Urografie: Röntgen der Nieren und Harnwege

Bei einer Röntgenuntersuchung der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnleiter und der Harnblase kommt Kontrastmittel zum Einsatz, um gute Aufnahmen zu erhalten. Fachsprachlich wird diese Untersuchung als Urografie bezeichnet. Die Aufnahmen geben sowohl Auskunft über das Aussehen als auch über die Funktion der Nieren und Harnwege.

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Nieren und Harnwege

Die zentrale Aufgabe der Nieren ist es, das Blut von Abfallstoffen zu reinigen und sich an der Regulierung des Flüssigkeitshaushalts im Körper zu beteiligen. Bei erhöhter Aufnahme von Flüssigkeit scheiden die Nieren mehr Urin aus. Wenn eine Blockade an irgendeiner Stelle des Harnsystems vorliegt, dann erweitert sich der Bereich oberhalb, z. B. Teile des Harnleiters und das Nierenbecken, eine Erkrankung, die als Hydronephrose bezeichnet wird.Menschen haben zwei Nieren. Sie liegen an der hinteren Wand der Bauchhöhle an, unmittelbar neben und beidseits der Wirbelsäule auf der Höhe der unteren Rippen. Die Nieren sind bohnenförmig und ca. 10–14 cm. Das Nierenbecken hängt mit der Niere zusammen und sammelt den erzeugten Urin. Aus dem Nierenbecken fließt der Urin durch die Harnleiter in die Harnblase und wird von dort durch die Harnröhre nach außen entleert. Das Blut fließt über Arterien (Nierenarterien), die aus der Hauptschlagader im Bauch abzweigen, in die Nieren. Das Nierenbecken, die Harnleiter und die Harnblase werden insgesamt auch als Harnsystem bezeichnet.

Was ist das Röntgen der Nieren und Harnwege?

Es handelt sich um eine Röntgenuntersuchung der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnleiter und der Harnblase. Damit die Strukturen auf den Aufnahmen zu erkennen sind, kommt Kontrastmittel zum Einsatz. Fachsprachlich wird diese Untersuchung als Urografie bezeichnet. Die Aufnahmen geben sowohl Auskunft über das Aussehen (Anatomie) als auch über die Funktion der Nieren und Harnwege. Anatomisch zeigen die Aufnahmen die Größe, Form und Struktur dieser Organe, und die Untersuchung kann entsprechende Schäden und Erkrankungen aufzeigen. Die Nierenfunktion spiegelt sich erstens darin wider, wie lange das Kontrastmittel in den Nieren verbleibt, zweitens darin, wie das Kontrastmittel durch die beiden Nieren ausgeschieden wird, und drittens darin, wie gut die Harnblase in der Lage ist, sich zu entleeren.

Mit einer Urografie lassen sich Nierensteine präziser erkennen als im Ultraschall. Zur Untersuchung einer Hydronephrose sind Urografie und Ultraschall gleichermaßen gut geeignet, allerdings zeigt die Urografie in der Regel die Ursache für die Blockade besser.

Bei einem normalen Urografie-Befund zeigt sich eine normale Größe, Form und Position der Nieren, der Harnleiter und der Harnblase. Bei normaler Nierenfunktion erscheint die Kontrastmittelaufladung der Nieren auf Röntgenaufnahmen 2–5 min nach der Kontrastmittelinjektion. Nach 5–7 min sollte das Nierenbecken sichtbar sein. Spätere Aufnahmen zeigen die Harnleiter und die Harnblase als Ausdruck dafür, dass das Kontrastmittel die unteren Harnwege erreicht. Nach der Harnentleerung sollte kein Harn mehr in der Blase verbleiben.

Indikationen

Eine Urografie ist zur ersten Einschätzung vieler Harnwegsprobleme erforderlich, insbesondere zur Untersuchung von Blut im Urin, Tumoren, wiederkehrenden Infektionen, Nierensteinen, akuten kolikartigen Flankenschmerzen und Verletzungen oder Erkrankungen der Nieren, des Nierenbeckens oder der Harnleiter.

Patientenvorbereitungen

Vor einer geplanten Untersuchung muss der Darm entleert werden, damit die Aufnahmen scharf werden. Normalerweise ist es dafür ausreichend, am Abend vor der Untersuchung Abführmittel einzunehmen und am Morgen des Untersuchungstages ein Klistier zu setzen. Sie werden aber bei der Vorbesprechung der Untersuchung dazu beraten, wie Sie die Darmentleerung am besten durchführen. Für Kinder und ältere Personen gelten möglicherweise andere Empfehlungen.

Die Vorschriften, wie lang Sie vor der Untersuchung nicht mehr essen und trinken dürfen, können sich unterscheiden, in der Regel werden aber vier Stunden empfohlen. Befolgen Sie daher einfach die Anweisungen, die Sie erhalten. Wichtige Medikamente dürfen Sie mit ein wenig Wasser einnehmen.

Geben Sie auf jeden Fall Bescheid, wenn Sie allergisch sind, insbesondere wenn Sie bereits früher auf Kontrastmittel reagiert haben. Auch wenn Sie an Diabetes erkrankt sind, müssen Sie darüber informieren. Falls Sie Diabetesmedikamente mit dem Wirkstoff Metformin einnehmen, werden Sie instruiert, die Einnahme für den Tag der Untersuchung und danach so lange auszusetzen, bis kontrolliert wurde, dass die Nierenfunktion (Kreatinin) wieder normal ist, z. B. am nächsten Tag.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen auf eine Schwangerschaft getestet werden. Alternativ dazu kann die Untersuchung in den ersten 14 Tagen nach der Menstruation durchgeführt werden. Setzen Sie die Röntgenabteilung unbedingt davon in Kenntnis, wenn Sie schwanger sind.

Die Untersuchung

Metallgegenstände wie Knöpfe, Reißverschlüsse, Gürtel usw. müssen vor der Untersuchung abgelegt werden. Es werden 50–100 ml eines strahlenundurchlässigen jodhaltigen Kontrastmittels injiziert, das sich nach und nach in den Nieren und Harnwegen konzentriert. Die Darstellung der Niere hängt von der Menge an Kontrastmittel ab, das die Nieren erreicht, während die Darstellung der Harnwege hauptsächlich von der Fähigkeit der Nieren abhängt, den Harn zu konzentrieren. Nach der Injektion des Kontrastmittels werden in regelmäßigen Abständen über die nächsten 20–30 Minuten Röntgenaufnahmen gemacht. Zum Abschluss erfolgt eine Aufnahme, nachdem Sie die Harnblase entleert haben. Um Unschärfen zu verhindern, werden Sie aufgefordert, während der Aufnahmen den Atem anzuhalten. Manchmal erfolgt zusätzlich zur Urografie eine CT-Untersuchung, um eine bessere bildliche Darstellung von Veränderungen in Nieren zu erhalten.

Bei der Untersuchung erfolgt zunächst eine Übersichtsaufnahme des Bauchs, bevor das Kontrastmittel injiziert wird. Diese Aufnahme dient zur Kontrolle, dass der Darm entleert ist und sich die Nieren abbilden lassen. Exkremente oder Gas im Darm können die Niere verschatten und die Interpretation der Aufnahmen erschweren. Es können möglicherweise auch Verkalkungen vorliegen, und es ist wichtig, solche Verkalkungen zu lokalisieren, bevor das Kontrastmittel sie verschattet. Dann wird das Kontrastmittel injiziert, in der Regel in der Ellenbeuge. Während und kurz nach der Injektion spüren Sie, wie sich Wärme im Körper ausbreitet, Sie fühlen einen metallischen Geschmack im Mund, und manchmal kommt es zu Übelkeit und Unbehagen. Falls solche Beschwerden auftreten, konzentrieren Sie sich darauf, tief und langsam zu atmen. So werden die Beschwerden weniger anstrengend und gehen nach und nach vorüber.

Möglicherweise ist es notwendig, die Passage des Kontrastmittels von den Nieren in die Harnblase zu verzögern. In diesem Fall wird ein „Spezialgürtel“ um den Bauch geschnallt. Nach ca. 10 Minuten wird dieser Gürtel geöffnet und unmittelbar danach eine Aufnahme gemacht.

Die Untersuchung dauert üblicherweise 45–60 Minuten. Bei einem schlechten Abfluss auf einer oder beiden Seiten kann sich die Untersuchung über mehrere Stunden erstrecken.

Vorsichtsmaßnahmen

In seltenen Fällen kommt es vor, dass ein Patient auf die Gabe des Kontrastmittels mit einer allergischen Reaktion reagiert. Daher werden Sie von denjenigen, die die Untersuchung durchführen, genau beobachtet. Falls es Anzeichen einer allergischen Reaktion gibt, erhalten Sie antiallergische Medikamente.

Falls der Patient unter Niereninsuffizienz, schweren Herz- oder Lungenerkrankungen oder einem multiplen Myelom leidet, wird im Allgemeinen von einer Urografie abgesehen. In vielen Fällen wird eine Ultraschalluntersuchung bevorzugt.

Welche Befunde können sich ergeben?

Die Übersichtsaufnahme zeigt möglicherweise Verkalkungen, z. B. Nierensteine. Nach der Injektion des Kontrastmittels ermittelt der untersuchende Facharzt, ob die Position und Größe der Nieren normal ist, ob die Nieren und das Nierenbecken normal aussehen, ob die Harnleiter die normale Größe haben oder ob Anzeichen einer Blockade vorliegen, und zum Schluss, ob die Harnblase ein normales Bild aufweist.

Die häufigsten anomalen Befunde sind Veränderungen der Größe, Form und Position der Nieren, des Nierenbeckens und der Harnleiter. Eine Blockade der Harnwege ist in den meisten Fällen auf Nierensteine zurückzuführen, in selteneren Fällen auf einen Tumor, der in den Harnleiter eingewachsen ist. Nierenzysten (eine Zyste ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum) sind ein häufiger Befund und in der Regel ungefährlich, allerdings kann es schwierig sein, bei einer Urografie solche Zysten von Tumoren zu unterscheiden. Tumoren können sich bei den Nierenkonturen als Ausbuchtung zeigen, möglicherweise auch als Verschiebung der Strukturen im Inneren der Niere und eventuell auch durch eine Größenzunahme der Niere – insbesondere wenn der Tumor an einem der beiden Nierenpole liegt. Solche Befunde werden mithilfe von Ultraschall oder CT weiter untersucht. Es ist des Weiteren möglich, eine große Reihe mehr oder weniger seltener Erkrankungen durch eine Urografie nachzuweisen, diese alle hier zu beschreiben, würde aber zu weit führen.

Die weitere Abklärung der Ergebnisse einer Urografie sind von den Befunden abhängig, in diesem Zusammenhang relevante weitere Untersuchungsverfahren sind Ultraschall, Zystoskopie, CT, MRT und eine Nierenbiopsie.

Weiterführende Informationen

Illustrationen

Niere, Nebenniere, Blase und Harnwege
Niere, Nebenniere, Blase und Harnwege

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Urografi. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Johns Hopkins Medicine. Intravenous pyelogram. Accessed July 4, 2014.