Ultraschall der Nieren und Harnwege

Durch den Ultraschall werden die Nieren, das Nierenbecken, der Harnleiter und die Harnblase dargestellt. Der Ultraschall bietet auch gute Bilder vom Hodensack/vom Testikel, wenn Bedarf für eine solche Untersuchung besteht. Die Untersuchung gibt vor allem Aufschluss über das Aussehen der Organe.

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Nieren und Harnwege

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Nieren und Harnwege

Wir haben zwei Nieren. Sie liegen an der hinteren Wand der Bauchhöhle an, unmittelbar neben und auf jeder Seite der Wirbelsäule auf der Höhe der unteren Rippen. Die Nieren sind bohnenförmig und ca. 10–12 cm lang. Das Nierenbecken hängt mit der Niere zusammen und sammelt den erzeugten Urin (siehe Abbildung). Aus dem Nierenbecken fließt der Urin durch den Harnleiter bis zur Harnblase und von dort hinaus über die Harnröhre. Beim Mann rechnet man die Prostata zu den Harnwegen. Das Blut fließt durch eine Arterie (Nierenarterie), die aus der Aorta im Bauch abzweigt, zu den Nieren.

Die zentrale Aufgabe der Nieren ist es, das Blut von Abfallstoffen zu reinigen und sich an der Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes im Körper zu beteiligen. Bei erhöhter Aufnahme von Flüssigkeit scheiden die Nieren mehr Urin aus.

Was ist der Ultraschall?

Beim Ultraschall handelt es sich um Schallwellen, die mittels Schallkopf (Sonde) in den Körper gesendet werden. Die Schallwellen haben eine so hohe Frequenz, dass sie für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Wenn die Schallwellen auf das Körpergewebe treffen, entsteht ein Echo. Das Echo ermöglicht es, dass die Schallwellen zur Sonde zurückkommen, die diese Signale empfängt. Die Sonde kann Ultraschallsignale senden und empfangen. Nach der Verarbeitung auf einem Computer werden die eingehenden Schallsignale als vitale Schwarz-Weiß-Bilder auf einem Bildschirm gezeigt. In einigen Fällen werden Ultraschallgeräte angewendet, die Farbbilder zeigen.

Verschiedene Arten von Körpergewebe weisen eine unterschiedliche Dichte auf. Die Schallsignale (Echos), die zur Sonde zurückkommen (reflektiert werden), variieren je nach Organ oder Gewebetyp. So sind die Echos oder Schallsignale von beispielsweise Knochen- und Fettgewebe unterschiedlich. Die verschiedenen Gewebe und Organe lassen sich so in der Regel auf den Bildern, die während der Ultraschalluntersuchung interpretiert werden, voneinander unterscheiden. Die Reflexion in der Luft ist so stark, dass das Gewebe hinter den Luftansammlungen nicht beurteilt werden kann.

Es ist nicht bekannt, dass Ultraschall schädliche Nebenwirkungen hat, und es besteht kein Strahlungsrisiko wie beim Röntgen. Ultraschall hat im Gegensatz zum Röntgen den Vorteil, dass auch Bilder von weichen Organen dargestellt werden können. Mit Luft gefüllte Organe wie Lunge und Darm liefern jedoch keine zufriedenstellenden Bilder.

Die Doppler-Technik ist eine spezielle Ultraschalltechnik, die es ermöglicht, den Blutfluss durch ein Organ darzustellen. Beispielsweise dann, wenn die Blutversorgung beeinträchtigt ist und somit auch der Blutfluss.

Ultraschall der Nieren und Harnwege

Durch den Ultraschall werden die Nieren, das Nierenbecken, der Harnleiter und die Harnblase dargestellt. Der Ultraschall bietet auch gute Bilder vom Hodensack/vom Testikel, wenn Bedarf für eine solche Untersuchung besteht. Die Untersuchung liefert vor allem Informationen darüber, wie die Organe aussehen, während Informationen darüber, wie die Organe funktionieren, begrenzt sind. Der Ultraschall kann ohne Rücksicht auf die Nierenfunktion durchgeführt werden, (vgl. Urografie) d. h. die Untersuchungen können auch bei einer schweren Niereninsuffizienz durchgeführt werden. Bei Adipositas entstehen schlechtere Bilder. Luft im Darm erschwert eine Interpretation der Bilder.

Normalbefunde zeigen regelmäßige Konturen der Nieren. Die normale Nierenlänge bei einem Erwachsenen beträgt 9–12 cm. Ein gesunder Harnleiter lässt sich in der Regel nicht mit Ultraschall darstellen. Die Harnblase wird im vollen Zustand mit scharfer Abgrenzung sichtbar.

Wann wird ein Ultraschall der Nieren und Harnwege durchgeführt?

Der Ultraschall ist die erste Wahl bei der Beurteilung von Erkrankungen mit erweitertem Nierenbecken und Harnleitern (Hydronephrose), besonders bei Niereninsuffizienz oder bei Befunden mit nicht funktionierenden Nieren bei der Urografie. Der Ultraschall ist auch die erste Wahl bei der Diagnose von Nierentumoren, Zysten und Abszessen (Eiteransammlungen). Zu den weiteren Gründen für einen Ultraschall zählen das Messen der Nierengröße bei Niereninsuffizienz, das Follow-up von Patienten mit Nierentransplantation oder mit verschiedenen chronischen Nierenerkrankungen, die Überwachung und Bewertung der Nierengröße und einer möglichen Narbenbildung bei Kindern mit Harnwegsinfektionen, die Einführung von Einsätzen (perkutane Interventionen), die Beurteilung des Blutflusses mittels Doppler-Technik und Beurteilung von Prostata und Blase.

Patientenvorbereitung

Bei der Untersuchung der Blase muss diese gefüllt sein. Viele radiologische Abteilungen wünschen, dass der Patient nichts isst oder keine kohlensäurehaltigen Getränke oder Milch in den letzten vier Stunden vor der Untersuchung zu sich nimmt. Luft im Magen oder Darm kann den Einblick erschweren. Es sollten auch keine Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmitteln oder Spiegelungen des Magens oder des Darms in den letzten 24 Stunden vor der Untersuchung durchgeführt worden sein. Folgen Sie den Anweisungen der radiologischen Abteilung, in der Sie untersucht werden sollen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung ist schmerzfrei. Die Untersuchung erfolgt in der Regel liegend. Es wird eine Gelmasse auf die Haut aufgetragen, um einen besseren Kontakt mit dem Schallkopf zu erreichen. Während der Untersuchung werden Sie gelegentlich gebeten, tief einzuatmen und den Atem anzuhalten, sodass die Bilder schärfer werden. Insgesamt dauert die Untersuchung ca. 10–30 Minuten. Ein Ultraschall kann nicht auf offenen Wunden oder über Verbände hinweg durchgeführt werden.

Welche Befunde sind möglich?

Nierensteine können mit Ultraschall festgestellt werden, wobei das Röntgen (Urografie) in diesem Zusammenhang die bessere Untersuchung ist. Steine, die kleiner als 5 mm sind, können beim Ultraschall leicht übersehen werden.

Durch die Blockade der Harnwege sind die Urografie und der Ultraschall gleich gute Methoden, um die Erweiterung des Sammelsystems zu untersuchen, aber die Urografie bietet die präzisere Bilddarstellung hinsichtlich der Ursachen bei Verschlüssen. Die überwiegende Ursache einer Blockierung sind Nierensteine. Andere Ursachen sind Tumore, Narben nach Infektionen, angeborene Störungen und Veränderungen an der hinteren Bauchwand. Der Ultraschall kann die Größe der Nieren und die Breite des Nierengewebes zeigen und bestimmen, ob eine Hydronephrose (Erweiterung des Nierenbeckens) vorliegt. Blockierungen weiter oben im Harnleiter können häufig erfasst werden, während Blockierungen aufgrund des darüberliegenden luftgefüllten Darms schwieriger zu erkennen sind.

Wenn Verengungen in den Nierenarterien auftreten, kann dies mithilfe der Doppler-Technik als herabgesetzter Blutstrom in der Niere dargestellt werden.

Beim Feststellen eines Tumors oder einer anderen Raumforderung in der Niere klärt man durch Ultraschall ab, ob es sich um eine Zyste (mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum) oder um einen soliden Tumor handelt. Zysten sind ein sehr häufiger Befund beim Ultraschall der Nieren, und sie sind fast immer gutartig. Bei einem festen Tumor untersucht der Arzt, ob der Tumor in das umliegende Gewebe eingewachsen ist und ob Streuungen (Metastasen) in den Lymphknoten oder in der Leber vorliegen. In seltenen Fällen kann man Abszesse (mit Eiter gefüllter Hohlraum) in oder außerhalb der Niere finden.

Harnblase

Tumore der Harnwege finden sich häufig in der Harnblase. Tumore haben unterschiedliche Formen. Luft und Stuhl im Dickdarm können leicht als Blasentumore fehlinterpretiert werden. Der Ultraschall wird gemeinsam mit einer CT und einer MRT in der Diagnostik angewandt, aber am wichtigsten ist die Zystoskopie, die es ermöglicht, denn Tumor direkt zu begutachten und kleine Gewebeproben (Biopsien) zu entnehmen. Durch den Ultraschall können auch Ausstülpungen der Harnblase, sogenannte Blasendivertikel, nachgewiesen werden.

Prostata

Die Prostata wird mit einem transrektalen Ultraschall untersucht. Das bedeutet, dass ein Ultraschallkopf (eine Sonde) in den Mastdarm (Rektum) eingeführt wird. Die Untersuchung kann die Gesamtgröße der Prostata und kleine Raumforderungen in den Drüsen aufzeigen. Der Ultraschall unterscheidet nicht sehr gut zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren, auch wenn die Verdickungen, die am Drüsenrand liegen, oft bösartig sind. Bei einer MRT scheint es die besten Zusatzinformationen über mögliche Tumore in der Prostata zu geben.

Hodensack und Hoden

Der Ultraschall ist die bevorzugte bildgebende Untersuchung, wenn man nach Tumoren im Hodensack sucht, aber die Szintigrafie und die MRT sind Alternativen dazu. Der Ultraschall kann zwischen Tumoren im Hoden und gutartigen Zysten in den Nebenhoden unterscheiden. Bei akuten Schmerzen in den Hoden ist der Ultraschall mit Doppler-Technik eine gute Untersuchung, um zwischen einem verdrehten Hoden (Hodentorsion), einer akuten Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis) und einer akute Entzündung der Hoden (Orchitis) zu unterscheiden. Bei kleinen Jungen passiert es, dass die Hoden nach dem embryonalen Stadium nicht in den Hodensack gelangen. Der Ultraschall eignet sich dann gut, um die Hoden zu finden.

Weiterführende Informationen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sonografie, Nieren/Harnwege. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Schmidt G, Görg C. Kursbuch Ultraschall: Nach den Richtlinien der DEGUM und der KBV. 6. Auflage. Thieme 2015. books.google.de
  2. Johns Hopkins Medicine. Kidney ultrasound. Accessed July 7, 2014.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. Informationen zum Fach. Berlin, o.D. (Zugriff: 10.8.2016). www.degum.de