Szintigrafie der Schilddrüse

Die Szintigrafie der Schilddrüse ist eine Untersuchung, bei der dem Körper geringe Mengen radioaktiv markierten Jods zugeführt werden. Diese Substanz sammelt sich in der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) an und kann so zur Untersuchung der Drüse herangezogen werden.

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Schilddrüse

Schilddrüse, Glandula thyreoidea

Die Schilddrüse wird in der Fachsprache Glandula thyreoidea genannt. Sie sitzt an der Vorderseite des Halses kurz unter dem Adamsapfel. Die Schilddrüse produziert ein Hormon namens Thyroxin, das in kontrollierten Mengen in den Blutkreislauf abgegeben wird. Thyroxin wirkt sich auf den Stoffwechsel des gesamten Körpers aus. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) erhöht sich die Geschwindigkeit von verschiedenen Reaktionen und Organfunktionen im Körper. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) nimmt die Geschwindigkeit ab. Die Freisetzung der Schilddrüsenhormone wird durch ein Hormon (TSH) gesteuert, das im Gehirn gebildet und von der Hypophyse ausgeschüttet wird. Bei einer erhöhten TSH-Ausschüttung nimmt auch die Produktion und Freisetzung des Thyroxins zu. Wird dagegen weniger TSH ausgeschüttet, sinkt auch die Thyroxinproduktion und -ausschüttung. Wird die Schilddrüse über längere Zeit durch erhöhte Mengen TSH stimuliert, beginnt sie zu wachsen – ein Kropf (Struma) entwickelt sich.

Thyroxin enthält Jod, und die Schilddrüse ist das Organ im Körper, das den größten Teil des Jods bindet. Wird dem Körper Jod zugeführt, nimmt somit auch die Menge an Jod in der Schilddrüse zu.

Szintigrafie der Schilddrüse – Was ist das?

Die Szintigrafie ist eine Untersuchung, bei der dem Körper kleine Mengen eines radioaktiven Stoffs zugeführt werden; bei einer Schilddrüsenszintigrafie werden radioaktiv markiertes Jod oder Technetium verwendet, weil diese von den Schilddrüsenzellen aufgenommen werden. Die Untersuchung verläuft in zwei Stufen. Zunächst wird der radioaktive Stoff direkt in die Blutbahn gespritzt. Daraufhin wird er (im Falle einer Schilddrüsenszintigrafie) zur Schilddrüse transportiert, wo er sich ansammelt. Nach etwa 5–25 Minuten oder nach 2–4 Stunden (je nach Substanz) wird eine Aufnahme von der Schilddrüse angefertigt. Dieses sogenannte Szintigramm wird mithilfe eines Geräts (einer Gammakamera) hergestellt, das die radioaktive Strahlung der zuvor verabreichten Substanz registriert. Auf dem Szintigramm ist das untersuchte Organ nicht präzise dargestellt, sondern als Ansammlung verschieden dichter Punkte zu sehen. Anhand der Farbgebung und Intensität der Punkte lässt sich aber auf die Konzentration der radioaktiven  Substanz und damit auf den Gesundheitszustand der Schilddrüse bzw. etwaige Krankheiten rückschließen.

Die Szintigrafie liefert keine zuverlässigen Informationen über die genaue Größe der Drüse. Kleine hormonproduzierende Tumoren lassen sich mittels Szintigrafie aber oft nachweisen und anschließend genauer diagnostizieren. Ist ein Knoten jedoch groß genug, dass er sich von außen tasten lässt, entscheidet sich die Ärztin meist eher für eine Ultraschalluntersuchung und Gewebebiopsie des Knotens zur weiteren genaueren Diagnostik. Mithilfe anderer Untersuchungsmethoden lassen sich ebenfalls sehr genaue oder auch zuverlässigere Informationen über Größe, Erscheinungsbild und Funktion gewinnen. Die Szintigrafie kommt dennoch bei bestimmten Indikationen bevorzugt zum Einsatz.

Bei einer unauffälligen Untersuchung sind eine gleichmäßige Verteilung der radioaktiv markierten Substanz in der Drüse und keine Anzeichen von Knoten zu erkennen.

Indikationen

In erster Linie dient die Szintigrafie der Schilddrüse zur Abklärung der verschiedenen Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), etwa auch bei tastbaren Knoten in der Schilddrüse in manchen Fällen,  doch auch bei Verdacht auf Entzündungen der Drüse (zum Beispiel eine subakute Thyreoiditis). Auch zur Verlaufskontrolle bei der Therapie von gutartigen oder auch bösartigen Schilddrüsenkrankheiten (Krebserkrankung der Schilddrüse) wird sie eingesetzt. Auch in manchen Fällen einer Schilddrüsenunterfunktion oder dann, wenn Schilddrüsengewebe an Stellen außerhalb der Schilddrüse im Körper vorhanden ist, kann eine Schilddrüsenszintigrafie als Untersuchungsmethode zur Diagnostik oder Verlaufskontrolle zum Einsatz kommen.

 

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Testdosis des radioaktiven Stoffs wird direkt in die Blutbahn verabreicht. Nach etwa einer halben Stunde oder 2–4 Stunden (je nach Substanz) wird mit der Aufnahme der Bilder begonnen, die meist eine halbe Stunde dauert. Die Person, die die Untersuchung durchführt, wird wahrscheinlich Ihren Hals abtasten und die erhobenen Befunde auf den Aufnahmen einzeichnen. Falls bei Ihnen eine Hyperthyreose vorliegt, wird zusätzlich oft gemessen, wie viel radioaktiv markiertes Jod die Schilddrüse 4 und 24 Stunden nach der Verabreichung der Testdosis aufgenommen hat. Bei Krebserkrankungen der Schilddrüse wird 24 bis 72 Stunden nach Verabreichung der Dosis radioaktiv markierten Jods eine Aufnahme des gesamten Körpers angefertigt.

Patientenvorbereitung

In der Woche (bis zu 10 Tagen) vor der Untersuchung sollten Sie keine jodhaltigen Stoffe (wie sie u. a. in Nahrungsergänzungsmitteln und Hustenmedikamenten enthalten sein können) zu sich nehmen. Schilddrüsenmedikamente bzw. -hormone sind je nach Präparat 10 Tage bis 4 Wochen vor der Untersuchung abzusetzen; in den vorherigen 4 Monaten sollten keine Röntgenkontrastmittel angewendet worden sein. In manchen Fällen sollten Sie vor der Untersuchung 4 Stunden nichts mehr gegessen oder getrunken haben; darüber wird Sie die Ärztin informieren. Ansonsten müssen in der Regel keine besonderen Vorbereitungen getroffen werden.

Bei Schwangeren darf in der Regel keine Szintigrafie erfolgen, bei stillenden Müttern gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen.

Maßnahmen bei auffälligen Befunden

Anhand der Szintigrafie lässt sich oft noch keine endgültige Diagnose stellen. Um zu ermitteln, wie gut die Schilddrüse arbeitet, müssen zusätzlich Blutproben entnommen und der Hormonspiegel bestimmt werden. Besteht der Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung, können Untersuchungen auf Antikörper eine wichtige Maßnahme darstellen. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lässt sich ermitteln, ob ein Knoten zystisch (mit Flüssigkeit gefüllt), fest oder eine Mischung von beidem ist. Knoten müssen ebenfalls genauer untersucht werden. Dazu wird mithilfe einer Nadel zunächst eine Gewebeprobe des Knotens entnommen (Biopsie) und diese anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Je nach Ergebnis sind dann eventuell eine Operation oder andere Therapien erforderlich.

Weiterführende Informationen

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Szintigrafie, Schilddrüse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

 
  1. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin. DGN-Handlungsempfehlung (S1-Leitlinie) Schilddrüsenszintigraphie. AWMF-Leitlinie Nr. 031-011, Stand 30.10.14. www.awmf.org