Szintigrafie der Hirndurchblutung

Die nuklearmedizinische Untersuchung der Hirndurchblutung wird häufig als CBF-Untersuchung (CBF = Cerebral Blood Flow) oder Hirn-SPECT (SPECT = Single Photon Emission Computed Tomography) bezeichnet.

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Eine nuklearmedizinische Untersuchung – Was ist das?

Eine nuklearmedizinische Untersuchung wird auch als Szintigrafie bezeichnet. Dies ist eine Untersuchung, bei der dem Körper kleine Mengen radioaktiver Stoffe (Isotope) zugeführt werden. Die Untersuchung verläuft in zwei Stufen. Zunächst werden die radioaktiven Stoffe direkt in die Blutbahn gespritzt. Die Stoffe sind so beschaffen, dass sie sich spezifisch in den Organen des Körpers anreichern, die untersucht werden sollen, in diesem Fall im Gehirn.

Die radioaktive Substanz sammelt sich schnell im Gehirn an. Mithilfe eines Geräts (einer Gammakamera), das die radioaktive Strahlung der Substanz registriert, wird eine Aufnahme angefertigt – ein sogenanntes Szintigramm. Auf dem Bild ist der Blutfluss im Gehirn nicht präzise abgebildet, sondern erschließt sich indirekt aus der Menge an radioaktiver Substanz, die sich im Gewebe angesammelt hat. Es liefert aber dennoch wertvolle Informationen, die anderweitig kaum zu erlangen wären.

Untersuchung der Hirndurchblutung

Die nuklearmedizinische/szintigrafische Untersuchung der Hirndurchblutung wird häufig als CBF-Untersuchung (CBF = Cerebral Blood Flow) oder auch Hirn-SPECT (SPECT = Single Photon Emission Computed Tomography) bezeichnet. Die radioaktiven Stoffe, die dabei eingesetzt werden, passieren die Blut-Hirn-Schranke (Grenze zwischen Blutgefäßen des Körpers und des Gehirns) und sammeln sich in Zellen des Hirngewebes an. Je besser das Gehirn durchblutet ist, desto größer ist die Menge des Stoffes, die in das Gehirn gelangt. Umgekehrt gilt das Gleiche: Je schlechter die Hirndurchblutung, desto geringer die Menge des Stoffes im Hirngewebe.

Ergänzend kann bei der Untersuchung auch ein Arzneimittel gespritzt werden, das die Blutgefäße im Gehirn erweitert. Auf diese Weise lassen sich zusätzliche Informationen darüber erlangen, wie gut die Blutzirkulation im Gehirn ist, d. h. welche Reservekapazität vorhanden ist.

Bei verschiedenen Formen der Demenz sowie bestimmten anderen Hirnkrankheiten sind in der Hirn-SPECT-Untersuchung typische Veränderungen zu erkennen. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen lassen sich jedoch nicht die Blutgefäße in ihrem Verlauf im Gehirn darstellen, sondern es zeigt sich lediglich ein Bild darüber, ob die Durchblutung in allen oder bestimmten Regionen des Gehirns normal oder vermindert ist.

Indikationen

Die Untersuchung wird allgemein z.B. im Rahmen der Demenzdiagnostik durchgeführt, allerdings kommen hier zunächst Ultraschall sowie ggf. CT und MRT zum Einsatz. Auch nach Schlaganfällen ist sie ein nützliches Hilfsmittel, um zu klären, ob die Blutversorgung des geschädigten Bereichs verbessert werden kann. Besteht der Verdacht auf einen sehr schweren Schaden des Gehirns, kann die Szintigrafie ebenfalls wichtige Hinweise geben. Wenn bei Patienten mit Epilepsie eine operative Behandlung in Betracht gezogen wird, liefert die Untersuchung vor dem Eingriff wertvolle Informationen. Auch bei verschiedenen Entzündungen des Gehirns kann sie sinnvoll sein. Mitunter wird die Untersuchung auch eingesetzt, um vor bestimmten neurochirurgischen Eingriffen die Blutversorgung des Gehirns abzuklären.

Patientenvorbereitung

Es ist sehr wichtig, dass die Patienten während der Aufnahme still liegen. In der Regel dauert diese mindestens 20 Minuten. Manche Patienten benötigen ein Mittel zur Beruhigung. Normalerweise wird ein solches Beruhigungsmittel verabreicht, nachdem die Spritze mit dem radioaktiven Stoff gesetzt wurde. Es ist hilfreich, wenn Angehörige anwesend sein und sich um unruhige Patienten kümmern können. Vor allem, wenn die Untersuchung aufgrund einer Störung der Hirndurchblutung durchgeführt wird, dürfen die Patienten einen Tag vor der Untersuchung keine alkohol- oder koffeinhaltigen Getränke und keine Schokolade mehr zu sich nehmen, und einige Medikamente, die die Hirndurchblutung verändern, sollten nach Möglichkeit vorübergehend abgesetzt werden. Fragen Sie Ihren überweisenden Arzt, ob solche Maßnahmen nötig sind.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Verabreichung des radioaktiven Stoffes in die Blutbahn findet in einem ruhigen Raum mit gedämpfter Beleuchtung statt. Mit der Aufnahme der Bilder wird entweder sofort oder etwa eine Stunde nach der Verabreichung des Stoffs begonnen. Dazu wird eine Mehrkopf-Gammakamera eingesetzt. Die Aufnahme dauert 20 bis 45 Minuten. Um Bewegungen des Kopfes zu verhindern, die die Qualität der Bilder verringern würden, wird der Kopf der Patienten in einer speziellen Halterung fixiert.

Am Vortag findet in der Regel eine Voruntersuchung statt.

Ist die Untersuchung mit Risiken verbunden?

Die Untersuchung ist ungefährlich und das Komplikationsrisiko minimal. Auch die Anwendung des radioaktiven Stoffes ist nur mit geringen Risiken verbunden. Die Substanz gelangt nur in geringen Konzentrationen in den Körper und wird schnell wieder abgebaut.

Weiterführende Informationen

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Zerebraler Blutfluss, Messung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.