Szintigrafie des Herzens

Die Szintigrafie des Herzens ist eine schmerzfreie Herzuntersuchung mithilfe von speziellen radioaktiven Substanzen. Anhand der Aufnahmen lässt sich die Durchblutung des Herzmuskels unter Belastung und in Ruhe beurteilen.

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Das Herz

Gesundes Herz, Ansicht von vorn
Herzkammern, Ansicht von vorn

Das Herz ist ein starker Muskel, der das Blut durch den Körper pumpt. Das Muskelgewebe des Herzens wird in der Fachsprache als Myokard bezeichnet. Das Herz besteht aus zwei Vorhöfen (Atrien) und zwei Herzkammern (Ventrikeln). Sauerstoffarmes Blut, das zum Herzen zurückfließt, strömt zunächst in den rechten Vorhof und dann in die rechte Herzkammer. Von der rechten Herzkammer aus wird das Blut in die Lunge gepumpt, wo es Kohlendioxid abgibt und mit Sauerstoff angereichert wird. Danach wird das Blut im linken Vorhof gesammelt und fließt von dort in die linke Herzkammer. Von hier aus wird das Blut durch die Hauptschlagader (Aorta) und die anderen Arterien in den Körperkreislauf gepumpt.

Das Herz ist von einer äußeren Haut, dem Perikard, umgeben. An der Außenseite des Herzens sind die herzeigenen Blutgefäße, die Koronararterien, zu finden, die den Herzmuskel (Myokard) mit Blut versorgen. Bei einer Koronarerkrankung sind Abschnitte einer oder mehrerer Koronararterien verengt oder verstopft, sodass der Herzmuskel nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Szintigrafie – Was ist das?

Die Szintigrafie ist eine Untersuchung, bei der dem Körper kleine Mengen radioaktiver Stoffe (Radiopharmaka oder Isotope) zugeführt werden. Die Untersuchung verläuft in zwei Stufen. Zunächst werden die radioaktiven Stoffe direkt in die Blutbahn gespritzt. Die Stoffe sind so beschaffen, dass sie sich vorrangig in den Organen des Körpers ansammeln, die untersucht werden sollen. Dies kann einige Zeit dauern. Deshalb liegt zwischen der Verabreichung der Stoffe und der Aufnahme der Bilder eine gewisse Wartezeit. Mithilfe eines Geräts, das die radioaktive Strahlung der Stoffe registriert (Gammakamera), wird eine Aufnahme angefertigt – ein sogenanntes Szintigramm. Auf dem Bild stellt sich das Organ mit unscharfen Grenezn als eine Ansammlung von Punkten dar, aus deren Farbgebung und Dichte der Arzt wichtige Hinweise zur Funktion des jeweiligen Organs gewinnen kann.

Myokardszintigrafie – Was ist das?

Die Myokardszintigrafie ist eine schmerzfreie Untersuchung der Durchblutung des Herzens mithilfe von Isotopen. Die dabei angefertigten Aufnahmen zeigen, wie sich die radioaktiven Stoffe in der Herzmuskulatur verteilen. Auf diese Weise lässt sich abbilden, wie die verschiedenen Bereiche des Herzmuskels mit Blut versorgt werden, sodass auch unterversorgte Bereiche erkannt werden können.

Es gibt verschiedene Arten von radioaktiven Stoffen, die bei der Untersuchung eingesetzt werden können, um verschiedene Eigenschaften des Herzens sichtbar zu machen.

Indikationen

Die Myokardszintigrafie ist eine Spezialuntersuchung, die bei Patienten mit unklarer Herzerkrankung (zum Beispiel Angina pectoris oder Herzinfarkt) durchgeführt wird. Dabei kann es sich um Patienten mit einem auffälligen Belastungs-EKG ohne Brustschmerzen, um Patienten mit untypischen Brustschmerzen oder auch um Patienten mit Angina-typischen Schmerzen und unauffälligem Belastungs-EKG handeln. Es können auch Patienten sein, bei denen ein Herzinfarkt vermutet wird, bei denen die üblichen Tests jedoch keine Klarheit gebracht haben. Mitunter wird die Untersuchung vorgenommen, um abzuklären, ob eine bereits nachgewiesene Engstelle in einer Koronararterie die Durchblutung deutlich beeinträchtigt. Die Untersuchung kann aber auch dazu dienen, nach einem Herzinfarkt das Ausmaß der Schädigung zu ermitteln. In manchen Fällen wird die Untersuchung vor einer Herzoperation vorgenommen, um das Risiko des Eingriffs abzuschätzen. Außerdem kann mithilfe der Untersuchung beurteilt werden, ob die Aufweitung einer Koronararterie erfolgreich war oder ob ein bereits angelegter Bypass noch gut funktioniert.

Zudem können durch spezielle grafische Darstellung der Ergebnisse mittels Computersoftware die Bewegungen der Herzwand bei Patienten mit Angina pectoris oder Herzinfarkt analysiert und Bereiche mit eingeschränkter Beweglichkeit oder mit Anzeichen einer Aussackung des Herzens (Aneurysma) erkannt werden.

Mithilfe der Szintigrafie lässt sich auch beurteilen, wie viel und wie schnell Blut durch die verschiedenen Hohlräume des Herzens hindurchfließt, d.h. es lässt sich untersuchen, wie effektiv das Herz Blut pumpt.

Die Untersuchung

Der radioaktive Stoff wird intravenös in die Blutbahn verabreicht. Thallium sammelt sich in den Herzmuskelzellen an, wobei die in die Zellen aufgenommene Menge in einem direkten Verhältnis zur Durchblutung steht. Einige Zeit später werden Aufnahmen angefertigt. Auf den Bildern sind Bereiche des Herzens mit eingeschränkter Blutversorgung daran zu erkennen, dass dort eine geringere Menge des radioaktiven Stoffs aufgenommen wurde. Der Test wird entweder unter körperlicher Belastung auf einem Fahrradergometer oder einem Laufband durchgeführt. Es handelt sich also um einen Belastungstest. Nach einigen Stunden Ruhe werden erneut Aufnahmen angefertigt. So lassen sich Lage und Umfang von Bereichen mit eingeschränkter Blutversorgung beurteilen. Durch einen Vergleich der unter Belastung und in Ruhe angefertigten Aufnahmen lässt sich zudem zwischen einer vorübergehend und einer dauerhaft eingeschränkten Blutversorgung unterscheiden.

Der Belastungstest kann auch mithilfe eines Arzneimittels durchgeführt werden, das die Arterien des Herzens erweitert (dilatiert). Dadurch kann die Durchblutung genauso wie durch körperliche Anstrengung gesteigert werden.

Patientenvorbereitung

Beachten Sie die jeweiligen Anweisungen Ihres Krankenhauses. Im Allgemeinen gilt jedoch Folgendes:

Idealerweise sollten Sie vor der Untersuchung acht Stunden nichts zu sich nehmen. Eventuell können Sie jedoch etwas Wasser trinken. Wird zur Belastung ein Fahrradergometer eingesetzt, kann es jedoch sinnvoll sein, einige Stunden vor dem Test eine leichte Mahlzeit einzunehmen.

Wird die Untersuchung bei Ihnen mithilfe des Medikaments Adenosin durchgeführt, ist es wichtig, dass Sie vor der Untersuchung weder Tee, Kaffee, Kakao oder andere koffeinhaltige Getränke noch Schokolade zu sich nehmen. Außerdem müssen Sie ggf. die Gabe des Asthmamedikaments Theophyllin unterbrechen. Werden Sie mithilfe des Arzneimittels Dobutamin getestet, muss zuvor gegebenenfalls die Behandlung mit einem Betablocker in Abstimmung mit Ihrem Arzt eingestellt worden sein. Außerdem sollte einen Tag vor der Untersuchung kein Viagra mehr eingenommen werden.

Außerdem wird der Arzt mit Ihnen besprechen, welche Ihrer Medikamente Sie bei bereits bekannter Herzerkrankung vor der Untersuchung nicht einnehmen sollen.

Weiterführende Informationen

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Szintigrafie, Myokard. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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