CT des Herzens

Eine CT des Herzens kann durchgeführt werden, um die Arterien des Herzens, die Koronararterien, abzubilden, ohne den Körper weiteren Belastungen als Röntgenstrahlen und intravenösem Kontrastmittel auszusetzen.

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Die CT des Herzens dient der Abbildung der Blutgefäße, der Koronararterien. Üblicherweise wird zu diesem Zweck eine Koronarangiografie durchgeführt. Dabei wird ein Katheter von einer Arterie aus (oftmals am Unterarm) durch das Gefäßsystem bis zum Herzen geführt. Der Vorteil einer CT ist, dass die Belastung für den Patienten geringer und eine längere Erholung nach der Untersuchung nicht notwendig ist. Der Hauptgrund dafür, dass dennoch weiterhin die traditionelle Angiografie bevorzugt wird, ist, dass während des Kathetereingriffs sofort eventuelle Blockaden entfernt werden können (PTCA mit Stentangioplastie und Gefäßerweiterung). Ist eine Herzerkrankung wahrscheinlich, so ist die Angiografie daher die bessere Wahl.

Bei vielen Patienten wird bereits bei geringem Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit eine Koronarangiografie durchgeführt. In diesen Fällen kann eine CT eine gute Alternative sein. Es ist eine große Herausforderung, die passende Untersuchung für jeden Patienten zu finden.

Eine CT-Angiografie kann auch zur Identifizierung anderer kardiovaskulärer Erkrankungen eingesetzt werden. Die Untersuchung kann nämlich ebenso Aufschluss über die Strukturen rund um das Herz geben.

Was ist eine CT des Herzens?

Eine CT der Koronararterien, die CT-Koronarangiografie, erfordert eine so genannte Mehrschicht-CT (MSCT) mittels Multidetektor-CT-Scanner (MDCT), auch ultraschnelle CT genannt. Mit der Mehrschicht-CT kann der Scan viel schneller ausgeführt werden und sehr dünne Schichten abbilden, was notwendig ist, um die Koronararterien darzustellen.

Da das Herz permanent in Bewegung ist, wird per Computertechnologie die Bilderzeugung mit den Bewegungen synchronisiert, so dass die Bilder so scharf wie möglich werden. Eine unregelmäßige oder hohe Herzfrequenz verschlechtert die Bildqualität. Ein Puls von mehr als 65–70 Schlägen pro Minute führt oftmals zu ungenügender Bildqualität, obwohl die besten Maschinen dieses zu einem gewissen Grad kompensieren können. Eine Vorbehandlung mit einem pulssenkenden und -stabilisierenden Medikament (Betablocker) kann daher erforderlich sein.

Untersuchung

Fortschrittliche Software macht es möglich, mit dieser Technologie gute Bilder zu produzieren. Neben der Darstellung der Arterienhohlräume liefert die CT-Koronarangiografie auch Informationen über die Gefäßwände und eventuelle Ablagerungen (Plaque). Ebenso ist es möglich, die Herzpumpleistung zu berechnen.

Bei der CT werden Röntgenstrahlen verwendet. Dank verbesserter Technologie ist die Strahlenbelastung bei neueren Geräten wesentlich geringer als bei früheren Untersuchungen. Es werden permanent neue Techniken entwickelt, um die Strahlendosis zu verringern.

Die wesentlichen Einschränkungen der Untersuchung sind die Voraussetzung eines stabilen Herzrhythmus und die Strahlenbelastung.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Dies kann je nach Radiologieabteilung etwas variieren. Die Informationen, die Sie aus der Radiologieabteilung erhalten, in der Sie untersucht werden, sind für Sie gültig. Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke und Nikotin vor der Untersuchung, da diese die Herzfrequenz erhöhen können.

Die CT-Koronarangiografie kann ambulant durchgeführt werden und dauert insgesamt 20–30 Minuten. In der Regel sind keine Vorbereitungen erforderlich, und auch im Anschluss sind keine Beschwerden zu erwarten. Sofern Sie grundsätzlich einen relativ schnellen Puls haben, wird man Ihnen ca. eine Stunde vor der Untersuchung eine Dosis eines Betablockers verabreichen, um Ihren Puls zu senken. Wenige Patienten reagieren schlecht auf die Betablocker und werden kurzatmig oder bekommen Atemnot nach Einnahme dieser Medikamente. In einigen Kliniken verabreicht man dem Patienten eine Tablette Nitroglyzerin, um die Koronararterien zu erweitern.

Zur Injektion von intravenösem Kontrastmittel wird ein peripherer Venenkatheter gelegt, Elektroden für eine EKG-Aufnahme werden angebracht, und Ihnen werden Anweisungen zur Atemtechnik gegeben. Die CT-Angiografie selbst dauert in der Regel 5–10 Sekunden. Im Anschluss folgt die Verarbeitung der Bilddaten. Jede Bewegung des Patienten während der wenigen Sekunden der Untersuchung verschlechtert die Bildqualität. Daher ist es wichtig, dass Sie absolut still liegen und idealerweise währenddessen den Atem anhalten. Sollte die Bildqualität zu schlecht sein, wird die Untersuchung wiederholt, bevor Sie das Gerät verlassen dürfen.

Bei welchen Patienten wird die Untersuchung durchgeführt?

Die Untersuchung ist empfohlen bei Patienten mit durch Anstrengung ausgelösten Schmerzen in der Brust und bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit, also verengte Blutgefäße im Herzen. Noch immer ist es vergleichsweise schwierig, vorherzusagen, welche Patienten wie sehr von der Untersuchung profitieren, d. h. wann eine CT des Herzens und wann eine Koronarangiografie empfehlenswert ist.

Wie genau ist die Untersuchung?

Das Verfahren hat eine relativ hohe Genauigkeit. Es erkennt 80–95 % aller Fälle mit therapiebedürftigen Veränderungen in den Koronararterien und es zeigt unauffällige Koronararterien bei etwa 90 % derjenigen, die gesunde Venen haben.

Die meisten der aktuellen großen Studien wurden allerdings in Kliniken durchgeführt, in denen es sich um ein gängiges Verfahren handelt. Daher ist ungewiss, ob die Untersuchungsergebnisse in Krankenhäusern mit weniger Erfahrung ebenso genau sind.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel CT av hjertet. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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