MRT des Herzens

Unter den bildgebenden Verfahren ist die MRT die Untersuchung, die die detailliertesten Informationen über den Aufbau (die Anatomie) und die Funktion des Herzens liefern kann.

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MRT – Was ist das?

Das bildgebende Verfahren der Magnetresonanztomografie wird als MRT abgekürzt. Das MRT-Gerät besteht aus einem starken Magneten (mehreren magnetischen Spulen), einem Funksender, einem Funkempfänger (Antenne) und einem Computer. Diese Komponenten wirken auf eine solche Weise zusammen, dass Abbildungen des Körperinneren erzeugt werden können. Das MRT-Gerät ist an beiden Seiten offen und gut beleuchtet. Während der Untersuchung liegen Sie im Gerät in einem starken Magnetfeld. Durch das Magnetfeld bzw. die elektromagnetischen Wellen des Funksenders werden die elektrisch geladenen Wasserstoffatome in Ihrem Körper für kurze Zeit gleich ausgerichtet, fallen dann aber unter Aussendung von Energie wieder in ihren natürlich Zustand zurück. Diese Signale sind je nach Gewebe unterschiedlich und werden von einem Empfänger im MRT aufgefangen und per Computer ausgewertet und zu einem Bild zusammengesetzt.

Die computergestützte Technik ermöglicht die Darstellung in vielen verschiedenen Ebenen und auch dreidimensionale Bilder. Eine Reihe besonderer MRT-Typen und -Techniken kann angewendet werden, um die MRT-Signale so zu verarbeiten, dass bestimmte Gewebetypen hervorgehoben werden. Welche Verfahren routinemäßig eingesetzt werden, kann von Zentrum zu Zentrum etwas unterschiedlich sein. Die Technik der MRT wird kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert.

Im Gegensatz zur CT und zum Röntgen kommt keine radioaktive Strahlung zum Einsatz. Schädliche Wirkungen des bei der MRT hergestellten Magnetfelds und der Funkwellen auf den Menschen sind nicht bekannt. Allerdings ist zu beachten, dass Metallteile, die in den Bereich des MRT gelangen, zu gefährlichen Unfällen führen können. Hier ist äußerste Vorsicht geboten.

MRT des Herzens

Unter den bildgebenden Verfahren ist die MRT die Untersuchung, die die detailliertesten Informationen über den Aufbau (die Anatomie) und die Funktion des Herzens liefern kann. So können durch die MRT ganz ohne den Einsatz von Nadeln und Kathetern oder radioaktiver Strahlung wichtige und mitunter auf andere Weise nicht zu erreichende diagnostische Erkenntnisse über angeborene und erworbene Herzerkrankungen gewonnen werden.

Durch die MRT-Untersuchung lassen sich hochwertige Aufnahmen des Herzens in verschiedenen Ebenen anfertigen. Darüber hinaus kann sie Informationen über verschiedene Aspekte der Herzfunktion liefern, z. B.

  • wie gut sich das Herz zusammenzieht und arbeitet (das gesamte Herz oder auch nur bestimmte Teile des Herzens)
  • wie gut die Herzklappen funktionieren
  • wie gut das Herz Blut in die Kreisläufe pumpt
  • wie ungehindert und schnell das Blut durch das Herz fließt
  • wie gut der Herzmuskel (Myokard) selbst in Ruhe und unter Belastung mit Blut versorgt wird
  • ob es Anzeichen für Schädigungen des Herzmuskels gibt
  • ob das Herz aufgrund einer Verdickung der Herzwand oder Herzschwäche vergrößert ist.

Dabei erfordert jede dieser Problemstellungen besondere MRT-Aufnahmen, und um zu vermeiden, dass die Untersuchung unnötig lange dauert, muss sie auf den einzelnen Patienten zugeschnitten werden.

Gute Gründe für die Durchführung einer MRT-Untersuchung sind angeborene Herzfehler, koronare Herzkrankheit, Schwächungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie und bestimmte andere Myokarderkrankungen), Herzklappenfehler, Erkrankungen des Herzbeutels (Perikarderkrankungen) sowie Tumoren des Herzens und seiner Umgebung.

Patientenvorbereitung

Normalerweise sind keine besonderen Vorgaben in Bezug auf die Ernährung zu beachten und auch sonst keine Vorbereitungen zu treffen. Bei Patienten, die einen Herzschrittmacher oder ein Cochlea-Implantat (Hörprothese) haben oder bei denen Blutgefäße des Gehirns aufgrund einer Subarachnoidalblutung (Hirnblutung) mit Clips versehen wurden, darf keine MRT-Untersuchung durchgeführt werden. Das Gleiche kann für Patienten mit implantierten Medikamentenpumpen und Geräten zur Nervenstimulation gelten. Auch Patienten, die z. B einen Metallsplitter im Auge haben, dürfen nicht im MRT-Gerät untersucht werden. Bei anderen Metallimplantaten sollte der Arzt oder das Pflegepersonal gefragt werden, ob eine MRT-Untersuchung möglich ist.

Hörgeräte, Zahnprothesen, Schmuck, Piercings, Haarnadeln, Perücken usw. müssen vor der Untersuchung entfernt werden. Bestimmte Kosmetika (Mascara) enthalten Metallpartikel und können zu Unbehagen führen. Deshalb sollten Sie vor der Untersuchung kein Make-up auflegen.

Die Untersuchung

Die meisten MRT-Geräte haben die Form eines Tunnels und sind an beiden Enden offen. Modernere Ausführungen sind dabei kürzer und breiter als die älteren Bauformen. Deshalb ist Klaustrophobie bei MRT-Untersuchungen heute kein so großes Problem mehr. Während der Untersuchung macht das Gerät laute Klopfgeräusche. Ohrstöpsel und/oder Kopfhörer werden eingesetzt, um das Gehör zu schonen. Wenn nur ein kleinerer Bereich (z. B. das Herz) abgebildet werden soll, wird direkt auf die zu untersuchende Stelle ein Funkempfänger aufgelegt, der die Funksignale aufnimmt.

Moderne MRT-Geräte haben zwar eine größere Öffnung und rufen seltener klaustrophobische Gefühle hervor als ältere Bauformen, manche Patienten empfinden die Untersuchung aber dennoch als unangenehm. Um die Klaustrophobie in solchen Fällen zu lindern, sind bei einzelnen Patienten Beruhigungsmittel erforderlich. Mit dem Untersuchungspersonal wird eine Kommunikationsverbindung aufgebaut. Sie können also mit dem Personal sprechen, auch wenn es sich im Steuerungsraum nebenan befindet. Versuchen Sie, sich so gut wie möglich zu entspannen. Die Untersuchung verursacht keine Schmerzen.

Sie liegen dabei auf einer speziellen Liege, die bewegt werden kann. Wenn Sie bequem liegen, fährt die Liege in das Gerät hinein. Es ist sehr wichtig, dass Sie während der Untersuchung still liegen, damit die Bilder scharf werden. Da das Herz ständig in Bewegung ist, müssen die Aufnahmen mit dem Herzrhythmus synchronisiert werden. Manchmal wird ein Kontrastmittel in die Blutbahn verabreicht, um die Qualität der Bilder zu erhöhen. Die Dauer der Untersuchung ist unterschiedlich, meist dauert sie jedoch 30 bis 45 Minuten.

Nach welchen Veränderungen wird gesucht?

Bei angeborenen Herzfehlern kann die MRT dabei helfen, den Herzfehler und die Funktion des Herzens genau zu untersuchen. Auch für die Nachkontrolle nach einer Herzoperation kann die MRT herangezogen werden.

Bei der Untersuchung von Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit: Angina pectoris und Herzinfarkt) spielt die MRT bisher keine große Rolle, doch es wird erwartet, dass sich dies zukünftig grundlegend ändern wird. Durch das Verfahren scheinen sich äußerst zuverlässige Erkenntnisse über die Blutversorgung der verschiedenen Bereiche des Herzens gewinnen zu lassen, ohne dass eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt werden muss. Außerdem scheint es aussagekräftige Informationen über den Funktionsstatus der Herzmuskulatur liefern zu können. Diese sind wichtig, um nach einem Herzinfarkt das Ausmaß der Schädigung zu beurteilen.

Bei muskulären Erkrankungen des Herzens (Kardiomyopathie) scheint die MRT außerdem in manchen Fällen  bessere Aufnahmen zu bieten als die Verfahren, die heute typischerweise zum Einsatz kommen. Ansonsten kann die MRT des Herzens zur Beurteilung von Herzklappenfehlern, Erkrankungen des Herzbeutels (Perikarderkrankungen) und anderen selteneren Erkrankungen herangezogen werden.

Nebenwirkungen

Da keine Röntgenstrahlung zum Einsatz kommt, ist die Untersuchung mit keiner Strahlenbelastung verbunden. Bei Patienten mit Metallimplantaten wie z. B. Hüftprothesen oder Herzschrittmachern darf eine MRT-Untersuchung aufgrund der starken magnetischen Kräfte, die dabei wirken, nicht durchgeführt werden. Wenn ein Kontrastmittel verwendet wird, besteht das Risiko einer allergischen Reaktion. Hier trifft das Personal entsprechende Vorkehrungen. Wichtig ist eine normale Funktion der Nieren, da die meisten Kontrastmittel mit dem Urin ausgeschieden werden. Dies wird zuvor überprüft.

Die MRT gilt zwar auch bei schwangeren Patientinnen als sicher, dennoch versuchen viele Ärzte eine MRT-Untersuchung insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel zu vermeiden.

Weiterführende Informationen

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel MRT, Herz. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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