übergang zwischen Nierengewebe und Nierenbecken ist scharf dargestellt. Die Harnleiter sind nur als Punkte erkennbar. Die Blase hat eine gleichmäßige Kontur.

Untersuchung

Eine CT kann auf zwei verschiedene Arten durchgeführt werden: Als eine Reihe von Einzelbildern oder als zusammenhängende Bildaufzeichnung durch die sogenannte Spiral-CT.

Serie von Einzelbildern

Dieses Verfahren zur Erzeugung von CT-Bildern ist vor allem von historischer Bedeutung, da heute in den meisten Fällen die Spiral-Technologie angewendet wird.

Die zu untersuchenden Organe werden in vielen horizontalen Scheiben abgebildet, sogenannte Querschnittsbilder. Ein Querschnittsbild nach dem anderen wird aufgenommen. Während beim herkömmlichen Röntgen eine „flache“ zweidimensionale Abbildung entsteht, bei der die Organe im vorderen Teil des Körpers über denen des hinteren Teils liegen, produziert die CT Bilder, auf denen hinten liegende Organe nicht überlagert werden. Durch die Verarbeitung der Bildsignale per Computer werden die Schnitte zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt. Mithilfe einer zusätzlichen Kontrastmittelinjektion können Tumoren und entzündliche Erkrankungen durch das Sichtbarmachen der Blutversorgung dargestellt werden.

Spiral-CT

Die Spiral-CT ist eine Art der CT, bei welcher der Patient kontinuierlich durch das Strahlenfeld bewegt wird, so dass in der Umlaufbewegung von Röntgenquelle und Detektor Aufzeichnungen in einer Spirale gemacht werden. Auf diese Weise werden Informationen als kontinuierliches Volumen auf einem Computer gespeichert. Dies bedeutet, dass größere Bereiche in einer Sitzung und in kürzerer Zeit abgebildet werden können. Die Volumendaten werden dann vom Computer in Querschnittsbilder und evtl. dreidimensionale Bilder umgewandelt.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Dies kann je nach Radiologieabteilung etwas variieren. Die Informationen, die Sie aus der Radiologieabteilung erhalten, in der Sie untersucht werden, sind für Sie gültig. In den meisten Fällen verläuft die Untersuchung so, wie unten erklärt.

In der Regel werden Sie aufgefordert, ca. zwei Stunden vor der Untersuchung eine spezielle Kontrastmittellösung zu trinken. Die Lösung verteilt sich auf den Darminnenwänden und erleichtert so die Unterscheidung des Darms vom übrigen Gewebe.

Sie werden liegend auf einem motorisierten Tisch untersucht, der Sie in eine ringförmige Öffnung schiebt. Damit die Bilder nicht unscharf werden, müssen Sie während der Untersuchung ganz ruhig liegen. Während der Bildaufnahmen werden Sie angewiesen, den Atem anzuhalten.

Die Apparatur im Ringtunnel, Röntgenquellen und Röntgenempfänger, bewegt sich um Sie herum, während die Bilder gemacht werden. Gleichzeitig werden die Bilder auf einem Monitor angezeigt. Falls es notwendig ist, einen Bereich deutlicher darzustellen, wird ein Kontrastmittel ins Blut injiziert. Viele haben das Gefühl von Wärme im Körper, wenn das Kontrastmittel injiziert wird. Einige reagieren mit Unwohlsein, Übelkeit und evtl. Erbrechen. Durch langsames und tiefes Atmen können diese Beschwerden gemildert werden.

Patientenvorbereitungen

Sofern ein Kontrastmittel verabreicht werden soll, werden Sie in der Regel gebeten, vier Stunden vor der Untersuchung nichts mehr zu essen. Dies soll möglichem Unwohlsein vorbeugen.

Informieren Sie die Ärzte, wenn Sie schwanger sind, da man mit einer CT während der Schwangerschaft vorsichtig sein sollte. Sowohl der überweisende Arzt als auch die Radiologie werden dann die Notwendigkeit der Untersuchung beurteilen.

Informieren Sie die Radiologieabteilung ebenfalls über eventuelle Allergien, sodass dort die Notwendigkeit von Kontrastmitteln beurteilt und/oder vorbeugende Maßnahmen gegen eine mögliche allergische Reaktion getroffen werden können. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie bereits zuvor bei der Verabreichung eines Kontrastmittels allergisch reagiert haben.

Haben Sie Diabetes und nehmen Sie Medikamente wie Metformin oder Tolbutamid, wird Ihnen vor der Verabreichung eines Kontrastmittels eine vorübergehende Absetzung dieser Tabletten angeordnet. Damit soll sichergestellt werden, dass die Nieren nicht überlastet werden.

Klaustrophobische Reaktionen können vorkommen, aber bei den meisten Patienten verläuft die Untersuchung ohne große Probleme. Patienten, die sehr ängstlich sind, können eine Beruhigungsspritze bekommen. Patienten mit starken Schmerzen bekommen Schmerzmittel.

Metallgegenstände wie Knöpfe, Reißverschlüsse, Gürtel, Schmuck etc. müssen aus dem Untersuchungsbereich entfernt werden, um die bestmögliche Bildqualität zu gewährleisten.

Welche Befunde sind möglich?

Eine Blockade der Harnwege durch Nierensteine, Tumoren, Narbengewebe, Entzündungen etc. kann nachgewiesen werden, doch häufig wird für diese Art der Diagnose Röntgen (Urografie) oder Ultraschall verwendet. CT und Ultraschall werden zur Untersuchung von Zysten oder Tumoren in den Nieren oder möglichen Tumoren in den Harnwegen bevorzugt. In anderen Fällen wird vorzugsweise eine MRT durchgeführt.

Die Nieren und die Milz sind die inneren Organe, die am häufigsten durch Verkehrsunfälle mit Bauchverletzungen beschädigt werden. CT ist die bevorzugte Untersuchung bei Bauchverletzungen, da sie Verletzungen sichtbar macht, die beim Ultraschall übersehen werden können. Gleichzeitig bietet sie einen guten Überblick über die anderen Organe.

Mittels CT können Tumoren in der Blase nachgewiesen werden. Auch durch Ultraschall und MRT ist dies möglich. Die CT kann helfen, die Ausdehnung eines Blasentumors zu ermitteln. Die erste Wahl bei Verdacht auf einen Blasentumor ist die Untersuchung per Zystoskopie. Entsteht der Tumor-Verdacht durch eine CT-Untersuchung, muss in jedem Fall zusätzlich eine Zystoskopie durchgeführt werden, um Proben des entsprechenden Gewebes entnehmen zu können. Ist der Verdacht auf ein Karzinom erhärtet, wird daher ohne verzögernde, beschwerliche und teure Umwege eine Zystoskopie gemacht.

Nebenwirkungen

Da CT eine Röntgenuntersuchung ist, geht eine gewisse Strahlenbelastung damit einher. Je häufiger Sie sich CT- und Röntgenuntersuchungen unterziehen, desto höher ist das Risiko für Strahlenschäden. Schwangere Frauen sollten vorzugsweise keine Röntgenuntersuchungen machen lassen, da zu viel Strahlung Geburtsschäden beim Kind verursachen kann.

Bei einigen Patienten kann der Einsatz von Kontrastmitteln allergische Reaktionen hervorrufen.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Niere, Nebenniere, Blase und Harnwege
Niere, Nebenniere, Blase und Harnwege

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel CT av nyrer og urinveier. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. ESUR (European Society of Urogenital Radiology) Guidelines on Contrast Agents, 10th version (2018). Nettsiden besøkt 06.06.18. www.esur-cm.org