Szintigrafie der Nieren

Die Szintigrafie ist eine bildgebende Untersuchung, bei der dem Körper kleine Mengen radioaktiver Stoffe (Isotope) zugeführt werden. Die Untersuchung wird sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern durchgeführt, um die Funktion der Nieren zu untersuchen und Erkrankungen, Schädigungen oder Defekte des Nierengewebes nachzuweisen.

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Die Nieren

Der Mensch verfügt über zwei Nieren. Sie liegen an der hinteren Wand der Bauchhöhle an und befinden sich beidseitig unmittelbar neben der Wirbelsäule auf Höhe der untersten Rippe. Die Nieren sind bohnenförmig und etwa 10–12 cm lang. Das im Nierengewebe gefilterte Blutpasma sammelt sich als Harn im Nierenbecken, der durch die Harnleiter in die Harnblase fließt und von dort durch die Harnröhre nach außen abgeleitet wird. Mit Blut versorgt werden die Nieren jeweils über eine Arterie (Nierenarterie), die in der Bauchhöhle von der Hauptschlagader abgeht. Eine Nierenvene transportiert das Blut wieder von den Nieren zurück zur Hauptvene des Körpers.

Niere, Längsschnitt

Die Hauptaufgabe der Nieren besteht darin, das Blut von Abfallstoffen zu reinigen und zur Regulierung des Flüssigkeitshaushalts im Körper beizutragen. Bei erhöhter Aufnahme von Flüssigkeit scheiden gesunde Nieren entsprechend mehr Urin aus; trinkt ein Mensch zu wenig oder verliert viel Flüssigkeit (Schwitzen), produzieren die Nieren entsprechend weniger, höher konzentrierten Urin (deutlich dunklere Farbe).

Szintigrafie – Was ist das?

Die Szintigrafie ist eine bildgebende Untersuchung, bei der dem Körper kleine Mengen radioaktiver Stoffe (Isotope) zugeführt werden. Die Untersuchung verläuft in zwei Stufen. Zunächst werden die radioaktiven Stoffe direkt in die Blutbahn gespritzt. Die Stoffe sind so beschaffen, dass sie sich vorrangig in den Organen des Körpers ansammeln, die untersucht werden sollen (hier den Nieren). Dies dauert einige Zeit. Deshalb liegt zwischen der Verabreichung der Substanzen und der Aufnahme der Bilder eine gewisse Wartezeit. Mithilfe eines Geräts (Gammakamera), das die radioaktive Strahlung der Stoffe registriert, wird eine Aufnahme angefertigt – ein sogenanntes Szintigramm. Auf dem Bild sind die untersuchten Organe nicht präzise dargestellt, sondern als Ansammlung von Punkten zu sehen. Anhand der Punkte lassen sich Konzentration und Verteilung des radioaktiven Markers erkennen und damit auf die Funktion und Größe, Form und Lage der Nieren rückschließen.

Szintigrafie der Nieren – Was ist das?

Die Untersuchung wird durchgeführt, um die Funktion der Nieren zu untersuchen und Erkrankungen, Schädigungen oder Defekte des Nierengewebes nachzuweisen. Die Szintigrafie der Nieren kann mithilfe verschiedener radioaktiver Substanzen (Isotope, man spricht deshalb auch von Isotopennephrografie) vorgenommen werden, die vom Nierengewebe aufgenommen werden. So lassen sich spezielle Fragestellungen klären: Insbesondere kann der Arzt beurteilen, ob beide Nieren gleich gut funktionieren oder etwa ein Organ schwächer arbeitet. Die Untersuchungen kommen sowohl bei Kindern, auch bereits sehr kleinen Kindern, als auch bei Erwachsenen zum Einsatz. Die sogenannte dynamische Nierenszintigrafie wird vor allem bei Kindern eingesetzt, weil die entsprechende radioaktive Substanz noch weniger Risiken birgt als die bei Erwachsenen zur statischen Szintigrafie eingesetzten Stoffe.

Bei einer unauffälligen Szintigrafie der Nieren ist der Blutfluss in der rechten und der linken Niere gleich. Die ersten Aufnahmen erfolgen bereits wenige Minuten nach Injektion der radioaktiven Substanz und zeigen Form, Größe und Lage der Nieren. Auch nachdem der Patient einmal Wasser gelassen hat, erfolgt oft noch eine Aufnahme um festzustellen, wie schnell die Substanz die Nieren bereits wieder verlassen hat.

Wann wird eine Szintigrafie der Nieren durchgeführt?

Die Nierenszintigrafie dient dazu, Größe, Lage und Funktion der Nieren zu bestimmen. Sie eignet sich auch gut, um Unterschiede zwischen den Nieren festzustellen, da sich dabei die Funktion beider Nieren miteinander vergleichen lässt. Zeigen Beschwerden oder andere Untersuchungen beispielsweise, dass eine oder beide Nieren nicht gut arbeiten, kann eine Szintigrafie schon bei wenigen Wochen oder Monate alten Säuglingen dabei helfen, zu kleine oder fehlgebildete Nieren ohne ausreichende Funktion zu erkennen. Wenn der Verdacht auf ein Abflusshindernis oder eine verengte Nierenarterie besteht, lässt sich dies durch die Szintigrafie ebenfalls weiter abklären. Auch nach einem Unfall mit möglicher Verletzung der Nieren, nach einer Nierenbeckenentzündung oder im Rahmen einer Nierentransplantion eignet sich die Szintigrafie zur Prüfung der Nierenfunktion. 

Die Untersuchung

Zu Beginn der Untersuchung wird der radioaktive Stoff in ein Blutgefäß im Arm verabreicht. Schon wenige Minuten später und anschließend zu verschiedenen Zeitpunktionen werden Aufnahmen angefertigt. Zu Beginn sind auf den Bildern die großen Blutgefäße und die beiden Nieren zu sehen. Dann lässt sich allmählich die Aktivität des Nierengewebes erkennen. Nach fünf Minuten sollte das Sammelsystem (Nierenbecken) sichtbar sein. Danach werden regelmäßig weitere Aufnahmen angefertigt, die einen Eindruck davon vermitteln, wie gut die Nieren arbeiten. In bestimmten Fällen wird den Patienten nach einer gewissen Zeit ein Medikament (Captopril oder ein harntreibendes Mittel) gespritzt, durch das sich u. a. besser beurteilen lässt, ob die Nierenarterie verengt ist.

Die Aufnahmen können im Sitzen oder Liegen stattfinden. Die Kamera (Gammakamera) ist dabei von hinten auf die Nieren gerichtet. Die radioaktiven Substanzen werden im Körper recht schnell abgebaut bzw. ausgeschieden, sodass die Strahlenbelastung für den Patienten vergleichsweise gering ist. 

Patientenvorbereitung

Für ein Verfahren der Nierenszintigrafie sollten die Patienten zuvor genügend Flüssigkeit getrunken haben; die Ärztin wird Sie entsprechend informieren. Wird ein Medikament gespritzt, das die Urinausscheidung erhöht, kann dies vorübergehenden Schwindel auslösen; auch darüber wird der Arzt vorher mit Ihnen sprechen.

Welche Befunde sind möglich?

Ist die Urinausscheidung des Sammelsystems auf einer Seite eingeschränkt, kann dafür ein Nierenstein oder ein Tumor verantwortlich sein. Eine eingeschränkte Blutversorgung kann auf eine verengte Nierenarterie hindeuten. Auch bei der Beurteilung eines Nierenversagens oder der Verlaufskontrolle von Patienten, bei denen eine Nierentransplantation vorgenommen wurde, kann die Untersuchung nützliche Informationen liefern.

In manchen Fällen sind anschließend weitere Untersuchungen erforderlich. Am häufigsten kommen dann Ultraschall, CT, MRT oder Angiografie zum Einsatz.

Weiterführende Informationen

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen