Untersuchung des unteren Harntrakts mithilfe radioaktiver Substanzen (Radionuklid-Zystografie)

Die Zystografie ist eine Untersuchung der Harnblase. Dies kann zum Beispiel mithilfe von radioaktiven Substanzen durchgeführt werden.

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Der Harntrakt – Was ist das?

Der Urin, der in den beiden Nieren produziert wird, sammelt sich jeweils im Nierenbecken. Vom Nierenbecken aus gelangt der Urin durch die beiden Harnleiter in die Harnblase. Bei der Frau wird der Urin dann über eine 3–4 cm lange Harnröhre aus dem Körper geleitet. Beim Mann ist die Harnröhre 10–15 cm lang und verläuft durch die Prostata und im Penis.

Radionuklid-Zystografie – Was ist das?

Bei der Radionuklid-Zystografie werden dem Körper kleine Mengen radioaktiver Stoffe (Isotope) zugeführt, um die Funktion der Harnleiter und der Harnblase zu beurteilen. Die Untersuchung verläuft in zwei Stufen. Zunächst werden die radioaktiven Stoffe zusammen mit Kochsalzklösung direkt in die Harnblase eingeleitet. Mithilfe eines Geräts (Gammakamera), das die radioaktive Strahlung der Stoffe registriert, wird eine Aufnahme angefertigt – ein sogenanntes Zystogramm. Auf dem Bild sind die untersuchten Organe nicht präzise dargestellt, sondern als Ansammlung von Punkten zu sehen. Anhand der Farbgebung und Dichte der Punkte kann der Arzt wertvolle Informationen über den Gesundheitszustand des entsprechenden Organs gewinnen.

Die Untersuchung des unteren Harntrakts wird vor allem bei Kleinkindern mit häufigen Harnwegsinfektionen durchgeführt. In manchen Fällen nämlich besteht ein Zusammenhang zwischen Harnwegsinfekten und der Fehlfunktion, dass Urin von der Harnblase aus zurück in die Harnleiter fließt. Dazu kommt es insbesondere beim Absetzen von Urin, wenn sich die Harnblase zusammenzieht. Normalerweise sollte der Urin nicht in die Harnleiter zurückfließen. Ist dies jedoch der Fall, wird diese Störung als (vesikoureteraler) Reflux bezeichnet.

Indikationen

Die Untersuchung ist v.a. bei Kleinkindern mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten angezeigt, wenn der Arzt einen Rückfluss des Urins von der Harnblase in die Harnleiter vermutet. Aber auch bei größeren Kindern und Erwachsenen kann die Untersuchung natürlich durchgeführt werden, wenn der Verdacht auf einen Reflux besteht.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Patienten werden liegend untersucht. Ein dünner Blasenkatheter wird in die Harnröhre eingeführt und bis in die Harnblase vorgeschoben. Anschließend wird eine Kochsalzlösung, die die radioaktiv markierten Stoffe enthält, in die Blase eingeleitet, bis diese voll ist. Nun werden die Patienten aufgefordert, ihre Blase zu entleeren. Während der Füllung und der Entleerung der Blase werden Aufnahmen von Harnblase, Harnleitern und Nieren angefertigt, um zu prüfen, ob es zu einem Rückfluss kommt. Sind die Aufnahmen abgeschlossen, wird der Katheter wieder entfernt. Möglicherweise empfiehlt der Arzt, anschließend ein Antibiotikum einzunehmen.

Auswertung auffälliger Befunde

Ein leichter Rückfluss von Urin in die Harnleiter ist normal und erfordert keine Behandlung. Fließen jedoch größere Mengen Urin zurück, ist eventuell eine operative Korrektur notwendig.

Weiterführende Informationen

Autoren

Dr. med. Susanne Meinrenken, Bremen